Flugzeugabsturz in Rostow am Don [Update]

Boeing aus Dubai zerschellt bei Landung - alle 62 Insassen tot

In der östlich der ukrainischen Grenze gelegenen südrussischen Stadt Rostow am Don ist heute Morgen eine Boeing 737-800 der Linie FlyDubai zerschellt. Alle 55 Passagiere des Fluges FZ981 und alle sieben Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Das verlautbarte der russische Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow am Vormittag. Von den Passagieren sollen 33 Frauen, 18 Männer und vier Kinder gewesen sein. 44 waren russische Staatsbürger, acht ukrainische, zwei indische und ein Fluggast kam aus Usbekistan.

Aufnahmen aus Überwachungskameras zeigen eine große Explosion nach dem Absturz. Ein darauf hin ausgebrochener Brand wurde von der Flughafenfeuerwehr gelöscht. Was den Absturz verursachte, steht bislang noch nicht fest. Aufschluss darüber könnten die Flugschreiber geben. Einer davon wurde der russischen Nachrichtenportal Sputniknews zufolge bereits gefunden, nach dem anderen sucht man in den Trümmern. Der Flughafen wurde zwischenzeitlich geschlossen. Das soll bis zum Sonntag so bleiben. Flüge werden bis dahin in die Stadt Krasnodar umgeleitet.

Eine mögliche Ursache für die Bruchlandung wäre, dass der Pilot mit der Kombination aus 97 Stundenkilometer starkem Wind und schlechten Sichtverhältnissen überfordert war und die Landebahn um 250 Meter verfehlte. Dafür würde sprechen, dass der Flieger nach einem abgebrochenen ersten Landeversuch angeblich mehr als zwei Stunden in der Luft kreiste, bevor er einen zweiten unternahm. Flugexpertin Mary Schiavo fragte sich auf CNN jedoch, wie diese Erklärung dazu passt, dass die Landebahnen gut beleuchtet waren und der Flughafen über ein automatisches Landesystem verfügte.

Der Flughafen Rostow am Don vom Weltall aus gesehen. Foto: NASA

FlyDubai spricht in seinem Facebook-Auftritt von einem "tragischen Unglück" - Boeing twitterte dagegen etwas vorsichtiger, man sammle gerade Informationen und sei bereit, die Behörden technisch zu unterstützen, wenn diese das wollten.

Die Angehörige der Opfer werden derzeit psychologisch betreut, der russische Staatspräsident Wladimir Putin und die Regierung der vereinigten Arabischen Emirate kondolierten öffentlich. Vom russischen Staat erhalten die Angehörigen für jedes Todesopfer eine Million Rubel - umgerechnet etwa 13.000 Euro. FlyDubai-CEO Ghaith al-Ghaith hat ihnen ebenfalls Unterstützung zugesichtert, aber Details dazu offen gelassen.

Den Flughafen Rostow am Don (ROV) gibt es seit 1925. Damals fungierte er unter anderem als Zwischenlandeplatz auf Flügen zwischen Moskau und der georgischen Hauptstadt Tiflis. Im Zweiten Weltkrieg wurde er von der Wehrmacht weitgehend zerstört und bis 1949 neu aufgebaut, 1993 privatisiert und von 2002 bis 2009 komplett umgebaut. Dabei verlängerte man die Landebahnen von 2,5 auf 2,7 Kilometer und stattete das Gelände mit Überwachungskameras und neuer Sicherheitstechnologie aus. Aktuell starten und landen dort jährlich knapp zwei Millionen Passagiere.

FlyDubai ist eine Billigfluglinie mit knapp 50 Boeing-Maschinen, die in Dubai ansässig ist, aber nicht zur dortigen staatlichen Fluggesellschaft Emirates gehört. Sie begann vor sieben Jahren mit Flügen im arabischen Raum und fliegt inzwischen auch zahlreiche europäische und südasiatische Ziele an.

[Update: Inzwischen gibt es Meldungen, dass gestern Nacht drei andere Flugzeuge wegen des starken Windes nicht in Rostow landeten: Ein Flug aus Moskau und einer aus Prag wichen angeblich auf den Flughafen Krasnodar aus, eine Maschine aus Istanbul flog in die Türkei zurück. Das Aeroflot-Flugzeug aus Moskau soll vorher drei Mal vergeblich versucht haben, in Rostow zu landen.

Der Sender Rossija24 und das Portal Flightradar24 zweifeln daran, dass die erst fünf Jahre alte Boeing 737-800 bei einem Landeversuch verunglückte: Ihnen zufolge stürzte die Maschine nach zwei abgebrochenen Landeanflügen beim Kreisen in der Luft ab - möglicherweise sogar im Steigflug. Rossija24 beruft sich dabei auf Informationen aus Ermittlerkreisen. Mittlerweile sollen die Behörden unter den eineinhalb Kilometer verstreut liegenden Trümmern auch den zweiten Flugschreiber gefunden haben.] (Peter Mühlbauer)

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