Für Klimaschützer die ganz große Keule

Bild: Markus Spiske/Pexels

Bayerns Polizei durchsuchte Kinderzimmer von Fridays-for-Future-Aktivistin nach Sprühkreide

Was deutsche Polizeibehörden so beschäftigt. Aus Augsburg berichtet der Bayerische Rundfunk dieser Tage von einer bereits etwas zurückliegenden Hausdurchsuchung.

Im Frühjahr 2020 haben demnach eines Tages am frühen Morgen Beamte der dortigen Kripo das Kinderzimmer einer 15-Jährigen durchsucht. Stundenlang sei die Wohnung auf den Kopf gestellt worden, was auch die jüngeren Geschwister mit ansehen mussten. Die Betroffene sei "halbnackt" von den Beamten aus dem Bett geholt und schließlich auf der Straße vor den Augen der Nachbarn durchsucht worden.

Der Hintergrund: Fünf Monate zuvor hatten in der Nacht zum 29. November, dem "Black-Friday"-Schnäppchen-Tag, Aktivistinnen und Aktivisten mit Sprühkreide Geschäfte und Fußgängerzone mit Sätzen wie "Buy nothing" oder "Brauchst du das?" beschrieben.

In der alten Fuggerstadt, wo man seit altersher sein Geschäft mit Kriegen, Sklaverei und Völkermord machte, war das offensichtlich ein an Terrorismus grenzender Akt.

Da nutzte es weder, dass Sprühkreide verwendet, noch dass sich die örtliche Greenpeace-Gruppe zu der Aktion bekannte. Eine ganze Kripo-Abteilung wurde auf den Fall angesetzt und war offensichtlich monatelange damit beschäftigt.

Schließlich fand man auf der Überwachungskamera Aufnahmen einer Beteiligten, die eine ähnliche Jacke wie eine bekannte Aktivistin der örtlichen Fridays-for-Future-Gruppe trug und auch eine ähnliche Statur hatte. Einwandfrei identifizieren konnte man sie offenbar nicht. Dennoch reichte es dem zuständigen Gericht für einen Durchsuchungsbeschluss. Bei einer 15-Jährigen. Wegen abwaschbarer Sprühkreide.

Nachzuweisen war ihr, die nichts mit Greenpeace zu tun hatte und einem Beamten gegenüber schon am Tag nach der Tat eine Beteiligung verneint hatte, letztlich auch mit der martialischen Aktion nichts. Aber mit einiger Sicherheit dürfte sie einiges über die hiesigen politischen Verhältnisse und die Prioritäten deutscher Strafverfolgungsbehörden gelernt haben.

Vorausgegangen war den Vorfällen übrigens Deutschland schwerste Dürrejahre. Die Wasserstände waren 2019 in vielen Flüssen so niedrig, dass sie nicht mehr oder kaum noch schiffbar waren. 2018 und 2019 waren der zweit- und drittheißeste Sommer in den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes.

Und noch ein Übrigens: In Deutschland sind fast 600 Neonazis untergetaucht, die wegen Gewaltdelikten und anderem per Haftbefehl gesucht werden. Besonders viele sollen in Bayern flüchtig sein. Vielleicht liegt das ja daran, dass dort die Prioritäten eher bei der polizeilichen Repression von Kindern liegen, die eventuell etwas milde Kapitalismuskritisches mit abwaschbarer Sprühkreide auf Wände und Straßen geschrieben haben könnten. (Wolfgang Pomrehn)