"Frauen first": Der Women's-March-Protest gewinnt das Popularitätsbattle

"Women's March on Washington", 21.1.2017 ; Foto: Ted Eytan / CC BY-SA 2.0

Die Massenproteste in US-Städten mobilisieren die große Parallelwelt zu Trumps Vision

Der Stachel sitzt, der neue Präsident ärgert sich. Die Bilder vom Marsch der Frauen gingen gestern um die Welt. Auch in Ländern, die sonst wenig für protestierende Frauen übrig haben, war die Mobilisierung Top-News - mit Ausnahme von Saudi-Arabien: Der regierungstreuen Arab News war der Women's March keine Erwähnung wert.

Der Präsident, "Potus", aber reagierte wie häufig bei kränkenden News: "It's a lie." Er wirft der Berichterstattung im Fernsehen vor, dass sie die Menschenmenge vor dem Kapitol zu seinem Amtsantritt falsch und manipulativ dargestellt hatte.

Der Women's March in den USA (es gab auch Demonstrationen außerhalb, zum Beispiel in London oder Berlin) entwickelte sich in der öffentlichen Wahrnehmung zur Gegenveranstaltung der Inauguration vom Freitag. An dem Fakt, dass die Frauen insgesamt mehr Menschen auf die Straßen brachten, als zur Amtseinführung des Präsidenten nach Washington kamen, kann schwer gerüttelt werden: Die demonstrierenden Frauen haben dieses Battle gewonnen.

Bis zu 500.000 sollen allein in Washington D.C. auf die Straße gegangen sein. Insgesamt, die Beteiligung in den USA und weltweit zusammengerechnet, seien es etwa eine Million Teilnehmer gewesen, berichtet die Washington Post. The Hill berichtet dagegen von mindestens drei Millionen Teilnehmern nur in den USA.

Der neue Pressesprecher der US-Regierung, Sean Spicer, arbeitete sich an einem Thema ab, das zuvor die Aufmerksamkeit hatte, aber seit gestern zum Nebenthema wurde: die Frage, ob die Amtseinführung von Trump weniger gut besucht war als die Amtseinführung von Obama.

Die Trump-kritische Webseite Daily Kos präsentierte schon vor gut einer Woche Bilder von Obamas Inauguration, die Menschenmengen zeigte, wie man sie in Deutschland aus den Neunzigern von der Love Parade kennt. Das müsse Trump erstmal überbieten, lautete die Challenge. Dass sich die Regierung mit ihrem Pressesprecher überhaupt auf solches Terrain begibt, spricht Bände. Anders gesagt, man könnte dies auch souveräner handhaben.

Der Streit, den Spicer vom Zaun brach - über Fotos, die Blickwinkel der Kameras, neue Bodenbeläge, die den Rasen schonen sollten, die dann schließlich die leeren Stellen im Publikum noch deutlicher sehen ließen, die globale Zuschauerquote bei den Inaugurationsfeierlichkeiten bis hin zu den Zahlen der Metrobenutzer in Washington -, macht eine Schwäche der neuen Regierung zum Thema: die Schauspieler-Empfindlichkeit gegenüber der Gunst des Publikums.

Das zeigte sich bereits an der empörten Reaktion Trumps auf seine niedrigen Beliebtheitswerte bei den Umfragen: "Alles Lüge". Ob nun die Zahlen der Metro-Benutzer am Samstag in Washington exakt stimmen, ob gestern tatsächlich 4,2 Millionen Amerikaner auf die Straße gingen, was laut Professor Jeremy Pressmann, "die größten Proteste in der US-Geschichte" bedeuten würde, wird vermutlich ziemlich rasch zur Fußnote.

Bleiben wird der Eindruck, dass sich einen Tag nach dem Amtsantritt von Trump eine unbestreitbar riesige Menge in den großen Städten der USA, in New York, in Chicago und in Washington, versammelt haben. So wurde der Weltöffentlichkeit vorgeführt, dass die Gegner des Präsidenten mobilisieren können (was in der politischen Auseinandersetzung eine wichtige Rolle spielt, wie Gewerkschaften jederzeit bestätigen). Mit ihrer Präsenz zeigen sie, dass das Anti-Trump-Lager in den USA stark ist.

Anzeige