Ganz großes Kino

Kino Babylon. Foto: Jörg Zägel / CC BY-SA 3.0

Das Rahmenprogramm zur Verleihung des Karls-Preises an Ken Jebsen im "Babylon"-Kino war das bizarrste linke Event seit langem.

Was für eine Inszenierung! Wochenlang hielt die Veranstaltung vom vergangenen Donnerstag (nicht nur) die Partei Die Linke in Atem. Dort sollte dem Journalisten Ken Jebsen, Betreiber des Info-Kanals Ken FM, der "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" verliehen werden. Berlins Kultur-Senator Klaus Lederer (Die Linke) hatte durch die Blume zu verstehen gegeben, dass die öffentliche Förderung des "Babylons" überdacht werden müsse, wenn Betreiber Timothy Grossman diese Veranstaltung in seinem Hause zulasse.

Grossman trat daraufhin von dem Nutzungsvertrag mit der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ), die den Preis vergibt, zurück. Die NRhZ erstritt die Durchführung vor Gericht, nach den Linken griffen auch die bürgerlichen Medien das Thema auf, zwei Gegen-Demonstrationen wurden angekündigt, derweil tauchten auf der Liste der Beteiligten immer mehr Namen obskurer Personen auf.

Die Linke diskutierte die Veranstaltung im Bundesvorstand und sprach sich mehrheitlich gegen eine Teilnahme aus. Davon wollten sich einige dennoch nicht abhalten lassen.

Derweil hatte der Jubilar keine Lust mehr auf den Event - und organisierte seinerseits eine Demo zum Thema "Pressefreiheit", direkt "vor der Location". Der er dann aber auch fernblieb. Dafür kamen die Veranstalterinnen und u.a. Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke, der mit den Medien hart ins Gericht ging, weil diese sich kritisch zu der Veranstaltung im "Babylon" geäußert hatten. So viel zum Thema "Pressefreiheit".

Die geplante Preisverleihung fand dann ohne den Preisträger statt, dafür nutzte der - ungeladene - Kino-Betreiber die Bühne, um diesen und einen weiteren Teilnehmer, den Künstler Gilad Atzmon, als "Rassisten" zu bezeichnen. Gilad Atzmonist ist bekannt für seine krude Thesen in Bezug auf das Judentum, dem er in Bezug auf den Holocaust vorwirft, Geschichtsfälschung zu betreiben. Grossman hatte ihm Hausverbot erteilt, Atzmon konnte dennoch unbehelligt konzertieren.

Der Preisträger erklärte sich bei RT deutsch. Auf demselben Kanal sprach Fikentscher von Drohungen gegen Jebsen. Es hieß, vor dem Kino seien Flyer mit dessen Wohnort, Telefonnummer, etc. verteilt worden. Das wäre - wenn es denn stimmt - eine neue Qualität in dieser Auseinandersetzung.

Die Veranstalterinnen

Der Karls-Preis wird alle zwei Jahre vom Internet-Blog Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) vergeben. Dieses wiederum wird betrieben von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, deren Begeisterung für den früheren iranischen Präsidenten Mahmut Ahmadinedschad so weit ging, dass sie ihn in Teheran besuchten.

Der Besuch fand statt im Frühjahr 2012. Gute 6 Jahre zuvor (am 11. und 12. Dezember 2006) hatte Ahmadinedschad eine höchst umstrittene Zusammenkunft mit dem offiziellen Namen "Review of the Holocaust: Global Vision" (Rückblick auf den Holocaust: Globale Vision) ausgerichtet, die als "Holocaust-Leugner-Konferenz" in die Geschichte einging, weil sich solche dort ein Stelldichein gaben. Die Konferenz gilt als antisemitische Propaganda-Veranstaltung.

