Frankenmotte: Gentechnik soll invasiven Schädling stoppen

Kohlschabe (Plutella xylostella). Bild: David McClenaghan, CSIRO, CC-BY-3.0

Pläne zur Freisetzung transgener Kohlschaben ignorieren Indizien für ihr vorhersehbares Versagen

Die Kohlschabe stammt ursprünglich vermutlich aus dem Mittelmeerraum und ist mittlerweile weltweit verbreitet. In den USA wurde der invasive Falter erstmals 1854 bemerkt. Sein Lebenszyklus ist bei normalen Umgebungstemperaturen mit rund zwei Wochen recht kurz. Er kann mit Windunterstützung große Strecken zurücklegen und ist sehr fruchtbar - in einem Jahr können durchaus 30 Generationen aufeinander folgen, und, so die Experten, mit fortschreitendem Klimawandel wahrscheinlich sogar noch mehr.

Kohlschaben-Raupen sind wirtschaftlich bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft. Sie ernähren sich von kultivierten Kreuzblütlern - einschließlich Kohl und Brokkoli, deren Blätter sie fressen. Die Bekämpfung der Kohlschabe gilt als schwierig. Geschätzte jährliche Kosten von Bekämpfung und Ernteschäden weltweit: vier bis fünf Milliarden US-Dollar.

Sie ist extrem anpassungsfähig und hat mancherorts Resistenzen gegenüber Insektiziden ausgebildet, wie beispielsweise gegenüber Methomyl und Permethrin. Die Kohlschabe ist der erste landwirtschaftlich wichtige Schädling, der eine Resistenz gegenüber DDT entwickeln konnte - und die erste Art, bei der eine Resistenz gegenüber der biologischen Kontrolle durch Bacillus thuringensis (Bt)-Toxine beobachtet wurde. Alternative Bekämpfungsmethoden wie der Einsatz von Parasiten zur Populationskontrolle haben stellenweise Erfolg, sind gegenwärtig jedoch von untergeordneter Bedeutung.

Wissenschaftler der Cornell University versuchen es mit einem anderen Ansatz. Sie wollen an der New York State Agricultural Experiment Station (NYSAES) nun auf einem Vier-Hektar-Kohlfeld bis zu 30.000 genetisch modifizierte (GM) männliche Falter pro Woche freisetzen, die das Problem lösen sollen. Der Plan: Oxitec-GM-Insektenmännchen paaren sich mit wild lebenden Artgenossinnen und konkurrieren dabei die fortpflanzungsfähigen Wildmännchen nieder. Der gewünschte Bevölkerungsrückgang stellt sich ein, weil die bei einer erfolgreichen Paarung entstehenden Töchter das Larvenstadium nicht überleben werden.

Die Experimente sollen über einen Zeitraum von zwei Jahren laufen. Die GM-Kohlschaben stammen aus dem Sortiment transgener Insekten der britischen Firma Oxitec. Oxitec steht für Oxford Insect Technologies und ist ein Biotech-Spin-off der Oxford University. Die Firma war 2015 für 160 Millionen US-Dollar von Intrexon, Inc. gekauft worden, einem Biotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Germantown, US-Bundesstaat Maryland. Intrexons als Warenzeichen geschütztes Motto: "Der Schaffung einer besseren Welt durch bessere DNA verpflichtet".

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