Fukushima: Rekordradioaktivität in Reaktor 2 mit 530 Sievert pro Stunde gemessen

Aufnahme vom Boden des Sicherheitsbehälters in Reaktor 2. Bild: Tepco

Aufnahmen zeigen, dass die Kernschmelze nicht nur ein Loch im Druckbehälter, sondern auch im Sicherheitsbehälter verursacht hat

Vor fast 6 Jahren hat sich die Nuklearkatastophe im AKW Fukushima ereignet, im Verhältnis zur Halbwertszeit des radioaktiven Materials ist das praktisch nichts. Im März 2011 fiel durch den Tsunami die Kühlung des AKW aus. Als Folge ereignete sich eine Kernschmelze in drei Reaktoren.

Am Montag gelang es dem praktisch verstaatlichten Betreiberkonzern Tepco erstmals, Bilder mit einer ferngesteuerten, auf einem Teleskop montierten Kamera aus dem Inneren des Reaktors Nr. 2 zu machen. Dabei wurde klar, dass die Situation viel schlimmer ist, als man bislang - optimistischerweise - angenommen hatte. Das könnte auch der Abe-Regierung, die auf den Wiederstart der seit Jahren abgeschalteten AKWs dringt, einen herben Schlag versetzen, zudem könnten die Kosten, die Jahr für Jahr steigen, noch höher schnellen.

Tepco berichtet, dass man aufgrund der Bilder ein ein Quadratmeter großes Loch unter dem Druckbehälter auf dem Wartungsgitter - nicht im Sicherheitscontainment, wie ursprünglich irrtümlich beschrieben - ausgemacht hat. Das bedeutet, dass die geschmolzenen Brennstäbe den Druckkessel gesprengt und auf das Metallgitter gefallen sind. Das Metall hat nach Tepco einen Schmelzpunkt bei 1500 Grad Celsius, so dass sich das heiße radioaktive Material durch das Gitter hindurchgebrannt haben dürfte.

Dazu kommt, dass auf den Bildern auch Wassertropfen zu sehen waren. Das Wasser stammt vermutlich aus den Kühlbecken und ist damit sowieso radioaktiv kontaminiert. Ob der Sicherheitsbehälter standgehalten hat, ist noch nicht klar, sollte er Risse oder Löcher haben, würde das Wasser auch in die Erde austreten können.

Dabei war das Problem schon groß genug, wie das nach der Kernschmelze entstandene hochradioaktive Material aus dem Sicherheitsbehälter zur sicheren Endlagerung - für die auch noch kein Plan vorhanden ist - entnommen werden könnte. Entscheiden über die Methode, das Material herauszuholen, wollte man 2018. Jetzt scheint klar zu sein, dass das radioaktive Material nicht nur in den Sicherheitsbehälter, sondern auch nach außen gelangt ist.

Bislang hatte man bei Tepco aufgrund einer Studie angenommen, dass sich der Großteil der geschmolzenen Kernstäbe noch im Druckbehälter befinden würde. Daher ging man auch davon aus, im Sicherheitsbehälter kein oder höchstens wenig geschmolzenes Material zu finden, schreibt Asahi Shimbun. Mit den Bildern ist diese Hoffnung wohl verschwunden.

Boden des Sicherheitsbehälters. Bild: Tepco

Auf dem Boden des Sicherheitsbehälters sind auf den Bildern "schwarze Klumpen" zu sehen. Mit der Kamera konnten aber nur Teile des Sicherheitsbehälters inspiziert werden. Es ist noch unklar, wie viel Material sich dort befindet und in welchem Zustand es ist. Falls es sich um geschmolzene Kernstäbe handelt, hätte man das erste Mal solches Material überhaupt in einem der drei Reaktoren gefunden. Noch scheint man zu hoffen, dass es sich um etwas anderes handeln könnte, beispielsweise um Farbe oder Kabelmaterial.

Um zu sehen, ob es sich dabei um Material der Kernschmelze handelt, wurden Messungen vorgenommen, die das Ergebnis der Bildanalyse noch verschärften. Die Radioaktivität in dem Sicherheitsbehälter ist auf 530 Sievert pro Stunde angestiegen und ist damit so hoch wie seit der Kernschmelze nicht mehr. Bislang wurden in dem Behälter seitdem höchstens 73 Sv pro Stunde gemessen. Die Belastung wäre, wenn die Messung zutrifft, extrem hoch und tödlich.

Schon bei einer Aussetzung von einem Sievert beträgt für Menschen das Risiko, an Krebs zu erkranken, mehr als 10 Prozent - das Risiko, an diesem zu sterben, liegt bei 5 Prozent. Schon 6 Sievert lösen eine Strahlenkrankheit aus, die tödlich ist. Bei einer Belastung von 10-20 Sievert tritt der Tod hunderprozentig innerhalb von zwei Wochen und bei über 50 Sievert innerhalb von Stunden ein.

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