Forsa-Umfrage zur Bayernwahl: SPD fällt auf Platz vier

Der bayerische Landtag, das Maximilianeum. Foto: Pixelteufel. Lizenz: CC BY 2.0

CSU verliert ebenfalls

Die Bayernwahl am 14. Oktober wird spannend - auch deshalb, weil die Umfrageinstitute gerade recht unterschiedliche Ergebnisse ermitteln: Während die CSU bei Civey in der aktuellen Bayerntrend-Umfrage für die Augsburger Allgemeine im Vergleich zu Anfang Juni um 1,4 Punkte auf 42,5 Prozent zulegen konnte, liegt sie im gestern veröffentlichten Forsa-Trendbarometer für RTL und n-tv nach dem Verlust von zwei Punkten nur mehr bei 38 Prozent.

Die AfD, die bei Civey 0,4 Punkte auf 13,1 Prozent einbüßte, sieht Forsa mit einem Punkt Zugewinn bei 14 Prozent. Und während die Sozialdemokraten in der Augsburger Allgemeinen mit einem Plus von 0,3 Punkte auf 13,7 kommen, sind sie bei RTL und n-tv mit einem Minus von einem Punkt und nun nur mehr zwölf Prozent auf den vierten Platz hinter die Grünen abgesunken. Die haben sowohl bei Civey (0,6 Punkte auf 13,2 Prozent) als auch bei Forsa (ein Punkt auf 15 Prozent) zugelegt. Selbiges gilt für die Liberalen, die Civey mit einem Plus von 0,4 Punkten bei 5,2 und Forsa mit einem Zugewinn von einem Punkt bei sechs Prozent sieht.

Die Freien Wähler, die der Bayerntrend mit einem Minus von einem Punkt bei sechs Prozent sieht, schneiden im Trendbarometer mit unveränderten acht Prozent deutlich besser ab. Die Linkspartei, kommt bei Civey mit 2,8 und bei Forsa mit drei Prozent fast auf den gleichen Wert. Bei der letzten bayerischen Landtagswahl erreichte sie mit 2,2 Prozent einen kleineren Stimmenanteil als die Bayernpartei, die 2013 auf 2,3 Prozent kam und von beide Instituten unter "Sonstige" verbucht wird.

Landen Markus Söder und seine CSU am 14. Oktober tatsächlich bei einem Wert, der in der Nähe des jetzt von Forsa gemessenen liegt, wird es nach der Wahl noch spannender als vor ihr: Dann wird Markus Söder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit versuchen, Horst Seehofer die Schuld für das schlechte Ergebnis zuzuschieben und ihm mit dieser Begründung nach dem Ministerpräsidentenposten auch noch den Parteivorsitz abzunehmen. Ob ihm das dann gelingt, ist eine andere Frage. Es könnte nämlich auch sein, dass man in der CSU zum Ergebnis kommt, dass Söder eine ebenso große Schuld am Debakel hat wie Seehofer, und dass man am besten beide miteinander abräumt.

Da es für die Nachfolge der beiden Posten bislang keinen klaren Favoriten gibt, könnte es dann zu einer Urwahl kommen, bei der angesichts der aktuellen Stimmung auch ein Außenseiter - ein "Anti-Establishment-Kandidat" wie Peter Gauweiler - eine Chance hätte. Bei den amerikanischen Republikanern und der britischen Labour Party lief es mit Donald Trump und Jeremy Corbyn ähnlich.

In jedem Fall stünden Söder oder sein Nachfolger nach so einem Wahlergebnis aber vor der Schwierigkeit, eine Koalition zu bilden, die sie nicht noch mehr Wähler kostet - was bei einer Zweierkoalition mit der SPD oder den Grünen wohl der Fall wäre. Schaffen es die Freien Wähler und die FDP in den Landtag, könnte ein CSU-Ministerpräsident eine Dreierkoalition versuchen. Bundesweit am meisten Aufmerksamkeit erregen würde er sicherlich mit der dritten Option: Einer Koalition mit der AfD, die deren Bundessprecherin Alice Weidel auf dem Parteitag der Alternative in Augsburg am 30. Juni explizit nicht ausschloss.

Allerdings ist die Bayernwahl nicht schon jetzt, sondern erst in gut drei Monaten - und bis dahin kann noch viel passieren. Wahrscheinlich wird auch etwas passieren, weil diejenigen, die Interesse an einem bestimmten Wahlausgang haben, auch politische Akteure sind - zum Beispiel Bundesinnenminister, bayerischer Ministerpräsident, oder CSU-Generalsekretär. Der Bürger muss sich angesichts dieser Konstellation immer wieder fragen, welche Forderungen und Maßnahmen ein Politiker auch nach dem 14. Oktober beibehalten und durchsetzen will - und welche in erster Linie dazu dienen, einen Wahlwerbeeindruck zu erwecken.

Die Natur dieser Sache gebietet es, dass Letzteres selbstverständlich abgestritten wird, weshalb man nicht wissen kann, woran man ist. Theoretisch ist deshalb sogar möglich, dass der CSU-Generalsekretär Markus Blume zu Unrecht von Journalisten ausgelacht wurde, als er behauptete, es gehe der CSU in der Migrationspolitik "um die Sache und nicht um die bevorstehende Landtagswahl in Bayern".

Noch komplexer wird die Täuschungslage dadurch, dass es auch Akteure gibt, die in Bayern nicht direkt zur Wahl stehen, aber trotzdem mitmanipulieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel, von der der FAZ-Autor Frank Lübberding meint, ihr "Interesse […] an einem Wahlsieg der CSU" sei "eher unterentwickelt, um das einmal so zu formulieren". Umgekehrt könnte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer ein "eher unterentwickeltes" Interesse daran haben, dass Merkel nach dem 14. Oktober Kanzlerin bleibt. (Peter Mühlbauer)

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