Schon vorher hatte der iranische Präsident Ahmadinedschad von sich reden gemacht, weil er "Israel vernichten" wolle, wie er in deutschen Medien zitiert wurde. Das sei so nicht richtig, sprangen schon damals Fikentscher und Neumann für ihn in die Bresche, die Übersetzung sei falsch. Da waren zwar die beiden im großen und ganzen die Einzigen, die die wahre Übersetzung kannten; es gelang ihnen trotzdem auf die Linke, insbesondere die Friedensbewegung, einzuwirken, damit diese sich hinter das zivile Atomprogramm mit dem Iran stellt.

Was auch prompt passierte - trotz des Wissens um die Erdbebengefahr in vielen Gebieten des Irans und trotz mehr als 30 Jahre Anti-AKW-Bewegung. Die Reise im Mai 2012 wurde von Yavuz Özoğuz, dem Betreiber des Internetportals Muslim Markt organsiert, von dem später noch die Rede sein wird.

Fikentscher war anschließend ganz aus dem Häuschen: "Gibt es ein Land, in dem auch die Tätigkeit der Frau in der Familie als vollwertige Arbeit honoriert wird? Gibt es ein Land, in dem die höchstgestellten Politiker Atomwaffen verurteilen? Das Land heißt Islamische Republik Iran."

Mitwirkende

Während sich für die Brüder Özoğuz, die Betreiber des Muslim Markt, im Vorfeld niemand so recht interessierte, sorgte die Teilnahme der Band "Die Bandbreite" für heftige Kritik. Diese waren in der Vergangenheit u.a. durch ein gemeinsames Foto von Band-Sänger Marcel Wojnarowitz, genannt Wojna, was übersetzt "Krieg" heißt, mit dem Neonazi Thomas "Steiner" Wullf, ins Gerede gekommen.

Wulff ist seit den 1970er Jahren einer der führenden Kader der bundesdeutschen Neonazi-Szene: Gemeinsam mit Christian Worch, beide bis heute in der Szene aktiv, gehörte er zu dem Kreis um den 1999 verstorbenen Michael Kühnen. Im Herbst 1974 gründeten sie im Hamburger "Haus des Sports" eine Unterorganisation der von US-Neonazi Gary Lauck gegründeten NSDAP-Aufbauorganisation (NSDAP/AO) namens "SA-Sturm Hamburg".

Aus dieser Unterorganisation entstand wiederum am 26. November 1977 die Organisation "Aktionsfront Nationaler Sozialisten" (ANS). Diese verschaffte sich mit einer medienwirksamen Aktion im Mai 1978 bundesweite Publizität: Mehrere ANS-Mitglieder, darunter neben Kühnen auch Worch und Wulff, liefen mit Eselsmasken und Pappschildern mit der Aufschrift "Ich Esel glaube noch, dass in Auschwitz Juden vergast wurden" durch den Hamburger Stadtteil Bergedorf.

Wulffs jüngerer Bruder René war Heiligabend 1985 am Mord an dem türkisch-stämmigen Migranten Ramazan Avcı beteiligt. Dafür wurde er als einer der Hauptangeklagten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nachdem das Foto des Rappers mit dem Neonazi in sozialen Netzwerken im Internet viral gegangen war, gab Wojnarowitz an, ihm sei nicht klar gewesen, mit wem er da kommuniziere.

Während des Bundestagswahlkampfs stand "Die Bandbreite" der von Christoph Hörstel gegründeten Partei "Deutsche Mitte" (DM) musikalisch zur Seite, die laut der Bundeszentrale für politische Bildung "ethische Politik im Sinne der Bewahrung der Schöpfung" betreiben wollte. Dabei sind die geschätzt 3.300 Mitglieder weitestgehend unter sich geblieben und Hörstel soll die Partei bereits verlassen haben. "Die Bandbreite" hatte der DM einen Song gewidmet.

