Frankreich setzt trotz steigenden Widerstands auf Atom

Der neue, angeblich sichere Reaktortyp EPR soll zum Exportschlager werden, Sarkozy will auch Gaddafi damit beglücken

Wenn in Frankreich von der Energiepolitik gesprochen wird, dann wird die Frage gerne auf die Atomenergie reduziert. Zwar liegt das Land mit Litauen an der Spitze bei Atomstromproduktion, doch macht der Strom nur 15 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Nicht nur der angebliche Klimaschutz soll der Atomenergie neuen Rückenwind verschaffen, Präsident Nicolas Sarkozy hat nun auch die Wasserentsalzung als Umweltargument entdeckt, wofür der European Pressurized Reaktor (EPR) die Energie liefern soll. Erstaunlicherweise zählt seine Regierung die Atomenergie nun zu den "erneuerbaren Energien", um damit die Klimaschutzziele der EU erreichen zu können. Um den EPR, der die 58 französischen Meiler ersetzen soll, auch international anzupreisen, treibt man in Frankreich den Bau in Flamanville gegen einen immer stärker werdenden Widerstand voran. Unsicher ist aber nicht nur die Uranversorgung, sondern ungelöst ist weiter die Frage der Endlagerung des hochradioaktiven Atommülls. Der wird seit Jahrzehnten zu Tausenden Tonnen produziert, doch es gibt keine schlüssigen Endlagerkonzepte. Ohne effektive Forschung soll ein Endlager in Lothringen festgeklopft werden.

Erneut setzten französische Atomkraftgegner mit ihrem Protest vor zwei Wochen an der Achillesferse der französischen Atompolitik an, der Endlagerfrage. Alle großspurigen Pläne einer "dritten Reaktorgeneration" zum Trotz, die auch von der neuen konservativen Regierung vorangetrieben werden, ist diese zentrale Frage weiter ungelöst. Im Atomstromland Frankreich, das an 19 Standorten in 58 Meilern fast 80 Prozent seines Stroms erzeugt, fallen jährlich etwa 1200 Tonnen radioaktiver Müll an.

Etwa 200 Menschen beteiligten sich am Wochenende an Märschen in der Gegend um das kleine Dorf Bure in Lothringen, um auch die umliegende Bevölkerung auf die Tatsache hinzuweisen, dass im "Bermuda-Dreieck" von etwa 200 Quadratkilometern das zukünftige Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Frankreich entstehen soll. So will es die staatliche Nationale Agentur für Radioaktive Abfälle (Andra). Probebohrungen sollen demnächst an verschiedenen Orten beginnen, um einen definitiven Standort für das Endlager zu ermitteln.

Problematisch ist, dass sich die Gegner nicht wirklich an der Debatte mit kritischen Daten beteiligen dürfen. In Frankreich drohen denen seit 2003 fünf Jahre Haft, die Informationen über Atomanlagen oder Atomtransporte veröffentlichen (Atomfragen als Staatsgeheimnis). Seit dem Einstieg Frankreichs ins Atomzeitalter war das Thema ein Militärgeheimnis, aber die Geheimniskrämerei wurde weiter ausgedehnt, als sich die neuen Atompläne der Regierung Chirac zu kristallisieren begannen. Angeblich soll so einer terroristischen Gefahr vorgebeugt werden. Dass es aber eher darum geht, kritische Informationen zu unterdrücken, wurde spätestens klar, als Umweltgruppen auf die offensichtlichen Sicherheitsmängel am ältesten Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim hinwiesen. Das gegen Erdbeben ungeschützte AKW steht nicht nur im erdbebengefährdeten Rheingraben, er lädt auch dazu ein, es als "schmutzige Bombe" zu missbrauchen (Warum schmutzige Bomben bauen?). Monate nach der Veröffentlichung traten die Organisationen erneut an die Öffentlichkeit und zeigten an, dass die Missstände den Verantwortlichen offensichtlich egal sind, denn sie wurden nicht beseitigt.

