Frankreich: Milliarden-Kampfjetdeal mit Indien

Nach dem Rafale-Verkaufserfolg mit Ägypten bahnt sich für Hollande der nächste an: Indien will 63 der Kampfjets kaufen, zur Modernisierung mehrerer Flugstaffeln

Auf einem Gebiet feiert die sozialdemokratische Regierung, die bei Wahlen eine Klatsche nach der anderen einholt, Erfolge: beim Waffenexport. Nach dem gefeierten Rafale-Deal mit Ägypten im Februar (Frankreich: Milliarden-Kampfjet-Deal mit Ägypten) bahnt sich mit Indien das nächste große Geschäft an.

Laut Informationen französischer und indischer Medien stehen die beiden Regierungen kurz vor Abschluss eines Verkaufs von 63 französischer Kampfjets Rafale an die indischen Streitkräfte - zum Preis von geschätzten 7,2 Milliarden Euro.

Am Wochenende steht der Besuch des indischen Premier Narenda Modi in Paris an. Wie es aussieht, ist der Deal einer der Hauptgründe des Besuchs. Ihm zugrunde liegt der sogenannte "Jahrhundertvertrag", den die beiden Länder bereits im Jahr 2012 geschlossen hatten. Damals entschied sich Indien für den Kauf von 126 Rafale-Jets, gegen den Eurofighter und Konkurrenzangebote von den USA und Russland.

Dassault Rafale B, Paris Air Show 2007. Bild: Dmitry A. Mottl/gemeinfrei

Das damals abgeschlossene Geschäft hatte eine Besonderheit, weswegen es drohte, doch nicht zustande zu kommen. 108 der 126 Rafale-Flugzeuge sollten in Indien hergestellt werden, vom Staatsunternehmen Hindustan Aeronautics Limited (HAL). Die Idee der Rafale "Made in India", das imageträchtig war, ein Geschäftserfolg und eine Menge Arbeitsplätze bedeutete, wurde bisher nicht umgesetzt.

Der französische Hersteller Dassault hatte erklärt, er würde keine Garantie für Flugzeuge ausstellen, die in Indien produziert werden. Dazu wurden Vorkalkulationen präsentiert, wonach die Umstellung bzw. der Einbau der Herstellungsanlagen, die Schaffung eines Zuliefernetzes, die Einschulung der Arbeitskräfte und anderer Aufwand die Kosten von 12 Milliarden auf 20 Milliarden Euro erhöhen könnten. Dem folgte ein jahrelanges Verhandlungshin-und her.

Dieses wollen Modi und die französische Regierung nun beenden. Von indischer Seite heißt es, dass die Luftwaffe sehr dringend eine Modernisierung mehrerer Staffeln veralteter Mirage-Kampfjets benötige, um einsatzbereit zu sein. Man könne nicht länger warten, bis die Fabrikation der Rafale in Indien soweit wäre. Für die "Win-Win-Situation" hat man im Vertragswerk einen Passus gefunden, der es ermöglicht, 63 Rafale aus Frankreich zu ordern.

Der "Jahrhundertvertrag" bleibt damit gültig, die indische Regierung muss die Idee der "Made in India-Rafales" nicht ganz beerdigen und vor allem muss kein neues Ausschreibungsverfahren in Gang gesetzt werden.

Zur großen Freude des Dassault Konzerns. Dessen Liefer-Vertrag mit der französischen Armee war laut Le Monde zuletzt Gefährdungen ausgesetzt. Dem Zeitungsbericht ist auch zu entnehmen, weshalb Indiens Vertreter französische Kampfflugzeuge so schätzen: Der Einsatz der Mirage 2000 soll beim Kargil-Krieg zwischen Indien und Pakistan im Juni und Juli 1999 laut der französischen Zeitung "kriegsentscheidend" gewesen sein. (Thomas Pany)