Friedensnobelpreis: Afrika statt Greta

Halb Oromo, halb Amhare: Abiy Ahmed, der äthiopische Regierungschef und Friedensnobelpreisempfänger 2019. Foto: Odaw. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der äthiopische Regierungschefs Abiy Ahmed wird für die Beendigung des 18 Jahre andauernden Konflikts mit dem Nachbarn Eritrea belohnt

In manchen Jahren konnte man den Eindruck haben, dass die Friedensnobelpreise weniger mit dem Hintergrund ihres Namens als mit Medienaufmerksamkeit und einer Beliebtheit beim Juste Milieu zu tun haben. Das ist in diesem Jahr anders: Der Friedensnobelpreis 2019 geht nämlich nicht an die Medienfavoritin, sondern nach Afrika: An den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed, der im Juli 2018 einen vorher 18 Jahre andauernden Konflikt mit dem Nachbarn Eritrea beendete (vgl. Äthiopien und Eritrea schließen Friedensabkommen).

Anlass für den Ausbruch dieses Krieges war ein Streit über den genauen Grenzverlauf nach der Wiedertrennung der beiden Länder in den 1990er Jahren. Berücksichtigt man, dass es dabei um ein verhältnismäßig kleines Gebiet ging, hatte der Krieg bemerkenswert viele Opfer zur Folge: Auf eritreischer Seite sollen etwa 19.000, auf äthiopischer 34.000 Soldaten und Zivilisten ums Leben gekommen sein.

Zu früh vergeben?

Sehr heiß war der Konflikt allerdings schon Jahre vor dem Friedensschluss nicht mehr - aber er behinderte weiter den Handel und verschlang knappe Ressourcen, die die beiden Länder nun anders einsetzen können. Ob das auf sinnvolle Weise geschieht, wird die Zukunft zeigen. Auf einen Schlag alle Probleme losgeworden, ist Äthiopien seine Probleme durch den Friedensschluss in jedem Fall nicht: Ethnische Auseinandersetzungen gibt es in diesem Vielvölkerstaat weiterhin (vgl. Löst sich Äthiopien auf?). Und die Wirtschaftspolitik Ahmeds fand mit der Öffnung des vorher ökonomisch vor allem nach China hin orientierten Landes für Investoren aus den USA, der EU und dem arabischen Raum auch Kritiker (vgl. Äthiopien: Aufbruch in den Neoliberalismus mit dem neuen Premierminister Abiy Ahmed?).

Das fünfköpfige norwegische Nobelkomitee zweifelt nach eigenen Angaben "nicht daran, dass manche glauben werden, dass wir diesen Preis zu früh verleihen". Die Preisentscheider hoffen aber, dass der Friedensnobelpreis den 43-jährigen Sohn eines Oromo-Vaters und einer amharischen Mutter dabei hilft, das Land innenpolitisch zu stabilisieren. In diesem Zusammenhang heben sie hervor, dass Ahmed "in seinen ersten hundert Tagen im Amt den Notstand aufhob, Tausende politische Gefangene begnadigte, die Medienzensur aussetzte, zuvor verbotene oppositionelle Gruppen legalisierte, der Korruption verdächtige Militärs und Politiker entließ und den Einfluss von Frauen in Äthiopiens politischem und öffentlichem Leben signifikant stärkte".

Auch Literaturnobelpreisentscheidung mit Friedensbezug

Vorher hatte bereits die für die Vergabe des Literaturnobelpreises zuständige Schwedische Akademie eine für das Juste Milieu überraschende Entscheidung getroffen und die Schriftstellerehrung an Peter Handke vergeben. Der Kärntner Halbslowene galt in diesem Milieu als verfemt, seit er sich in den 1990er Jahren gegen den Zeitgeist und die NATO-Intervention im Kosovo stellte. Der politischen Glaubensrichtung nach, die bei den US-Republikanern "Neocon" und bei den US-Demokraten "humanitäre Interventionen" hieß, musste man in anderen Ländern nur die dortige Führung auswechseln - und schon würden sich die Völker dort zu Demokratien nach amerikanischem Vorbild entwickeln.

Gut 20 Jahre und zig Milliarden Euro und Dollar Steuergelder später lässt sich kaum noch daran rütteln, dass diese Vorstellungen (zumindest in der ehemaligen serbischen Provinz) ähnlich unbegründet waren wie die vergangener Kulturen, dass sich mit Regentänzen und Menschenopfern das Wetter beeinflussen lässt (vgl. "Von Kriegsverbrechern regiert" und Kosovo: Großalbanienpartei sieht sich als Wahlsieger).

Vlora Citaku, die Botschafterin des Kosovo in Washington, verurteilte die Entscheidung für Handke trotzdem als "skandalös, grotesk und beschämend" - und der albanische Außenminister Gent Cakaj sprach von einem "absurden und schamvollen Akt", über den er "als passionierter Anhänger der ewigen Kraft der Schönheit der Literatur" "entsetzt" sei. (Peter Mühlbauer)