Frankreich: Krieg gegen nicht-recyceltes Plastik

Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres. Foto: Vberger / gemeinfrei

Das "Ministerium für den ökologischen und solidarischen Übergang" drängt auf eine "radikale Verhaltensumstellung" der Franzosen

Mit Plastikflaschen muss anders umgegangen werden, sagt Brune Poirson. Gewöhnlich habe man sie "einige Sekunden" in der Hand, dann werde sie weggeworfen, um im besseren Fall verbrannt zu werden, häufig aber auf dem Boden eines Lochs zu landen oder im Meer. Dieses System müsse umgewandelt werden.

Brune Poirson ist Staatssekretärin im französischen Umweltministerium. Chef des Hauses ist Nicolas Hulot, der wegen seiner früheren Fernsehauftritte in Frankreich bekannt ist und dort lange Zeit der große Umweltpädagoge war. Nun ist er "Minister für den ökologischen und solidarischen Übergang".

Glyphosat-Verbot

Bislang ist ihm in der politischen Praxis noch nicht viel Transformatorisches gelungen; bedeutende Veränderung sind noch ausgeblieben, es setzte mehr Kritik als Lob für seine Arbeit. Dennoch hat Hulot im Augenblick Grund zur große Freude, weil ein Ausstiegsplan bestätigt wird.

Das Urteil des US-Gerichts gegen Monsanto (Glyphosat: Monsanto soll 250 Millionen Dollar wegen "Heimtücke" bezahlen) ist für den Glyphosat-Gegner "der Anfang vom Ende der Arroganz des bösen Paares Monsanto-Bayer". In Frankreich soll Glyphosat ab 2021 teilweise verboten sein und im Jahr 2023 komplett, so der Plan, der durch das Urteil bestätigt wurde.

"Elektroschock" beim Plastikmüll

Im Plan der Staatssekretärin für den ökologischen und solidarischen Übergang ist festgehalten, dass es 2025 im ganzen Land zu 100 Prozent nur mehr recyceltes Plastik im Umlauf ist, wenn es um Wasserflaschen und anderen Plastikkleinmüll geht. Dazu müsse viel verändert werden, verkündet Poirson seit einigen Tagen auf vielen Medienkanälen. Sie wolle das Umdenken mit einem "Elektroscnhock" einleiten. Es gehe um einen "Krieg gegen das Plastik", so Poirson.

Die monströsen Auswirkungen des Plastikverpackungsterrors wird der Öffentlichkeit mittlerweile über die Armada der Bilder verendender Meerestiere, dahintreibender Plastikrieseninseln auf den Weltmeeren und vermüllter Strände gnadenlos genug als Konsequenz seiner Lebensweise vor Augen gehalten. Allein die Faktenlage spricht dafür, dass sich am Verhalten viel ändern muss.

In Paris und in Marseille würde nur jede zehnte Plastikflasche gesammelt, so die Staatssekretärin. Die generelle "Recycling-Quote" stand vor drei Jahren bei 25,5 Prozent. Die Menge des Plastikverpackungsmaterials (emballage plastique ) betrug 2012 noch 1.996 Millionen Tonnen, 2016 waren es 2.220, berichtet Le Journal du Dimanche.

Es geht ihr um die Verpackung und ums Recyceln, so Poirson. Sie unterstützt die Initiative "Plastic attacks", erklärt aber auch, dass sie keine Plastik-Gegnerin ist. Das Material werde für einige Verwendungen gebraucht.

Die Perspektive ist nicht das Verbot, sondern das Recyceln. Wir müssen unser Verhalten radikal verändern.

Brune Poirson

Zu ihren Vorschlägen, welche die Verhaltensänderung erleichtern sollen, gehören neue Etiketten auf Plastikflaschen, die gut erkennbar angeben, ob die Flasche aus recyceltem Plastik besteht, dann die Vereinheitlichung der Behälter, wo Plastikabfall zum Recyceln gesammelt wird, damit der Einstieg in den Kreislauf gut zu erkennen ist.

Verbot der Fabrikation von Einweg-Produkten aus Plastik ab 2020

Mit der Industrie will man freundlich aber bestimmt umgehen, man wolle kooperieren, ist zu lesen, dennoch soll die Fabrikation von Einweg-Produkten aus Plastik ab 2020 verboten werden. Ab Anfang 2019 werde an einer Liste für betroffene Verbote gearbeitet.

Zunächst vertraut man auf die Wirkung von Preiserhöhungen auf schlechte und Vergünstigungen für gute Produkte: "Produkte in recycelten Verpackungen sollen bis zu zehn Prozent weniger kosten, solche mit nicht-recyceltem Plastik zehn Prozent mehr". Darüber hinaus will man mit Steuervergünstigungen und -erhöhungen die Umstellung antreiben. Frankreich müsse gegenüber anderen Ländern in diesem Bereich aufholen, so Poirson. (Thomas Pany)

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