"Form von Kindsmissbrauch"

Londoner Bürgermeister Boris Johnson will gewaltbefürwortenden Salafisten den Nachwuchs wegnehmen

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson schreibt für den Daily Telegraph eine wöchentliche Kolumne. Diese Woche erregt sein Kommentar in anderen Medien deutlich mehr Aufsehen als sonst: Der als erster Anwärter auf die Nachfolge des aktuellen britischen Premierministers David Cameron gehandelte Mann mit der exzentrischen Frisur fordert nämlich, dass die Jugendämter gewaltbefürwortenden Salafisten die Kinder wegnehmen sollten, bevor sie diese zu Terroristen erziehen können.

Das, was gewaltbereite Salafisten ihrem Nachwuchs über Sprengstoffanschläge und religiös motivierte Morde beibringen, ist Johnsons Ansicht nach eine Form von Kindsmissbrauch, weshalb die Behörden die gesetzlichen Grundlagen bräuchten, um mit den Mitteln darauf zu reagieren, mit denen andere Missbrauchsformen bekämpft werden.

Als Schuldigen dafür, dass es diese Eingriffsmöglichkeiten nicht gibt, macht er eine übertriebene Laissez-faire-Haltung in Kulturfragen aus: Diese habe dazu geführt, dass man in den 1970er Jahren Pädophile wie eine verfolgte Minderheit schützte und dass man im Kampf gegen die Mädchenbeschneidung deutlich erfolgloser sei als beispielsweise Frankreich und noch kein einziges Elternpaar und keinen einzigen Arzt wegen Klitorisverstümmelung vor Gericht oder gar ins Gefängnis gebracht habe. Stattdessen gebe es britische Intellektuelle, die den Kampf gegen diese "ausgesprochene Barbarei" als "neue Form des Imperialismus" kritisieren.

Um sich vor Terror zu schützen, muss sich Großbritannien Johnson zufolge von solch einem extremen Kulturrelativismus verabschieden und nicht nur Prediger und Rückkehrer aus dem syrischen Bürgerkrieg überwachen: Der 49-Jährige plädiert dafür, dass zusätzlich zu diesen Maßnahmen ein Gesetz verabschieden wird, welches klar regelt, dass Jugendämter Kinder aus Familien herausholen dürfen, wenn diesen dort ein "verrücktes Verlangen nach Mord und Tod" anerzogen wird.

Er, so Johnson, wisse nämlich von mindestens einem konkreten Fall, in dem sich mehrere jüngere Geschwister eines verurteilten Terroristen in solch einer Situation befinden. Bislang seien die Behörden trotz klarer Beweise für die Indoktrination nicht eingeschritten, weil nicht klar sei, ob ihnen die existierenden Kinderschutzgesetze die Befugnis dazu geben. Aufgrund der Anhängerzahl der verbotenen al-Muhajiroun und anderer Sekten geht der Tory-Politiker davon aus, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt, sondern dass möglicherweise Hunderte von Minderjährigen dieser "Form von Kindsmissbrauch" ausgesetzt sind. (Peter Mühlbauer)

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