Ähnlich merkwürdig fällt das Vorgehen der Andra bei der Suche nach einem Lager für den hochradioaktiven Atommüll aus, der über zehntausende Jahre sicher gelagert werden soll. Als die Andra 2005 in ihren Bericht an das Parlament die Tonschicht bei Bure als geologisch stabil und deshalb für die Einlagerung von Atommüll über sehr lange Zeit anpries, hatten ihre Bohrungen diese Schicht in 450 Meter Tiefe gerade erst erreicht. Ein Labor hatte man oberhalb davon eingerichtet, um im Zeitplan zu bleiben. Die dort gewonnenen "Ergebnisse", meist an gezogenen Bohrkernen aus der Schicht, dürfen getrost als wissenschaftlich zweifelhaft bezeichnet werden. Bekannte Verwerfungen in der Schicht, seien zudem aus den Karten der Andra verschwunden, sagen die Gegner. Die unnatürlich hohe Konzentration von Radon in Paroy sur Saulx, 7 km von Bure entfernt, weise darauf hin, dass die Schicht keineswegs so undurchlässig ist, wie die Andra gerne behauptet.

Angesichts der Tatsache, dass in der Schicht auch acht Prozent Wasser eingeschlossen ist, wie die Andra zugibt, wäre die Durchlässigkeit fatal für ein Endlager mit hochradioaktivem Müll. Auch die Tatsache, dass es am 22. Februar 2003 zu einem Erdstoß mit einer Stärke von 5,4 auf der Richterskala gab, dessen Epizentrum nur 95 Kilometer von Bure entfernt lag, spricht nicht für eine totale geologische Inaktivität der Zone. Angeführt werden darf auch der Bericht eines Journalisten der Zeitung Ouest-France, der im Juli die Vorgänge in 500 Metern Tiefe anschauen durfte. Er zitiert einen Geologen der Andra, der davon spricht, angesichts des enormen Drucks in dieser Tiefe habe man die Stollen "quasi stabilisieren" können, doch weiter zeigten sich Risse im Beton.

Doch schon auf der Basis des Andra-Berichts vom Dezember 2005 hat sich das Parlament 2006, so wie es das Gesetz vorschrieb, für die Tiefenlagerung entschieden. Außer mit dem Zeitplan, denn die Atommüllfrage drängt, wurde sonst großzügig mit den Vorgaben umgegangen. Denn in dem Gesetz vom 30. Dezember 1991 heißt es im Artikel 4 deutlich, dass "die rückholbare und nicht rückholbare Einlagerung in tiefen geologischen Formationen, im besonderen über den Aufbau von unterirdischen Laboren", untersucht werden müsse. Eigentlich sollte zudem auch die "lang andauernde Lagerung an der Oberfläche" erforscht werden.

Doch statt an mehreren Standorten in mehreren Lagermedien hat die Andra bisher nur in Bure ein Labor oberhalb der zu untersuchenden Schicht eingerichtet. Alle Versuche an weiteren Standorten scheiterten am entschiedenen Widerstand der jeweiligen Bevölkerungen. Trotz ließen es sich die wenigen bei der Abstimmung anwesenden konservativen Abgeordneten (18) nicht nehmen, auf dieser Datenbasis, gegen das Gesetz, die "Vergrabung" (Enfouissement) zu beschließen. Aus den Augen aus dem Sinn, scheint in Paris die Devise in der Atommüllfrage zu sein. Entschieden werden soll nun nur noch darüber, ob der Müll rückholbar oder nicht rückholbar "vergraben" wird. Von Bure spricht zwar niemand, aber in Ermangelung anderer Standorte läuft es definitiv auf das Dreieck um das Dorf in der wenig besiedelte Region hinaus. Das dürfte das eigentliche Argument sein, das für diesen Standort spricht. Wenig Bevölkerung, wenig Widerstand erhofft man sich. Wie die Zeitung "Liberation" schreibt, wollen 88 Prozent der Franzosen keinen Atommüll in ihrem Umfeld gelagert wissen.

