Französische Staatsführung will angeblich verhindern, dass Bundesregierung F-18 kauft

F-18 mit EloKa-Störsystem AN/ALQ-99 an den Flügeln. Foto: U.S. Navy

Paris soll Gefährdung des deutsch französischen Luftkampfsystems FCAS befürchten

Bis spätestens Ende März 2020 will die deutsche Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer entschieden haben, ob sie als Ersatz für 90-Tornado-Kampfflugzeuge, deren Betrieb sich ab 2025 wegen hoher Wartungs- und Reparaturkosten nicht mehr lohnen soll, Airbus-Eurofighter oder amerikanische F-18 von der Boeing-Tochter McDonnell Douglas kauft. Dazu holt sie gerade Informationen ein.

Einem bislang weder bestätigten noch dementierten Bericht der Süddeutschen Zeitung nach haben ihr die amerikanischen Militärzertifizierungsbehörden nun mitgeteilt, dass eine für etwa 45 der 90 Flieger notwendige Zertifizierung bei den Eurofightern voraussichtlich drei bis fünf Jahre länger auf sich warten lassen würde als bei den F-18. Bei dieser Zertifizierung geht es um die "nukleare Teilhabe" - die Fähigkeit, US-amerikanische Kernwaffen zu tragen, die in der Eifel stationiert sind (vgl. Bundeswehr sucht neuen Atombombenträger).

Offizieller Grund für die längere Dauer ist dem amerikanischen Zeitvoranschlag nach, dass Vorgängermodelle der aktuellen F-18 bereits zertifiziert wurden. Das klingt nicht unplausibel, auch wenn es darüber hinaus Mutmaßungen gibt, die US-Administration halte die Zulasser im Interesse der Verkäufe eigener Rüstungsfirmen nicht unbedingt zu gefährlich engen Zeitplänen für die Zertifizierung der Eurofighter an (vgl. Bundeswehr: Vorentscheidung für F-18 statt Eurofighter?).

Störsysteme AN/ALQ-99 und AN/ALQ-218

Den Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zufolge will die französische Staatsführung nun verhindern, dass die Bundesregierung angesichts dieser Zertifizierungslage einen Teil ihrer Tornado-Nachfolger nicht beim Eurofighter-Konsortium, sondern bei Boeing bestellt. Hintergrund dieses Blockadewillens soll das geplante deutsch-französisch-spanische "Future Combat Air Systems" (FCAS) sein, das die Franzosen "Système de combat aérien du futur" oder kurz "SCAF" nennen (vgl. Deutsch-französisch-spanisches "Luftkampfsystem der Zukunft").

Dieses "Luftkampfsystem der Zukunft", für das Kramp-Karrenbauers Vorgängerin Ursula von der Leyen im Juni in Frankreich die Verträge unterzeichnete, verfügt durch die Integration der Störsysteme AN/ALQ-99 und AN/ALQ-218 über Fähigkeiten zur Elektronische Kampfführung (EloKa), die dem Eurofighter fehlen. Wird diese Technik von den Amerikanern eingekauft, kann sie nicht ohne weiteres für das neue FCAS-System übernommen werden. Deshalb sollen die Franzosen darauf beharren, dass der neben dem französischen Rüstungskonzern Dassault an FCAS beteiligte Airbus-Konzern eigene Technologien entwickelt, mit denen das geht. Andernfalls wäre die Entwicklung des Systems ihrer Ansicht nach gefährdet.

Nicht die einzigen Eurofighter-Nachteile

Die Eurofighter haben allerdings auch noch andere Nachteile als ein zeitaufwendigeres Zertifizierungsverfahren und fehlende EloKa-Fähigkeiten. In Österreich wird man sie nach mehreren parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und Ermittlungen der Justiz ab 2020 nach und nach ausmustern und andere Kampfflugzeuge kaufen, die kostengünstiger, besser ausgerüstet, weniger mängelbehaftet und "Tag und Nacht einsatzbereit" sein sollen. Durch diesen Umstieg erwartet sich die Alpenrepublik Einsparungen zwischen 100 Millionen und zwei Milliarden Euro (vgl. Österreichischer Verteidigungsminister zeigt Airbus an).

Das Kampfflugzeug ist nicht das einzige europäische Rüstungsprodukt, bei dem Abnehmer ein Missverhältnis zwischen Preis und Leistung beklagten. Auch deshalb zeigte eine Studie der Beratungsgesellschaft AlixPartners im November, dass ein zunehmender Teil der europäischen Steuergelder für Verteidigungsausgaben nicht an europäische, sondern an US-amerikanische Unternehmen fließt. Deren Anteil stieg zwischen der Vereinbarung des Zwei-Prozent-Ziels 2014 und 2018 auf 58 Prozent. Das ist deutlich mehr als der Anteil von 36 Prozent, den diese Unternehmen weltweit haben (vgl. Europäische Verteidigungsminister kaufen zunehmend lieber in den USA). (Peter Mühlbauer)