Im Blog Islampres.de empfahl Salim Spohr die DM als eine Partei, die "in wesentlichen Punkten auch mit den Wertvorstellungen der Muslime in überraschender Weise" übereinstimme: "Das Mittel, die fatale Entwicklung der Ausraubung der Menschen zu stoppen und umzukehren, sehen Christoph Hörstel und die Deutsche Mitte darin, dass man das System des Zins-und-Zinseszinses und die Eigenwerterschaffung durch die Banken beendet."

Hörstel wird der "Truther"-Szene zugerechnet, Suchende nach der Wahrheit, u.a. von Ereignissen wie dem Attentat auf das World-Trade-Center am 11. September 2001, die gern ihre ganz eigene Wahrheit als allgemeingültige verkaufen.

Als dann auf der Ankündigung der Name Atzmon auftauchte, war der Eklat perfekt. Er fällt auf mit Aussagen wie: "Ich denke, dass Israel weit schlimmer ist als Nazi-Deutschland." Oder aber auch: Die uns bekannte Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust sei eine "komplette, von Amerikanern und Zionisten initiierte Fälschung".

Atzmons Teilnahme dürfte für Jebsen kein Problem gewesen sein, denn schließlich hatte er ihn im September in seiner Sendung zu Gast. "Neben dem künstlerischen Ausdruck besticht der 1963 in Israel geborene und heute in London lebende Künstler durch seine politische Haltung. Gilad Atzmon ist ein Anti-Imperialist. Die Freiheit des Menschen geht ihm über alles und so setzt er sich seit Jahren für das Ende der Unterdrückung der Palästinenser ein", schwärmt Ken FM auf YouTube über den Gast.

Der Jubilar war verschnupft

Schlussendlich fand die Show ohne die Anwesenheit des Jubilars statt. Allerdings nicht, weil Jebsen die vielfach geäußerten Bedenken an den teilnehmenden Künstlern teilte, sondern weil er verschnupft war, nachdem ihm aufging, dass nicht er, sondern die Veranstalterinnen, die NRhZ und die Arbeiterfotografie Köln, namentlich Annelise Fikentscher und Andreas Neumann, die erste Geige spielten.

Das erläuterte er in einem Video, das RT deutsch, der deutschen Ableger des staatlichen russischen Auslandsfernsehens RT, ausstrahlte. Dabei offenbart Jebsen ein seltsam distanziert-mechanisches Verständnis von Journalismus, distanzierte sich von allem und jedem, erklärte viel, allerdings nicht, dass er den Preis nicht annähme, sondern dass er der Veranstaltung fernbleiben werde:

Preise werden ja nicht vergeben, weil jemand gute Arbeit leistet. Das auch. Aber sie werden symbolisch vergeben. D.h., es ist wichtiger, glaube ich, derjenige, der den Preis vergibt, als der, der den Preis bekommt. (…) … Ich selber habe, ich bin seit 25 Jahren in diesem Geschäft, viele Preise auch immer bekommen, auch kollektiv, mit anderen zusammen. Den CIVIS-Preis z. B. bei der Deutschen Welle, oder auch den baden-württembergischen Hörfunkpreis. Die man sich dann ins Regal stellt. (…)

Diese Gruppe, denen gefällt deine Arbeit. Es gibt auch Gruppen, denen gefällt deine Arbeit nicht. Deswegen kriegst du von denen auch keinen Preis. Also von daher muss man immer sehen, von wem kommt das Geschenk. Und es gibt Leute, die die Gruppe, die schenkt, nicht mag. Es gibt keine neutralen Preise, möchte ich damit sagen. (…)

Ich hab mich erstmal natürlich gefreut, dass ich den Karlspreis bekommen soll, weil ich habe selber mal bei einer Karlspreis-Verleihung an Evelyn Hecht-Galinski die Laudatio gehalten. Ich kenne auch die anderen Vorgänger, die Preise bekommen haben. Deswegen habe ich mich geehrt gefühlt.