In Paris ist allen klar, dass zumindest eine Scheinlösung für die ungelöste Atommüllfrage her muss, um in Frankreich ein neues Atomzeitalter einläuten zu können. Die Zweifel an der Atomenergie wachsen auch in Frankreich mit jedem Störfall wie dem Fast-GAU in Schweden, dem Brand im AKW-Krümmel oder der Abschaltung und Beschädigung der weltweit größten Atomanlage in Japan durch ein Erdbeben . Berichte aus Frankreich gibt es wegen der Geheimniskrämerei allerdings seltener, obwohl auch dort Störfälle vorkommen.

Der neue European Pressurized Water Reactor (EPR) soll das Vertrauen in die Atomindustrie zurückgewinnen. Der neue Kernreaktortyp basiert auf einem Druckwasserreaktor, der in der zweiten Hälfte der 90er Jahre von den Firmen Siemens und Framatome gemeinsam entwickelt wurde. Seit der Zusammenlegung der Nuklearaktivitäten beider Firmen werden die Arbeiten jetzt unter dem Label Areva NP vorangetrieben. Der EPR wird von Areva als quasi Universallösung verkauft. In Flamanville, am Ärmelkanal in der Normandie, wurde derweil mit dem Bau eines EPR begonnen. Der Neubau soll die Machbarkeit zeigen und dem größten Atomkonzern weltweit einen Exportschlager bescheren. Denn mehr Strom braucht Frankreich nicht, erst ab 2018 sollen sukzessive die 58 bestehenden Meiler durch den EPR ersetzt werden.

Sicherheit:
Die Ex-Industrieministerin Nicole Fontaine erklärte einst: "Der EPR ist zehn mal sicherer, als die herkömmlichen Atomkraftwerke." Das erstaunte viele Umweltschützer, denn schließlich werden schon die bisherigen AKWs als 100 Prozent sicher verkauft. Doch schaut man sich die erste EPR-Baustelle in Finnland an, dann sprechen schon die Baumaßnahmen für Olkiluoto 3 eine zweifelhafte Sprache. Eigentlich sollte dort der erste EPR schon 2009 ans Netz gehen. Doch daraus wird nichts. Wegen Sicherheitsproblemen verzögert sich der Bau ständig. So berichtete das Handelsblatt, dass die Inbetriebnahme des Reaktors an der finnischen Westküste in Olkiluoto, die schon mehrfach verschoben wurde, sich bis 2011 verzögert.

Geringe Kosten:
Bei den geplanten relativ niedrigen Baukosten von 3,2 Milliarden Euro, wird es ebenfalls nicht bleiben. Das Budget ist schon jetzt um 700 Millionen überschritten. Deshalb sei sogar versucht worden, mit Abstrichen bei der Sicherheit zu sparen. Dadurch käme es zu Verstößen gegen das finnische Atomsicherheitsgesetz stellten Atomtechnikexperten in einem Gutachten fest. Der Österreicher Helmut Hirsch erklärte, diverse Komponenten, sogar die Rohrleitungen des sensiblen primären Kühlsystems, wiesen Qualitätsmängel auf. Zudem sei nachgewiesen worden, dass minderwertiger Beton für das Fundament eingesetzt wurde, was eine Gefahr für die gesamte Konstruktion darstelle. Hirsch, Mitglied der OECD-Atomkraftexpertengruppe, führte zudem aus, es gebe weitere ungelöste technische Probleme am Reaktormodell. "The experience at the Olkiluoto 3 site indicates, however, that it is highly questionable whether even present-day safety standards will be kept at this plant."

Doch in Frankreich darf über die Sicherheitsprobleme nicht wirklich gesprochen werden. So wurde der Sprecher vom französischen Netzwerk für den Atomausstieg Stéphane Lhomme im letzten Jahr vom französischen Inlandsgeheimdienst (DST) in Gewahrsam genommen und seine Wohnung durchsucht, weil er gegen das „Militärgeheimnis“ verstoßen habe. Dabei wurde ein als vertraulich eingestuftes Dokument über die Sicherheit des ERP-Reaktors gesucht. Das Dokument zeige, dass auch der EPR einem gezielten Absturz eines Flugzeugs nicht standhalten würde.

