Frankreich: Wehrpflicht als sozialer Kitt

Im Wahlkampf legen drei der aussichtsreichsten Kandidaten neue Vorschläge zu einem verpflichtenden Dienst an der nationalen Gemeinschaft vor

Gleich drei Kandidaten, die beiden Spitzenreiter in den Umfragen, Marine Le Pen und Emmanuel Macron sowie der Kandidat der Bewegung "Frankreich, das sich nicht unterwirft", Jean-Luc Mélenchon, der in den jüngsten Umfragen dazu gewonnen hat, also alle drei mit Aussichten, Präsident zu werden, haben eine Wehrpflicht in ihrem Wahlprogramm.

In Frankreich wurde die allgemeine Wehrpflicht vor 20 Jahren unter der Präsidentschaft von Jacques Chirac abgeschafft. Jetzt wird die Idee von den dreien in unterschiedlicher Form neu präsentiert. Marine Le Pen schlägt eine Dauer von drei Monaten vor, mit einer militärischen Ausbildung für einen Teil und eine Ausbildung für "Zivilschutz" für einen anderen Teil. Ziel, so der Spezialist für militärische Themen im Wahlkampfteam von Le Pen, soll die "Entwicklung des Patriotismus in der Jugend" sein, wie ihn Le Monde zitiert.

Macron will 600.000 junge Franzosen jährlich für einen Monat zum Dienst verpflichten, ab dem Alter von 18 Jahren. Der Dienst müsste innerhalb der folgenden drei Jahre abgeleistet werden, antreten müssen Frauen und Männer gleichermaßen. Jede junge Französin und jeder junge Franzose würde so die Möglichkeit haben, die Erfahrung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu machen und des republikanischen Zusammenhalts, so Macron

Zudem hätte man auf diese Weise ein Ersatzreservoir, dass man zusätzlich zur Nationalgarde mobilisieren könne, außerdem könne man Schwierigkeiten entdecken, wie zum Beispiel Analphabetismus, die sonst weniger auffallen.

Jean-Luc Mélenchon schlägt einen verpflichtenden Bürgerdienst (service citoyen obligatoire) vor, für die Dauer von neun Monaten. Darin inbegriffen wäre eine militärische Ausbildung, der Akzent läge aber auf "Aufgaben des allgemeinen Interesses". Genannt werden: Hilfeleistungen für die Bevölkerung, die öffentliche Sicherheit, Verteidigung und Umweltschutz.

Der "Bürgerdienst müsste vor dem Alter von 25 Jahren abgeleistet werden und würde mit dem Mindestlohn bezahlt werden.

Experten halten die Idee angesichts der Entwicklung im Militär zu hochtechnisierten und spezialisierten Soldaten für nostalgisch und angesichts der hohen Kosten für entbehrlich. Macron veranschlagt die Kosten für sein Programm auf zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro jährlich. Beim Front National wird mit Kosten von etwa 3 Milliarden für die Wehrpflicht gerechnet und bei Mélenchon weiß man es noch nicht. Le Monde gibt Schätzungen wider, die sich bis auf 15 Milliarden im Jahr belaufen könnten.

Anzeige