Führt die Spur nach Deutschland?

The WTC Conspiracy X

Verschwörungstheorien sind ein gutes Beispiel für die Entdeckung der Quantenphysik, dass eine Beschreibung der Realität ohne Einbeziehung des Beobachters unmöglich ist. "Der Paranoiker kennt alle Fakten", sagt William S.Burroughs. Der paranoische Beobachter lässt keine Unschärfen, Ungenauigkeiten, Unklarheiten zu, noch den offensichtlichsten Zufall setzt er in eindeutigen Zusammenhang. Für ihn wird gleichsam die Theorie zur Praxis: er nimmt eine reale Verschwörung wahr, wo andere Beobachter allenfalls vage Indizien für einen Zusammenhang und wieder andere absolut gar nichts wahrnehmen. Verschwörungstheorien reduzieren Komplexität, entwirren Verwirrendes, erklären Unerklärliches - für den schizophrenen Paranoiker, indem er seine innere Not auf die Verfolgung von außen projiziert, ebenso wie für den rationalen Verschwörungstheoretiker, der seine Erklärungsnot dadurch behebt, dass er vage Zusammenhänge zu logischen Kausalitätsketten zusammenfügt.

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George.W. Bush, sein Vater und andere wichtige Entscheidungsträger und Banker der USA sind Mitglieder einer elitären Geheimloge - diese Bruderschaft hat schon Hitler und Stalin aufgerüstet und so den Zweiten Weltkrieg provoziert (Skulls, Bones & Bush) - also ist es logisch, dass sie auch im angehenden dritten die Finger im Spiel haben. Oder: Seit die Golddeckung des US-Dollars 1971 aufgehoben und gleichzeitig der Ölpreis an den Dollar gebunden wurde, hängt Öl direkt mit der US-Währung zusammen - deshalb werden seitdem kalte und heiße Öl-Kriege um die Fördermengen geführt; die islamistische Opposition stellt eine innere Bedrohung der US-kontrollierten Ölregionen dar - deshalb wird der Terroranschlag jetzt benutzt, diese Opposition auszuschalten. Oder: Ein Netzwerk islamistischer Extremisten hat der gesamten westlichen Welt den Krieg erklärt, ihr Ziel ist die Errichtung von Gottesregimen á la Taliban - dieser Anschlag war nur die erste Kriegserklärung, weitere werden folgen, bald müssen unsere Frauen Schleier tragen!!!

Keines dieser drei Bezugssysteme entbehrt der Logik - und in jedem System kann der Beobachter auf so viele weitere passende Puzzlesteine stoßen, dass sich ein ganzes Bild - die Wahrheit über geheime plutokratische Drahtzieher, polit-ökonomische, geo-strategische Schachzüge oder einen religiös-kulturellen Clash der Zivilisationen - zu ergeben scheint. Tatsächlich aber existieren diese drei Bezugssysteme und Kausalitätszusammenhänge - und noch einige weitere - alle gleichzeitig und haben ihren Anteil an der sozio-chemischen Reaktion, die zur WTC-Katastrophe führte.

Ist das Gehirn normalerweise zumindest prinzipiell in der Lage, die Alternativen zu überprüfen und abzuwägen, wird in Krisenzeiten dieser Validierungsmechanismus offenbar ausgeschaltet. Fünf Minuten danach war "Ibn Ladin" der Realitätstunnel, auf den sich die Weltöffentlichkeit einschwören ließ, auf der Suche nach Ordnung, Strukturierung und Sinn angesichts der sinnlosen, grauenhaften Katastrophe - und Nostradamus, der laut einem Internethoax in einem Verslein mal wieder alles vorhergesagt hatte (simpler geht's nimmer) war in den Tagen nach dem Anschlag der Nr.1-Seller bei Amazon.

"Wem es gelingt, dir falsche Fragen einzureden, dem braucht auch vor der Antwort nicht zu bangen", heißt es in Thomas Pynchons labyrinthischen Verschwörungsroman "Die Enden der Parabel".