Greenpeace hat nach dem repressiven Vorgehen das "Militärgeheimnis" gelüftet und das Dokument der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der britische Experte für Nuklearsicherheit John H. Large erklärte nach dessen Analyse, dass man sich bei bedeutsamen Aspekten auf falsche Annahmen stütze. Veröffentlicht hatten die Befürworter des Atomausstiegs auch Dokumente, die zeigten, dass Bestandteile des Notkühlsystems von 34 französischen Atomkraftwerken nicht den Normen entspechen. Uranversorgung:
Der EPR soll 15 Prozent weniger Uran verbrauchen. Vor allem das Atomstromland Frankreich hat inzwischen große Probleme, sich mit Uran einzudecken. Die Vorkommen im südfranzösischen Departement Hérault sind nahezu verbraucht. Dort werden nur noch fünf Tonnen Uran gefördert, dabei benötigte Areva 2006 mehr als 5.000 Tonnen und will die Produktion bis 2012 sogar auf 12.000 Tonnen jährlich steigern. Ein Großteil des Urans kommt bisher aus Kanada und Niger, mit dem Areva aber zunehmend Probleme hat.

Der drittgrößte Uranproduzent weltweit ließ sogar den Areva-Chef ausweisen und erzwang damit eine Neuverhandlung der Verträge. Die Monopolstellung im Niger hat Areva eingebüßt, denn nun dürfen auch kanadische und chinesische Firmen dort fördern. Der Preis wurde derweil auch erhöht, er liegt noch immer bei knapp einem Drittel des Weltmarktpreises. Das will die nigerianische Regierung ändern und 2008 den Preis erneut anheben, um sich dem Weltmarktpreis (derzeit bei 100 Euro pro Pfund) zu nähern. Die Weltmarktpreise für Uran haben sich in einem Jahr angesichts des Mangels verdreifacht, wofür auch die Überflutung einer Uranmine in Kanada verantwortlich gemacht wird. Nach Ansicht von pessimistischen Experten könnte es schon im kommenden Jahrzehnt allgemein zu ernsthaften Versorgungsproblemen kommen, Optimisten verschieben den Zeitpunkt auf 2040.

Diese Verknappung des Rohstoffs wird aber durch 23 Atomkraftwerken beschleunigt, die weltweit im Bau sind. Allein China plant 40 bis 50 neue Reaktoren in den nächsten zwanzig Jahren. Japan, der weltweit drittgrößte Atomenergieerzeuger nach den USA und Frankreich, will fünf neue Meiler bauen und den Anteil an der Energieversorgung von 30 auf 40 Prozent steigern. Auch Russland und die USA wollen bei dieser Entwicklung nicht zurückstehen.

Areva will deshalb künftig mehr Geld in die Erforschung neuer Uranvorkommen stecken und 100 Geologen einstellen. Im Auge hat der Konzern dabei Gabun, da in dem afrikanischen Land Uran-Vorkommen vermutet werden. Doch angesichts der Probleme mit der Uranversorgung und beim Bau in Finnland empfehlen Anleger inzwischen Areva aus dem Portofolio zu nehmen. Das Kursziel an der Börse wurde von 690 auf 645 Euro korrigiert, wegen "ungünstiger Bedingungen".

Exportschlager:
Kürzlich sorgte der französische Präsident Sarkozy für Furore, als bekannt wurde, dass er ausgerechnet dem einstigen "Schurkenstaat" Libyen einen EPR liefern will. Die Zeitung Le Parisien hatte berichtet, Sarkozy habe Ende Juli beim Besuch in Libyen die Lieferung eines EPR zugesagt. Nach offiziellen Angaben soll dessen Strom dafür benutzt werden, um eine Meerwasserentsalzungsanlage zu betreiben. "Der Reaktor soll helfen, den großen Bedarf an Trinkwasser zu decken", zitierte der französische Sender France-Info den Präsidentenberater Claude Géant. "Es gibt zu wenig Trinkwasser in Libyen, mit der erneuerbaren Atomenergie kann das Wasser entsalzt werden", fügte er an. Den vermuteten Zusammenhang zur Freilassung der seit Jahren gefangenen Krankenschwestern aus Bulgarien wurde dementiert ("La méthode Sarkozy").

