GPS-Chips zur Markierung von Menschen

Die dänische Firma "Empire North" hat ein Gewehr entwickelt, mit dem aus sicherer Entfernung verdächtigen Personen ein GPS-Chip injiziert werden kann, um eine bessere Überwachung zu ermöglichen

Der Traum der Überwachungsgesellschaft ist, jeden jederzeit und an allen Orten im Blick halten zu können. Die Welt also als panoptisches Gefängnis. Die Wärter aber wollen wohl eher außerhalb, im Dunklen stehen, weswegen technische Mittel zur Abwehr der Überwachung auch gleichzeitig weiter entwickelt werden. Fortschritte zum panoptischen Weltgefängnis hat es schon einige gegeben. Reisebewegungen sind gut erfassbar, auch viele andere Tätigkeiten, bei denen Geld eine Rolle spielt, sofern es nicht bar gezahlt wird, sind im Prinzip nachzuvollziehen. Und mit dem Handy oder mobile computing tragen die Besitzer bereits einen Bewegungs- und Lokalisierungsmelder mehr oder weniger freiwillig mit sich herum.

Wer unerkannt bleiben will, verzichtet auf allen modernen Schnickschnack und zahlt in bar oder fälscht alles, was seine Identität offenbaren könnte. Aber man könnte als Jäger seinem Opfer auch einen Sender anheften, um es weiter verfolgen zu können. Implantierbare Chips (Die Digitalen Engel kommen) werden noch nicht gerne von den Menschen angenommen und bislang zum Bedauern der interessierten Firmen nur Tieren eingefügt (Der ID-Chip muss endlich unter die Haut). Das aber könnte sich bald ändern, wenn Sicherheitskräfte oder Verbrecher zu dem von der dänischen Firma Empire North entwickelten Gewehr greifen, um Menschen mit GPS-Chips aus der Ferne zu markieren.

EMPIRE NORTH is always at the cutting edge of technology, at the research of new products in the important area of Non-Lethal-Weaponry. This young, ambitious Danish company is currently developing brand new kinds of identification tools and anti-riot-equipment, tailored for the modern urban battlefield, combining outstanding Danish design and know-how.

Empire North ist eine junge Firma, die sich am lukrativen Markt der nach dem 11.9. florierenden Sicherheitstechnologien auszurichten versucht. Ähnlich wie während der Hochphase der New Economy manch krause Ideen im Überschwang entstanden sind, scheint dies jetzt im Umfeld der Sicherheit der Fall zu sein, wie Empire North zeigt.

Neben dem Gewehr wird derzeit nur noch ein weiteres Produkt angepriesen: "JUJU the citizen eye". Das soll wohl eine Art "Geektoy" sein, denn man spricht von "funky security for junior citizens". Vorbild sind die meist gescheiterten Initiativen hauptsächlich von Justizminister Ashcroft, möglichst viele Bürger in die gegenseitige Überwachung einzubeziehen. Auf dem wohl als eine Art Handy gedachten Geektoy sollen die jugendlichen Heimatschützer sofort vom Heimatschutzministerium informiert werden, wenn die Sicherheitsstufe sich verändert. So aufmerksam gemacht, können die eifrigen Kleinen alle Verdächtige, inklusive Fotografien, direkt dem Heimatschutzministerium melden, das die Informationen dann prüft.

Noch schicker ist freilich das Gewehr, mit dem sich GPS-Chips aus der Entfernung unter die Haut von Verdächtigen oder Flüchtenden einschießen lassen, um diesen dann stets auf den Fersen zu bleiben. Das ist eine Art Horrorvorstellung, die jetzt schon von manchen Paranoikern ausgebrütet wird, die der Meinung sind, dass ihnen heimlich Chips eingepflanzt wurden und sie so nicht nur permanent überwacht, sondern auch ihre Gedanken angezapft und beeinflusst werden können. Ist die andere Seite der Aufmerksamkeitsgesellschaft die Überwachungsgesellschaft, so spiegelt sich der Aufmerksamkeitssüchtige, alles für die Prominenz Gebende im Paranoiker, der sich schutzlos den Jägern ausgesetzt fühlt.

Dieses Bild wurde zusammen mit einem Testschuss mit dem ID-Sniper-Prototyp auf einen verdächtigen Terroristen in Beirut gemacht

Das ID-Sniper-Gewehr soll einen kleinen GPS-Mikrochip aus großer Entfernung unter die Haut schießen, ohne den Menschen zu verletzen, wobei nur ein kurzer, geringfügiger Schmerz "wie bei einem Mückenstich" auftritt. Mit dem Abschuss nimmt gleichzeitig ein digitaler Camcorder mit einem großen Zoom das Opfer auf, um so ein hochaufgelöstes Bild von ihm zur Verfügung zu haben, das auf einer Memory Card gespeichert wird. Gedacht sein soll das ID-Sniper-Gewehr für das urbane Schlachtfeld, auf dem es manchmal schwierig sein könne, den Gegner zu treffen, ohne Kollateralschäden anzurichten. Also könne man den Gegner aus der sicheren Entfernung markieren und ihn dann auch noch nach Wochen über Satellitenortung verfolgen.

All das klingt schon wenig abstrus, auch wenn man sich derartiges wirklich vorstellen könnte. Die Firme mit dem schönen Namen Empire North ist denn auch nur ein Werk des dänischen Künstlers Jakob Boeskov. Er wollte die schrecklichste Waffe machen, die man sich vorstellen kann, und sie in einem realen Umfeld testen. Seinen ersten großen Auftritt inszenierte er so als CEO von Empire North auf der Polizeimesse 2002 in Peking, wo er mit dem ID-Sniper einen Stand gemeitet hatte. Angeblich kam seine Innovation dort gut an und ein chinesisches Unternehmen hat offenbar auch ein gutes Angebot gemacht.

Gegenwärtig zeigt er seine "Doomsday Weapon" in New York. Boeskov versteht sich als politischer Künstler, seine Kunstrichtung als "Fiktionismus" im Unterschied zum Realismus. Sein Konzept:

Verwandle deine schlimmsten Ängste über die Zukunft in ein Produkt. Zeige dieses Produkt in der Wirklichkeit der Gegenwart. Berichte die Reaktionen.

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