Fünf Millionen Euro für "Entschlüsselungsplattform" bei Europol

Europol-Hauptsitz in Den Haag. Bild: OSeveno/CC BY-SA-3.0

Die EU will ihre Fähigkeiten zum Umgehen oder Knacken von Verschlüsselung verbessern. Die Mitgliedstaaten sollen in Hard- und Software investieren, Europol soll die Anstrengungen koordinieren

Die Polizeiagentur Europol soll weitere fünf Millionen Euro zur Entwicklung von Fähigkeiten zum Auslesen verschlüsselter Inhalte erhalten. Dies schreibt die Europäische Kommission in ihrem dreizehnten Fortschrittsbericht "Auf dem Weg zu einer wirksamen und echten Sicherheitsunion". Das Geld werde im Europol-Haushalt für 2018 bereitgestellt. Die Kommission hatte die Gelder bereits im zwölften Fortschrittsbericht zugesagt, deren Höhe jedoch erst am 24. Januar veröffentlicht. Zuvor hatten die EU-Innenminister auf ihrer Dezember-Tagung auf weitere Unterstützung gedrungen.

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Europol soll den Kriminalpolizeien der Mitgliedstaaten dabei helfen, verschlüsselte Inhalte zu knacken oder deren Verschlüsselung zu umgehen. Dabei geht es sowohl um Telekommunikation als auch um verschlüsselte Geräte. Die Agentur soll "die technischen und rechtlichen Aspekte der Rolle der Verschlüsselung" untersuchen und regelmäßig bewerten. Vergangene Woche fand hierzu bei Europol in Den Haag ein Workshop mit Polizeien der Mitgliedstaaten statt.

Beim "European Cybercrime Centre" (EC-3), das ebenfalls bei Europol angesiedelt ist, entsteht eine "Entschlüsselungsplattform". Sie soll einen "Werkzeugkasten" mit entsprechender Hard- und Software zusammenstellen. Europol erhält hierzu 19 neue Stellen.

Für die Ausbildung nationaler Experten stellt die Europäische Union eine halbe Million Euro bereit, Ausbildungsinhalte werden von der EU-Polizeiakademie CEPOL entwickelt. In den Mitgliedstaaten könnten dazu nationale Kompetenzzentren errichtet werden, deren Aufbau über Gelder aus dem Inneren Sicherheitsfonds (ISF) der Europäischen Union gefördert werden könnten. Europol könnte die Koordinierung der nationalen Zentren übernehmen.

Der Rat der Europäischen Union, in dem sich die Regierungen der Mitgliedstaaten zusammenschließen, geht sogar noch weiter. Die zuständigen Behörden sollen demnach "Schwächen bei Algorithmen und Implementierungen" untersuchen, um mögliche "Fehler" ausnutzen zu können. Zur Entwicklung von Fähigkeiten zur Entschlüsselung soll die Europäische Kommission die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor intensivieren. Die Firmen könnten "spezielle Hard- und Software mit angemessener Rechenleistung" bereitstellen, um durch "intelligentere Analysen" Passwörter zu knacken. Zum Brechen schwacher Verschlüsselung sollen die Behörden in Ermittlungsverfahren darauf achten, Hinweise zu "Passphrasen, Phrasensegmente, Zeichensatz, Passwortlänge" zu sammeln.

Neben den neuen Haushaltsmitteln könnte Europol für die "Entschlüsselungsplattform" auch Gelder aus dem Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" erhalten. Im Dezember hatte die Kommission für den Forschungsstrang "Safe, Secure and Resilient Societies" einen Workshop zu "Cyberkriminalität" veranstaltet, der sich unter anderem mit digitaler Forensik und elektronischen Beweismitteln befasste.

Die Vorschläge des Rates und der Kommission werden nun auf EU-Ebene weiter diskutiert. Unter anderem ist das noch recht junge "Europäische Justizielle Netz für Cyberkriminalität" (EJCN) daran beteiligt. (Matthias Monroy)

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