Da ist ja auch ein PEN-Club-Mitglied dabei. Da dachte ich: "Wow, die wollen mir 'nen Preis geben. Toll." Nicht, steht mir zu, sondern ich bin gar nicht auf Preise scharf. Weil die auch, das kann auch ein Klammergriff sein.

Ich hab mich natürlich erstmal gefreut. Dann ging es aber gleich am Anfang darum, dass ja auch auf so'ner Verleihung und auf so einem Event, den ich ja gar nicht mache, ich bin ja nicht der Veranstalter, ich bin der Gast, dass da verschiedene Menschen auftreten werden. Und es gab dann von Anfang an Probleme mit Gästen, die weniger journalistisch arbeiten, sondern eher musikalisch, also Künstler. So. es ging also mit der Bandbreite los. Jetzt war das Problem Gilad Atzmon.

Zwischendurch fragte man sich auch, ob unbedingt Diether Dehm, der auch Musiker ist, in irgendeiner Weise involviert sein sollte. Also, es ging dauernd um Künstler.

Und es ging immer weniger um das, worum es doch im Kern eigentlich geht: Der Preis gilt doch für eine journalistische Leistung. An mich. Stellvertretend für Ken FM, muss ich sagen. Also, ich hab gesagt: "Ok, ich nehm den Preis entgegen, wenn ich ihn stellvertretend für Ken FM nehme." Das hätte ich auch bei der Laudatio gesagt. Weil Ken FM ist eine Team-Leistung. Genau wie rt deutsch, das ist jetzt nicht Mascha alleine, sondern da sind 'ne Menge Leute dabei.

Und insofern würde ich das als Dankeschön an das Team, an die Community, an alle, die uns crowdfunden. Nach dem Motto, es wird von irgendwo gesehen und anerkannt, was wir hier seit 6 Jahren leisten.

Aber dann hat man eben versucht, über diese Künstler, die Dinge tun, mit denen ich wenig zu tun habe, ein schmutziges Licht auf den Preis und auf den Preisträger zu werfen. Nach dem Motto: "Wenn die da auf der Bühne spielen und das vorher gemacht und das vorher gesagt haben, dann meint der Preisträger wahrscheinlich dasselbe."

Das ist jetzt Kontaktschuld, ja. Vollkommen absurd. Das ist, wie wenn man einen überführten Massenmörder in einer Zeitung interviewt, dann würde man die Zeitung bezichtigen, die das Interview geführt haben, dass sie mit dem praktisch gemeinsam im Geiste dieselben Werte teilen. Niemand würde auf die Idee kommen. Aber das ist die heutige Methode, Leute aus dem Journalismus, die unabhängig sind, und darum geht es ja eigentlich, die loszuwerden, indem man irgendeinen Hebel sucht, "der hat mit dem geredet, dann ist er dessen Meinung". Und das ist ja vollkommen absurd. Man muss sich vorstellen, wir haben hier bei Ken FM in der Zeit, in der wir hier arbeiten, Tausende Interviews geführt. Ich selber habe 30-40.000 Interviews geführt.

Da war der eine oder andere auch "Schwerenöter" dabei. Das ist mein Job, mit diesen Leute zu reden. Mein Job ist nicht nur, mit Leute zu reden, die ich mag. Darum geht es gar nicht im Journalismus. Sondern mit Leuten, die relevant sind. Es geht nicht um meine Meinung bei einem Interview, sondern um die Meinung des Interviewten. Und wenn dann denen da draußen der Interviewte und dessen Meinung nicht passt, dann ist der, der interviewte, also, der die Botschaft überbringt, dann ist der der böse Bube. Vollkommener Humbug.

Das ist das, was hier im Moment abgeht. Und das wurde mir jetzt dann so zu viel, ich habe versucht zu schlichten, indem ich gesagt habe: "Wisst Ihr was? Lasst uns doch einfach mal die, auf die sich alle nicht einigen können, lasst die doch einfach als Gäste im Saal sein, die Artists."

