Fukushima: Roboter soll erstmals Boden von Reaktor 2 untersuchen

Der neue Roboter. Screenshot von Toshiba-Video

Bislang gibt es aus dem Inneren der Reaktoren nach der Kernschmelze nur unzureichende Bilder, ein Roboter soll durch Abtasten die Beschaffenheit des geschmolzenen Materials feststellen

Fast acht Jahre ist die Katastrophe von Fukushima 1 her. Aber bislang ist noch wenig bekannt, wie es in den Reaktoren aussieht, in denen sich wegen des Ausfalls der Kühlsysteme eine Kernschmelze ereignet hat. Ohne genauer zu wissen, wie es in den Reaktoren aussieht und wie die Beschaffenheit des Materials ist, lässt sich an eine Bergung und einen Abbau der Reaktoren nicht denken. Der Betreiberkonzern will mit der Bergung des geschmolzenen Kernmaterials schon 2021 beginnen.

Dabei ist noch nicht einmal klar, was mit den in Hunderten von Tanks auf dem Gelände zwischengelagerten radioaktiv kontaminierten Wasser geschehen soll. Bald können keine weiteren der Tanks mit einem Fassungsvermögen von 100 Tonnen mehr aufgestellt werden. Gelagert werden so bereits mehr als eine Million Tonnen. Ende des letzten Jahres forderte die IAEA, die Internationale Atombehörde, Tepco auf, die Tanks "dringend" zu entfernen, weil sie im Falle eines Erdbebens oder eines Tsunamis ebenfalls ein Risiko darstellen. Um das havarierte AKW mitsamt den Tanks vor einem Tsunami zu schützen, soll eine weitere Schutzmauer am Meer gebaut werden.

Tepco will das teilweise gereinigte Wasser, das aber neben Tritium auch noch Jod 129, Ruthenium 106 und Technetium enthält, ins Meer entsorgen. Dagegen gibt es aber Widerstand (Wohin mit dem radioaktiven Wasser und der kontaminierten Erde?) .

Es wurden zwar bereits einige Inspektionen mit einem Endoskop und mehreren Robotern in allen drei Reaktoren durchgeführt, aber aus den gemachten Bildern ergibt sich kein umfassender Überblick, vor allem lässt sich nicht erkennen, in welchem Zustand sich das durch den Druckkessel durchgebrochene Material am Boden des Sicherheitsbehälters befindet. Die erkennbaren Ablagerungen und Klumpen werden aus geschmolzenen Kernbrennstoff und Trümmern bestehen.

Die ersten Bilder aus dem Inneren der Reaktoren gelangen Anfang 2017 mit einer an einem Teleskop befestigten Kamera im Reaktor 2. Seitdem war klar, dass das geschmolzene Material durch den Druckkessel auf den Boden des Sicherheitsbehälters durchgebrochen war. Zu sehen sind auf den Fotos am Boden schwarze Klumpen. Kurz darauf wurde der Erkundungsroboter Sasori eingebracht, der aber nicht weit kam.

Nun haben Toshiba, zusammen mit GE Hersteller des Reaktors, und das 2013 gegründete International Research Institute for Nuclear Decommissioning (IRID) einen Roboter entwickelt, um im Februar das Material näher zu untersuchen, das sich auf dem Boden von Reaktor 2 befindet. Der 30 cm lange und 19 cm breite Roboter wird in einer Röhre auf den Boden des Sicherheitsbehälters geführt.

Bild: Toshiba

Ausgestattet mit einer Kamera, LED-Lampen, einem Thermometer, einem Dosimeter und einem Schwenkkopf an dem sich Greifarme befinden, soll damit versucht werden, durch Betasten und Druck die Beschaffenheit des am Boden befindlichen Materials festzustellen. Zudem soll festgestellt werden, ob sich Klumpen loslösen, abbrechen und heben lassen. Mit dem ferngesteuerten Gerät lässt sich ein Gewicht bis 2 kg heben. Erst mit diesen Informationen könne man ein Verfahren für die Bergung planen (Florian Rötzer)

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