Französischer Landwirt gewinnt gegen Monsanto

Berufungsgericht in Lyon verurteilt US-Agrarkonzern in einem viel beachteten Urteil zu Schadensersatz

Pestizid-Gegner, bzw. einem verbreiteten Neusprech folgend, "Pestizid-Skeptiker/-Kritiker", bejubeln den gerichtlichen Sieg in Frankreich über das US-amerikanische Life-Science-Unternehmen Monsanto: Das Berufungsgericht in Lyon hat am Donnerstag ein erstinstanzliches Urteil aus dem Jahr 2012 bestätigt, der Schadensersatzklage eines französischen Getreidebauern wurde erneut Recht gegeben.

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Der Mann hatte im April 2004 beim Reinigen eines Spritzgerätes eine starke Dosis von Dämpfen des Herbizids "Lasso" eingeatmet und daraufhin eine starke Blutung erlitten. Er musste mit dem Notarzt ins Krankenhaus.

Nach fünf Wochen konnte er seine Arbeit wiederaufnehmen, litt aber weiter an den Folgen des Giftes, im November wurde er ohnmächtig, er klagte auch später über heftige Kopfschmerzen, Absencen, Probleme beim Sprechen. Weitere mehrwöchige Krankenhausaufenthalte folgten. Die Ärzte, so berichtet Le Monde hätten mehrmals um sein Leben gefürchtet. Er laboriert noch immer an den Folgen der Vergiftung.

Der Fall erhielt auch über die Grenzen Frankreichs hinaus Aufmerksamkeit (Link auf 36067). Paul François verklagte Monsanto auf Schadensersatz, das Unternehmen argumentierte demgegenüber, dass der Mann eine schwächliche oder kränkliche Konstitution habe, dass "Lasso" hierfür nicht verantwortlich gemacht werden könne.

Das Gericht in Lyon mochte dem in erster Instanz nicht folgen. 2012 entschied es, dass Monsanto nicht genug vor den Gefahren des Pflanzenschutzmittels, das übrigens seit November 2007 in Frankreich verboten ist, gewarnt hätte. Der Hersteller hätte entsprechende Informationen auf der Verpackung und auf dem Etikett anbringen müssen. Dieser Sicht schloss sich nun auch das Berufungsgericht an. Die Höhe des Schadensersatzes steht noch nicht fest. Monsanto will in Berufung gehen.

Die Faz kommentierte das Urteil von 2012 mit der Feststellung, dass Klagen gegen Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmittel gewöhnlich scheitern, weil der Nachweis eines direkten Zusammenhang zwischen Krankheit und dem Einsatz des Pestizids sehr schwierig sei. Der Fall Paul François sei hier eine Besonderheit, "weil er genau den Zeitpunkt nennen konnte, zu dem er beim Reinigen seines Pflanzenschutz-Spritzgerätes Lasso eingeatmet hat". Die Pestizid-Gegner erhoffen sich nun, dass das Urteil auch anderen Leidtragenden von Pflanzenschutzgiften zugute kommt. (Thomas Pany)

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