Darauf konnten sich keine Lager einigen, weil es ging in den Lagern nur um Recht haben in seinem Lager, dass ich irgendwann gesagt habe: "Ach, dann braucht Ihr mich eigentlich zur Preisverleihung nicht, oder? Darum geht es ja schon lange nicht mehr. Es geht ja nur darum, wer das und dies und das. Macht das mal alleine." Und da hab ich mich entschlossen, ich mach vorher 'ne Demo.

Weil, das Ganze sollte ja verboten werden. Und zwar eine Demo für die Pressefreiheit an der Location selber. Also, hier Rosa-Luxemburg-Platz, vor der "Volksbühne" und der Linken und dem "Babylon". Und da lade ich 'ne Menge Leute ein, die sich zur Pressefreiheit äußern. Weil, ich hab Probleme, wenn man Pressefreiheit zensiert. Das hat Lederer getan. Er hat seine Funktion als jemand, der das Budget über das "Babylon" hat, missbraucht. Er ist ja keine Einzelperson. Darüber werden dort Leute sprechen. Und das funktioniert. Dafür bin ich verantwortlich, was dort auf der Bühne passiert.

Ich selber hätte dort auf der Bühne auch stattfinden können, finde dort auch nicht statt. Hab aber 'ne Rede vorher aufgezeichnet, weil ich diesen ganzen Personenkult nicht mag. Dann gab es ja auch zwei angekündigte Gegen-Demonstrationen, wo man nicht einmal davon ausgehen kann, dass die ungewalttätig ablaufen. Das ist mir alles zu viel.

Weil, ich hab mir gesagt, also, eigentlich ging es doch darum, was Ken FM leistet, und inzwischen müssen wir uns überlegen, ob wir genug Security an Bord haben. Und das alles in Deutschland 2017. In Mitte. In diesem Land. Das zeigt, was für ein vergiftetes Klima das ist. Und deswegen ist das wichtig, dass wir das machen.

Aber ich habe nur mit der Bühne vor dem Babylon zu tun. Was danach kommt, ich bin nicht der Veranstalter, ich nehme nicht mehr teil. Was ich schade finde, weil es haben sich viele Leute Mühe gegeben. Aber es ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Und da muss man auch mal sagen, zieht man die Reißleine.

Frage Moderatorin: Wofür steht dieser spezielle Karls-Preis für Sie?

Antwort Ken Jebsen:

Dieser Kölner Karls-Preis wurde mir ja vor die Nase gehalten, und zwar ich sollte ich ihn bekommen, für engagierten Journalismus. Ken FM als Tool, als ein Werkzeug der Demokratie. Ja, und so verstehe ich das ja auch. Wenn jemand das bepreisen möchte, finde ich das gut.

Wir hätten letztendlich längst für diese Formate, die wir gemacht haben, auch längst schon einen Grimme-Preis bekommen können. Allein für "Ken FM im Gespräch" oder "Positionen". Dass wir von denen keine Preise bekommen, habe ich grad erklärt, ist ja klar. Dann müssten die ja anerkennen, was wir machen. Das hat der eine oder andere auch Seriöse auch getan. Der Medienwissenschaftler. Wir machen Programm, das ist von dem, was das Öffentlich-Rechtliche macht, was die Qualität angeht, gar nicht zu unterscheiden.

Nur bei uns treten andere Leute auf, die mal andere Meinungen vertreten, als immer nur bei "Anne Will" und den üblichen Verdächtigen. So. Und das passt halt den Mächtigen nicht, dass bei uns eben auch die anderen Stimmen zu Wort kommen. Und es ist dasselbe wie bei rt, wenn du dahin gegangen bist, dann meinst du alles, was dort gelaufen ist. Nein, die interviewen dich. Aus.

Und wenn man sich diesem Quatsch nicht beugt, nach dem Motto: "wenn du mit dem sprichst, dann gehörst du zu denen", wenn man sich dem Quatsch nicht beugt, dann wird man in den Staub getreten. Das versuchen sie bei Ken FM ja schon seit mehreren Jahren. Weil wir ein unabhängiges Medium sind.

