Für Umwelt und Mensch riskante Perfluoroctansäure (PFOA) in der Outdoor-Bekleidung

8:2-FTOH, ein Fluortelomeralkohol. Es findet bei der Imprägnierung von Textilien Verwendung und ist aufgrund seiner Flüchtigkeit in der Raumluft von Outdoor-Ausstatterläden nachweisbar. Eins seiner Abbauprodukte: PFOA. Bild: Bernd Schröder

Alternativen in der Perfluorchemie: Lösung oder Sackgasse?

The Great Outdoors

Wasser- und ölabweisende Eigenschaften erfreuen sich bei Funktionsbekleidung für Freiluftaktivitäten einer besonderen Beliebtheit. Allein die Nutzung per- und polyfluorierter Chemikalien (PFC) in der Outdoor-Industrie erbringt nach Schätzungen des American Chemistry Councils von 2013 weltweit eine Jahreswirtschaftsleistung von 27,3 Milliarden US-Dollar. An diesem Segment hängen fast 40.000 Arbeitsplätze in Europa und 5.000 in den USA.

Nach Schätzungen der Europäischen Chemikalienagentur ECHA von 2015 gelangen jährlich 1.000-10.000 Tonnen der mittlerweile als problematisch angesehenen Perfluoroctansäure (PFOA) oder mit ihr verwandten Substanzen in die EU - allein in Form importierter Textilien.

Die Hersteller waren im Zuge des EPA-Stewardship-Programms nicht angehalten, auf die PFC-Materialien ihrer Lieferketten zu verzichten. Doch es gab Beispiele wie das von Gore Fabrics: Dort wollte man bereits 2013 aus der PFOA-Chemie ausgestiegen sein.

Das Unternehmen stellt zum einen dauerhaft wasserabweisende Imprägnierungen her, zum anderen wird festes PTFE in eine mikroporöse Struktur mit 70% Luft umgewandelt - Gore-Tex expanded PTFE oder ePTFE, das Ausgangsmaterial für die meisten Produkte des Unternehmens. Gore-Tex wird unter anderem in Outdoor-Erzeugnissen von Patagonia, Marmot, Arc'teryx und Haglöfs verwendet. Gore produziert heute an mehr als 50 Standorten weltweit. Allein in Deutschland haben hier rund 1500 Menschen Arbeit.

Der Weg zur PFOA-Freiheit erweist sich jedoch schwieriger als gedacht

Die von Greenpeace 2016 veröffentlichten Ergebnisse eines Tests von Produkten verschiedener Ausrüster legten nahe, dass PFOA auch weiterhin in der Herstellung von Outdoor-Bekleidung genutzt wird. In 11 von 40 Produkten wurde PFOA in Mengen von mehr als einem Mikrogramm pro Quadratmeter gefunden, ein Schwellenwert, den zum Beispiel Gesetzgeber in Norwegen als tolerierbares PFOA-Limit in den Produkten festgelegt haben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Flüchtige PFC, vor allem Fluortelomeralkohole, finden sich oft in hohen Konzentrationen.

Gore Fabrics hat im Februar 2017 angekündigt, für die Umwelt bedenkliche organische Perfluorverbindungen nun langfristig eliminieren zu wollen.

Der Greenpeace-Test machte außerdem eine Verschiebung zu kürzerkettigen, bisher weniger gut untersuchten PFC sichtbar. Die gelten mittlerweile als Alternativen zu den sich als problematisch erwiesenen längerkettigen PFC.

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