Fracking: "Im nationalen Interesse"

Fracking-Protest in Großbritannien. Bild: Maverick / CC BY-NC 2.0

Großbritanniens neue Regierung mag keine Windkraft, dafür aber umso mehr Fracking und Erdbeben. Wie Kritik an Risikotechnologie mit Patriotismus-Aufrufen begegnet wird.

Großbritanniens neue Premierministerin Liz Truss scheint nach diversen Zeitungsberichten eine Neuauflage von Margaret Thatcher zu werden. Jene hatte sich in den 1980er Jahren als gute Freundin des chilenischen Diktators Augusto Pinochets und frühe Vorkämpferin des Neoliberalismus mit Kopfsteuer, hartem Privatisierungskurs, einem Krieg gegen Argentinien und einem äußerst aggressiven Vorgehen gegen Gewerkschaften den Spitznamen Eiserne Lady erworben.

Auch in der Energiepolitik lässt nun ihre Nachfolgerin im Geiste vom rechten Flügel ihrer nicht gerade als links verschrienen Partei wenig Gutes erwarten. So scheint ihr Herz ganz für die Öl- und Gasindustrie zu schlagen, denen 130 neue Bohrlizenzen in Aussicht gestellt werden. Der Guardian erwartet allerdings, dass die vermeintliche Eiserne Lady II ganz schnell Rost ansetzen wird, wenn sie mit den politischen Realitäten Post-Brexit-Groß-Britanniens konfrontiert wird.

Ihr neuer Energieminister Jacob Rees-Mogg ist jedenfalls als große Fan des Gasfrackings und ebenso großer Gegner der Windenergie bekannt. In einer Stellungnahme ließ er kürzlich wissen, dass er das Moratorium für die Erschließung von Schiefergas aufheben will.

In einigen Schiefervorkommen ist Erdgas in kleinen Poren eingeschlossen, die mit Sand, Wasser, Chemikalien und unter hohem Druck aufgebrochen werden, um das Gas zu fördern. Dieses sogenannte Fracking führt zumindest in einigen Fällen zur Verunreinigung von Trinkwasserleitern und auch Erdbeben.

"Never mind", meint der neue Wirtschafts- und Energieminister Rees-Mugg, wir fracken trotzdem:

Zwar wird die Regierung stets versuchen, die Beeinträchtigung derjenigen zu begrenzen, die in der Nähe der Standorte leben und arbeiten, doch erscheint uns die Tolerierung eines höheren Risikos und einer stärkeren Beeinträchtigung angesichts der oben beschriebenen Umstände im nationalen Interesse zu liegen.

So ein kleiner Krieg ist doch für allerlei nützlich ...

Seine Regierung werde in diesem Zusammenhang überlegen, "wie die (Schiefergas-)industrie über ihren ganzen Investment-Zyklus von der Erschließung bis zur Förderung im großen Maßstab besser unterstützt werden könne".

Rees-Mogg kündigte ebenfalls einen Energiepreisdeckel an, der allerdings recht weit oben angebracht wird. Eine durchschnittliche Familie solle künftig nicht mehr als 2500 britische Pfund (rund 2800 Euro) im Jahr für ihren Energiebedarf ausgeben müssen. (Wolfgang Pomrehn)

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