Wir sind nicht das alternative Medium. Wir machen Presse. Die anderen machen das alternative Medium. Wir sind vollkommen unabhängig von Anzeigen-Abteilungen, weil es die bei uns gar nicht gibt. Wir sind nicht erpressbar ökonomisch über die Anzeigen-Abteilungen einiger weniger großer Player, die uns erklären, was wir bringen dürfen und was nicht. Sondern bei uns gibt es Mikro-Spenden. Und deswegen sind wir unabhängig. Und Unabhängigkeit in dieser Parteien-Schein-parlamentarischen-Demokratie, wo es mehr Hausausweise für Lobbyisten gibt als.

Diese freien Journalisten sind ein Störfaktor. Das sind wir: Ein Störfaktor. Und da sind wir inzwischen so relevant, dass man richtig auf uns einschlägt. Das ist eigentlich das Gute an der ganzen Geschichte: Dass wir sehen, wenn man so massiv, über so viele Wochen, über so viele Organe, sowohl Zeit als auch junge Welt als auch Neues Deutschland, als …, als … geschlossen, dann machen wir was richtig. Richtig richtig. Weil, es gibt keine Seite in den klassischen Medien, die uns gut findet. Weder die Konservativen, noch die Liberalen, noch die Linken. Wir machen alles richtig.

Ken Jebsen, Interview rt

Auch Jebsen fiel in der Vergangenheit immer wieder durch antisemitische Sprüche auf.

Darüber wurde im Netz viel und häufig diskutiert. Im allgemeinen weist Jebsen Kritik mit dem Argument zurück, er sei völlig falsch verstanden worden, habe das alles nicht so gemeint, es sei aus dem Zusammenhang gerissen, etc.

Die Brüder Özoğuz

Yavuz und Gürhan Özoğuz, die Brüder der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), sind seit vielen Jahren als Aktivisten einer politisch dem Iran nahestehenden islamischen Szene bekannt.

In dem von ihnen betriebenen Internetportal Muslim-Markt.de finden sich Vertreter verschiedener islamischer Strömungen, der Linken, der Friedensbewegung und auch Jüdinnen und Juden mit eigenen Beiträgen oder als InterviewpartnerInnen.

Dazu gehören u.a. die schon erwähnten Evelyn Hecht-Galinski und Andreas Neumann. Die Brüder organisierten den Al-Quds-Tag, als der noch in Bonn stattfand, inzwischen werben sie dafür und lassen - sofern es ihnen nicht untersagt wird - in norddeutschen Innenstädten über das Existenzrecht Israels abstimmen.

Der Älteste der Geschwister, Yavuz Özoğuz, wurde 1959 in Istanbul geboren und kam mit seinen Eltern Anfang der 1960er Jahre nach Hamburg. Dort wurde 1963 sein Bruder Ibrahim Gürhan und 1967 seine Schwester Aydan geboren. Die Brüder, Verfahrensingenieur der ältere, Verfahrenstechniker, der jüngere, hatten zunächst mit Glauben nichts am Hut. Das erläuterte Yavuz in einem Interview mit der taz. Demnach waren sie eher links eingestellt, der Imperialismus machte ihnen zu schaffen.

An sich erstaunlich, dass die beiden eine Wandlung zu nicht nur tief gläubigen, sondern sehr aktiven Schiiten durchlebten. Aber, so sagt er in der taz, 1979 hatte Yavuz sozusagen die Erleuchtung und wusste sofort, dass die "Revolution" im Iran die Lösung aller Menschheitsprobleme bringen werde.

