Frühe Hitzewelle in Spanien: Zehntausende Hektar Wald gingen in Flammen auf

Die Bardenas Wüste im Süden Navarras. Foto: Ralf Streck

Der Klimawandel schafft ideale Bedingungen und in nur zehn Tagen wurde mehr Fläche verwüstet, als zuvor im gesamten laufenden Jahr

Am vergangenen Samstag war es hier im baskischen Donostia (spanisch: San Sebastian) mit sage und schreibe 43,5 Grad so heiß, wie sonst nirgends in Spanien.

Alle bisherigen Hitzerekorde wurden pulverisiert, dabei hatte der Sommer auch hier ganz im Norden noch nicht begonnen. Ausgerechnet an der Atlantikküste erreichte die erste große Hitzewelle des Jahres die höchsten Werte. Sogar in den Bergen im Hochland wie in Forua oder Bera wurden Temperaturen von 42 Grad gemessen. Es war dort heißer als in der Wüstengegend um Saragossa, wo solche Temperaturen bisweilen erreicht werden, aber sonst im Hochsommer und nicht im Frühjahr.

Historische Dimensionen

Kam es an der grünen Küste nur zu vereinzelten und kleinen Bränden kam, haben hinter den baskischen Bergen in Navarra und im Rest des spanischen Staates zahlreiche Großbrände gewütet. Feuerwehren kämpfen auch in Navarra noch gegen kleinere Brände und überwachen Brandherde, um ein neues Aufflammen früh zu unterbinden. Angesichts der Tatsache, dass in nur wenigen Tagen allein in Navarra gut 10.000 Hektar abgeflammt sind, wird von "historischen Dimensionen" gesprochen.

Die klimatischen Bedingungen haben sich inzwischen verbessert, die Temperaturen sind gesunken und bisweilen gibt es auch Gewitter und Regenschauer. Auch die letzten evakuierten Menschen könnten in die acht Gemeinden zurückkehren, die noch angesichts der Flammenfronten geräumt worden waren. Die Debatte in Navarra, warum die Ernte nicht frühzeitig gestoppt wurde, hält aber noch an.

Erntemaschinen sorgen für Funkenschlag, die oft Brände bei extremer Trockenheit erzeugen, der wegen starkem Wind schnell außer Kontrolle gerät. Erst nachdem es überall in der Region gebrannt hat, wurde das Ernten verboten. Gleichzeitig verbot die sozialdemokratische Regierungschefin Maria Chivite auch die üblichen Feuer zur Sommersonnenwende zum Johannistag.

Jetzt sind Millionenschäden zu verzeichnen, auch in Navarra ist ein Teil der Weizenernte abgeflammt.

Katalonien

Besonders hart wurde von der Hitzewelle und von den Bränden auch andere Teile des Landes getroffen, wie Katalonien. 200 Brände waren in nur fünf Tagen registriert worden. Schon jetzt ist in Katalonien eine größere Fläche abgebrannt als im gesamten Vorjahr. Waren vor der Hitzewelle in ganz Spanien etwa 16.000 Hektar Wald, Ackerland und Buschland abgebrannt, war es zwischen dem 10. und 20. Juni mit mehr als 40.000 Hektar eine fast dreimal so große Fläche.

Sierra de la Culebra

Den Brandrekord stellt bisher die "Sierra de la Culebra" in Zamora an der Grenze zu Portugal auf. Gut 30.000 Hektar sind dort in wenigen Tagen abgebrannt. Spricht man hier normalerweise von einem Großbrand, wenn 600 Hektar in einer Stunde lodern, waren es an der Grenze zu Portugal sogar 1.200 in der Stunde. Bewohner kleiner evakuierter Gemeinden machen dafür fehlende Mittel zur Brandbekämpfung verantwortlich.

Kastilien-León

Die rechte-rechtsradikale Regionalregierung von Kastilien-León hätte keine Hilfe geschickt, weshalb es der bisher größte Brand in der Geschichte der Region war. Für die Regionalregierung beginnt die Brandsaison ohnehin erst ab dem 1. Juli. Die Politiker kämen nur in das "geleerte Spanien", um ein Foto und Versprechungen zu machen, erklären Bewohner der Region, die sich auch von der sozialdemokratischen Zentralregierung alleingelassen fühlen.

Offensichtlich muss sich die vom Klimawandel besonders hart getroffene Iberische Halbinsel an diese Vorgänge gewöhnen. "Zwischen 1979 und 2013 hat sich die Waldbrandsaison weltweit bereits um 18,7 Prozent verlängert (…) In der zweiten Hälfte dieses Zeitraums waren die Veränderungen sogar noch stärker", hat der UN-Klimarat (IPCC) in seinem letzten Bericht festgestellt.

"Die Zunahme von Hitzewellen in Verbindung mit Dürreperioden und Änderungen in der Landnutzung haben die Feuchtigkeit in den Brennstoffen (Vegetation) verändert, was das Brandrisiko erhöht, die Brandsaison verlängert und die Wahrscheinlichkeit von Großbränden vervielfacht", so die IPCC-Analyse.

Extreme Temperaturen, ungewöhnlich früh

Spanische Meteorologen stellen fest, dass es die früheste Hitzewelle war, die zudem mit 10 Tagen "sehr lange" angehalten hat. Diese Temperaturen wären sogar im Sommer zwischen Juli und August "extrem" gewesen, erklärt der meteorologische Dienst. Es zeige sich ein Teufelskreis. Dürre die Vegetation stark aus. Hitzewellen sind dann der ideale Nährboden für Großbrände. Das sorgt auch dafür, dass die Wüstenbildung rasant zunimmt.

Der IPCC geht davon aus, dass die Brände bei der derzeitigen Erwärmung bis 2030 um 14 Prozent und bis Ende des 21. Jahrhunderts um 50 Prozent zunehmen werden. Die verschärfen wiederum die Klimakrise, da auch darüber große Mengen klimaschädliches CO₂ freigesetzt wird, welches in der Vegetation gebunden war.

Wüstenbildung

Das Ganze hat auch wieder starke Rückwirkungen auf den Menschen, die Desertifikation schreitet voran. In Spanien gelten schon fast 25 Prozent der Fläche als Wüste, Tendenz steigend.

Der Exekutivsekretär des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung beklagt zum Beispiel: "Es gibt kein Bewusstsein dafür, dass Dürre letztlich Brände, Hunger und Rezession bedeuten."

Ibrahim Thiaw erklärte kürzlich beim Aufenthalt in Madrid, dass auch mit der Desertifikation ein Verlust von Lebensmitteln und der Wasserqualität bedeutet, womit sich die Lebensbedingungen zusätzlich verschlechtern. Für den Vize-Generalsekretär der UNO ist klar, dass "die Degradation den Klimawandel verschärft und der Klimawandel sich wiederum auf die Böden auswirkt und Dürreperioden verschlimmert." (Ralf Streck)