Tatsächlich hofiert Sarkozy Muammar Ghaddafi, um seine wirtschaftlichen Interessen in dem nordafrikanischen Land zu stärken (Buhlen um Libyen). Für Waffen und Kerntechnik will sich Frankreich Zugang zu dessen Erdöl und Uran sichern. Libyen soll 1600 Tonnen Uran auf Lager halten, das Areva dringend gebrauchen könnte, und zudem über weitere unerschlossene Uranvorkommen im Land verfügen. Es geht Sarkozy aber auch darum, weltweit den EPR als Exportschlager zu etablieren. Kann Areva Ghaddafi einen EPR liefern, sind praktisch alle Türen weltweit geöffnet. Wegen der scharfen Kritik der französischen Opposition und aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, ruderte Sarkozy teilweise wieder zurück. "Es ist falsch", dass er Libyen die Lieferung zugesagt habe. Bislang gebe es nur allgemeine Vorgespräche.

Interessant ist auch, dass die französische Regierung plötzlich von Atomenergie auch als "erneuerbarer Energie" spricht. Mit dieser Umwidmung deutet sich an, wie Frankreich seine Verpflichtungen bei den Klimaschutzzielen umzusetzen gedenkt. Auch hier will Sarkozy eine Bresche öffnen, um der französischen Atomindustrie neue Aufträge zu bescheren. Denn auf dem EU-Klimagipfel wurde nicht nur beschlossen, die Treibhausgase bis 2020 um 20 Prozent zu senken, sondern es soll auch den Anteil von erneuerbarer Energie an der Energieversorgung um ein Fünftel gesteigert werden (Ergebnis mit Fragezeichen).

Doch auch in Frankreich gewinnt der Widerstand gegen die Atompläne an Stärke. Der Schock nach dem tödlichen Unfall bei einem Castortransport ist überwunden. Mit dem Slogan: "NEIN zum EPR-Reaktor" hatte das Netzwerk der französischen Atomkraftgegner schon im letzten Frühjahr erfolgreich in die Normandie mobilisiert. Erwartet wurden 10.000 Menschen, doch zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe fanden sich, trotz strömenden Regens, gut 25.000 Menschen in Cherbourg ein, in dessen Nähe der erste französische EPR in Flamanville gebaut wird. Im März konnte dieser Erfolg sogar noch übertroffen werden. Dezentral wurden mehr als 60.000 Menschen zu "Stop-EPR" Demonstrationen in Lille, Rennes, Toulouse, Straßburg und Lyon auf die französischen Straßen gebracht. Statt sich in diesem Sommer zentral in Bure am geplanten Endlager zu versammeln, wurden ebenfalls dezentrale Aktionen durchgeführt.

So konnte die Anwesenheit der Atomkraftgegner über das Widerstandshaus in Bure mit kulturellen Protestaktivitäten gefestigt werden, die sogar wohlwollend an erster Stelle den Einzug in die Nachrichten des dritten Fernsehprogramms fanden. Am anderen Ende der Republik wurden Aktionen gegen die militärische Atomkraftnutzung in der Bretagne bei Brest durchgeführt durchgeführt. Ein Großteil der Halbinsel Crozon ist militärisches Sperrgebiet, wo atomare U-Boote stationiert sind und Atomwaffen gelagert werden. Geplante Atomkraftwerke, wie in Plogoff, und das Endlagerlabor der Andra, wurden durch massiven Widerstand von den Bretonen verhindert.

Die Antiatombewegung übt sich derzeit vor allem in Formen des zivilen Ungehorsams. Mit Besetzungen von Strommasten und Blockaden von Atommülltransporten soll der Widerstand gegen Frankreichs Atompolitik unter anderem weiter vorangetrieben werden. Mit einer besonderen Art der Begleichung der Stromrechnung soll auch der staatliche Energieversorger EDF in ein organisatorisches Chaos getrieben werden, damit er von seinen Atomplänen ablässt. (Ralf Streck)

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