Gab es vor 10.000 Jahren einen verheerenden Kometeneinschlag auf der Erde?

Komet Hartley 2. Bild: Nasa

Wissenschaftler wollen dafür Hinweise gefunden haben, was auch die Jüngere Dryaszeit, eine tausendjährige Rückkehr der Eiszeit auf der nördlichen Halbkugel, erklären könnte

Wir haben das Gefühl, dass uns wenig Gefahr aus dem Weltraum droht. Der letzte große Meteorit soll vor 65 Millionen im Golf von Mexiko eingeschlagen sein und ein Massenaussterben bewirkt haben. So sollen in der Folge die Dinosaurier von der Erde verschwunden und die Zeit der Säugetiere angebrochen sein. 1908 soll ein Asteroid in Sibirien (Tunguska-Ereignis) eingeschlagen sein, durch den Millionen von Bäumen umgeknickt worden seien. Zwar ist immer wieder mal die Rede, dass größere Asteroiden oder Kometen die Erde "knapp", also um Zehntausende von Kilometern, verfehlen, was man aber nur flüchtig zur Kenntnis nimmt. Natürlich werden seit einiger Zeit mögliche Gefährder systematisch beobachtet und verfolgt. Aber da es bislang keine wirkliche Möglichkeit gibt, eine Bedrohung durch einen heranrasenden größeren Himmelskörper abzuwehren, zieht man vermutlich das Verdrängen vor.

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Amerikanische Wissenschaftler wollen nun aber Hinweise gefunden haben, dass schon am Ende der Eiszeit, vor nur etwa 12.800 Jahren, Teile eines großen Kometen auf die Erde gestürzt sein könnten. Gerade waren die Menschen der Eiszeit entkommen, die Gletscher hatten sich zurückgezogen, auch in nördlichen Gefilden konnte man nun besser leben, als sich plötzlich womöglich gewaltige Explosionen ereigneten, auf der Erde riesige Brände ausbreiteten und Staub- und Rauchwolken den Himmel verfinsterten. Die Eiszeit, die Jüngere Dryaszeit, kehrte zumindest für die nördliche Halbkugel für weitere tausend Jahre wieder, die Gletscher und Permafrost rückten vor, die Vegetation veränderte sich, Tiere wanderten in wärmere Gefilde, die Menschen mussten wahrscheinlich nachziehen, um zu überleben, wahrscheinlich nahm die Bevölkerung drastisch ab. War es das Ereignis, das die Sintflut-Erzählungen oder die von Atlantis verinnern?

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Teile eines Kometen mit einem Durchmesser von 100 km die Ursache für die Zwischenepisode gewesen sein könnten. Das könnte dazu geführt haben, dass es hohe Platin-Niederschläge gegeben hat, die an einigen Orten in der nördlichen Halbkugel nachgewiesen wurden. Dazu konnten in Eisbohrkernen aus Grönland und Russland ein Anstieg verschiedener Aerosole nachgewiesen werden, was die Hypothese großer Biomasse-Brände verstärkt. Sie könnten sich auf 10 Millionen Quadratkilometer oder 9 Prozent der irdischen Biomasse ausgebreitet haben, schreiben die Wissenschaftler im Journal of Geology. Insgesamt wurden Messungen an 170 Orten auf der Welt gemacht. So wurde auch vermehrt Ruß in Seen und Meeren gemessen. Für die Wissenschaftler alles Hinweise für einen durch Einschläge verursachten Winter.

Astronomieprofessor Adrian Melott, einer der Autoren, erklärt, ihre Hypothese sei es, dass ein großer Komet zerbrochen sei und Teile auf der Erde eingeschlagen seien: "Eine Reihe von chemischen Signaturen - Kohlendioxis, Nitrat, Ammoniak und anderes - scheinen darauf hinzuweisen, dass erstaunliche 10 Prozent der Erdoberfläche oder 10 Millionen Quadratkilometer durch Feuer verbrannt sind." Eine Analyse von Pollen habe etwa ergeben, dass Kieferwälder durch Pappeln ersetzt wurden, die die freien Flächen kolonisierten. Nach Berechnungen müsste auch das Ozonschild beeinträchtigt worden sein, was die Häufigkeit für Hautkrebs und anderen Erkrankungen verstärkt hat.

Der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren auf die Erde eingeschlagen ist, wodurch 75 Prozent der Tier- und Pflanzenarten durch die Klimaveränderung vernichtet worden sein sollen, hat vermutlich noch mehr bewirkt. Wissenschaftler berichten in Science Advances, dass der Einschlag vermutlich auch die tektonischen Platten durch Erdbeben erschüttert hat. Das habe sich global in seismischen Wellen durch die Meere gezogen und dazu geführt, dass viele Unterwasservulkane Magma ausgegeben und damit den "Winter" verstärkt haben. Die Studie weist darauf hin, dass lokale Ereignisse weltweite Folgen haben können. (Florian Rötzer)

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