"Wir sind besessen davon, Labyrinthe zu errichten, wo vorher offenes Land und Himmel waren: immer komplexere Muster auf das leere Blatt zu zeichnen. Wir können die Offenheit nicht ertragen - sie versetzt uns in Schrecken. (..) Wenn etwas Tröstliches - Religiöses, wenn man will - in der Paranoia liegt, so gibt es doch auch eine Anti-Paranoa, in der nichts mehr mit irgendetwas anderem verknüpft ist, ein Zustand, den nicht viele von uns lange ertragen."

Zwei wichtige Hinweise auf den beobachtergeschaffenen, konspirativen Charakter der Realität - und die Schwierigkeit, offene, unentschiedene Fragen oder störende, unpassende Antworten auszuhalten. In der Krise sind einfache Lösungen gefragt - und nichts funktioniert da besser als eine gute Verschwörungstheorie: ein klares Feindbild. Die vagen Biographien der Terrorpiloten geben da derzeit noch nicht allzuviel her - die einzige wirklich vielversprechende Spur auf die wahren Hintermänner scheint im Moment die Nachverfolgung der Börsenspekulationen vor dem Anschlag zu sein und die führt, zumindest nach Meinung eines von der ARD interviewten Experten, mitten in die Jauchegrube, den braunen Verschwörungssumpf.

Die Börsenaufsichten einiger Ländern gehen derzeit den extrem hohen Handelsvolumen von Verkaufs-Optionen von American und United Airlines Aktien nach, die in den Tagen vor und nach dem Anschlag gehandelt wurden. Eine solche Verkaufs- oder Put-Option ist quasi eine Wette auf fallende Kurse, je tiefer der Kurs bis zu einem bestimmten Termin fällt, desto höher der Wettgewinn, der dann leicht das 10- oder 20-fache des Einsatzes betragen kann. Das Wirtschaftsmagazin Plus Minus befragte dazu den Luxemburger Finanzexperten Ernest Backes:

"Explosionsartig nahm bei United Airlines am Donnerstag vor dem Unglück der Umsatz mit sogenannten Put-Optionen zu. 200.000 Stück wurden gehandelt, sonst waren es oft noch nicht einmal 1.000. Und ähnlich ist es bei American Airlines sowie den Versicherungsgesellschaften. Hier könnten Terroristen an den Börsen Milliarden verdient haben.
Die Spur führt nach Angaben von Backes in die Schweiz, zu Konten einer Organisation, die vor Jahren von dem inzwischen verstorbenen Rechtsanwalt Francois Genoud gegründet worden war und offenbar noch immer besteht, sagt Backes: "Einer dieser Berührungspunkte ist, dass der Schweizer Anwalt engste Verbindungen mit der Familie von bin Laden hatte, dass er einer der Berater der Familie, einer ihrer Bankiers war. Gewusst wird, dass er den Terrorismus unterstützte und der Vermögensverwalter des Hitler-Vermögens war...."

Das ist nun keine esoterische Verschwörungstheorie, sondern die Meinung eines zumindest ARD-geprüften Fachmannes. Wie heiß diese Spur, dieser Verdacht ist, geht aus dem Bericht nicht hervor - beim Stichwort "Francois Genoud" freilich geht jedem Konspirologen sogleich ein Licht auf. Schon als glühender Schweizer Jungnazi erwarb sich Genoud das Vertrauen Hitlers und anderer NS-Größen und spielte als Banker und Schieber eine Schlüsselrolle auf der sogenannten "Rattenlinie", auf der gegen Kriegsende unter Patronage des Vatikan und des US-Geheimdienstes große Geldmengen und zahlreiche Top-Nazis nach Südamerika geschleust wurden.

Nach dem Krieg soll Genoud im Nahen Osten eine neo-faschistische "schwarze Internationale" aufgebaut und "von Hitler bis Carlos" - so der Titel seiner Biographie - alle anti-jüdischen Terroristen der jüngeren Vergangenheit unterstützt haben. Die von Genoud verschobenen Nazi-Gelder sollen bis heute auch einen Finanzierungsfonds für nationalistische, rechts-radikale Bewegungen in Europa darstellen. Wenn sich die Börsentransaktionen wirklich auf das Finanzimperium Genouds zurückverfolgen lassen, erhielte die Schlagzeile "Die Spur führt nach Deutschland" eine ganz neue Dimension.

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