Fukushima: Neben Tritium wird aus dem Kühlwasser auch Jod 129 nicht ausgefiltert

Bild: Tepco

900.000 Tonnen gefiltertes Wasser, die in hunderten Tanks gelagert werden, sollten eigentlich im Meer entsorgt werden, da Tritium als unbedenklich betrachtet wird und die Lagerkapazitäten zu Ende gehen

In den letzten Tagen war das 2011 havarierte AKW Fukushima erneut in die Aufmerksamkeit gerückt. In einer Pressemitteilung von drei OHCHR-Mitarbeitern wurde der japanischen Regierung vorgeworfen, die Gesundheit und das Leben von zehntausenden Menschen, die seit dem Unfall auf dem AKW-Gelände tätig waren und sind, aufs Spiel zu setzen. Baskut Tuncak, der Sondergesandte für gefährliche Stoffe und Abfälle, Urmila Bhoola, die Sondergesandte für neue Formen der Sklaverei, und Dainius Puras, der Sondergesandte für körperliche und geistige Gesundheit, forderten die japanische Regierung dringend auf, die Arbeiter, die bei den Aufräumarbeiten gefährlicher radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind, zu schützen. Sie sollen auch ausgebeutet worden sein, so sollen angeblich Migranten, Asylbewerber und Obdachlose von Subunternehmern bei der Anwerbung über die Risiken getäuscht worden sein.

Die japanische Regierung weist die Vorwürfe zurück und bedauert die Veröffentlichung, die auf einseitigen Informationen beruhe. So sagte das Gesundheitsministerium, man habe solche problematischen Vorfälle in der Vergangenheit bearbeitet, jetzt aber gebe es keine Situation mehr, die dringendes Handeln erforderlich mache. Die OHCHR-Mitarbeiter schrieben, sie stünden seit vergangenem Jahr in Kontakt mit der japanischen Regierung, die einigen Empfehlungen folgen wollte.

Bei der gegenwärtig auch in Japan herrschenden Hitze ist die Arbeit in den Schutzanzügen beschwerlich. Bild: Tepco

Jetzt kommt neues Ungemach. Seit langem ist klar, dass es bald nicht mehr möglich sein wird, das radioaktiv kontaminierte Wasser weiter in Tanks auf dem AKW-Gelände zu speichern. Die Fläche geht aus für die bislang 680 Tanks, die jeweils 1000 Tonnen aufnehmen können. Zwar wurde die Menge an Kühl-, Grund- und Regenwasser , die gefiltert wird, aber noch weiterhin Tritium enthält, weniger durch Gräben, Pumpen und eine metertiefe Eiswand im Boden, aber es sollen noch immer täglich 160 Tonnen sein, die gespeichert werden müssen.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco, unterstützt durch ein Expertengremium der Atomaufsichtsbehörde, will das belastete Wasser am liebsten ins Meer einleiten. Tritium sei bei der Verdünnung nicht mehr gefährlich, zudem würde auch aus anderen AKWs mit Tritium kontaminiertes Wasser ins Meer eingeleitet. Nicht zuletzt wäre dies eine besonders kostengünstige Entsorgung. Aber es handelt sich in Fukushima immerhin über 900.000 Tonnen Wasser. Vor allem Anwohner und Fischer wenden sich dagegen, aber auch Länder in der Umgebung sind nicht begeistert (Wohin mit dem radioaktiven Wasser und der kontaminierten Erde?).

Bislang hieß es stets, das Wasser sei nur noch mit Tritium kontaminiert, alle anderen radioaktive Substanzen seien herausgefiltert worden. Nun aber musste Tepco einräumen, dass das Filtersystem ALPS (Advanced Liquid Processing System) auch Jod 129 nicht herausfiltert, das immerhin eine Halbwertszeit von über 15 Millionen Jahren hat. Nach Messungen ist der Liter mit 62,2 Becquerel belastet, der Grenzwert in Japan liegt bei 9 Becquerel. Überdies wurde Ruthenium 106 mit 92,5 Becquerel pro Liter (der Genzwert liegt bei 100) und Technetium mit 59 Becquerel (Grenzwert liegt bei 1000) entdeckt. (Florian Rötzer)

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