Die Brüder sind geschäftlich ziemlich umtriebig. Neben technischen Gewerken handeln sie auch mit Zertifikaten für die "Halāl-Schlachtung", betreiben das Internetportal Muslim-Markt.de, bieten u.a. Formulare an für Eltern, die ihre Töchter vom Schwimmunterricht befreien lassen wollen (Einf.: Der Autorin ist ein bedauernswerter Fehler unterlaufen, statt - wie im ursprünglichen Text - "Schul-Unterricht" muss es "Schwimm-Unterricht" heißen. Sie entschuldigt sich dafür bei den Gebrüdern Özoğuz. Es liegt ihr fern, diese als bildungsfeindlich zu diffamieren), betätigen sich als Buch-Autoren und managen die Internetauftritte des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH). Das besagt zumindest ein Gutachten, das im Zusammenhang mit dem Verbotsverfahren des Muslim-Markts für das Bundesinnenministerium angefertigt wurde.

In dem Gutachten wird erwähnt, dass "Yavuz Özoğuz nach Angabe der Islamwissenschaftler Amin Azimi/Matthias Brückner fast sämtliche Websites des IZH sowie der an dieses angeschlossenen Institutionen: IZH, Al-Fadschr, Bescharat, Salam Kinder! und Islamische Akademie Deutschland und die Seite der IRAB betreibt". Darin steht zudem, dass die beiden Brüder den Al-Quds-Tag organisierten, als dieser noch in Bonn stattfand.

Inzwischen ist der bekanntermaßen in die neue Hauptstadt umgezogen, so dass die beiden nur noch auf ihrer Webseite Werbung dafür machen. Vom IZH aus sollen zum letzten Al-Quds-Tag etwa 200 Personen mit Bussen gefahren sein. Yavuz Özoğuz soll durch Rufen von Parolen aufgefallen sein.

Propagandisten der Führung in Teheran

Das IZH, das dem geistlichen Oberhaupt des Irans unmittelbar unterstellt ist, vertritt somit die Linie des Mullah-Regimes in Teheran. "Das Islamische Zentrum Hamburg (ist, Einf. d.A.) europaweit etabliert und agiert über lokale Grenzen hinaus", ist auf der Webseite des IZH zu lesen.

Die Rede ist also von der ständigen Vertretung der iranischen Mullahs an der Alster, die von dort aus - laut Udo Wolter mit Hilfe der Gebrüder Özoğuz - europaweit agieren. Die beiden sind demzufolge Propagandisten der Regierung in Teheran, einem der repressivsten Regimes der Welt.

Aber auch die Gebrüder Özoğuz lieben die Öffentlichkeit, z. B. in norddeutschen Innenstädten, wo sie als Gruppe namens "Die Feder" öffentlich über das Existenzrecht Israels abstimmen lassen. Kürzlich wurde ihnen das in Bremen allerdings verboten. Ob die umtriebigen Brüder an der Holocaust-Konferenz 2006 in Teheran teilnahmen, ist nicht bekannt. Bekannt aber ist, dass sie im Anschluss Lea Rosenzweig, Ehefrau des ehemaligen Wiener Oberrabiners Moishe Arye Friedman, für den Muslim-Markt interviewten.

Dieser hatte als Vertreter der jüdisch-orthodoxen Sekte "Neturei Karta" an der Holocaust-Konferenz in Teheran teilgenommen. Die "Neturei Karta" sind Israel gegenüber feindlich eingestellt, weil ihrer Ansicht nach nur der Messias die Jüdinnen und Juden ins gelobte Land führen kann. Und solange dieser nicht erscheint, haben sie nicht das Recht, sich dort niederzulassen.

Die Kinder der Familie wurden, nachdem ihr Vater an der Konferenz teilnahm, von der Talmud-Thora-Schule Machsike-Hadass in Wien verwiesen. Darüber sprach Frau Rosenzweig im Muslim-Markt. Das ist ganz so zufällig nicht, denn die "Neturei Karta" sind treue Teilnehmer des Al-Quds-Tags. Friedman wurde daraufhin aus der jüdischen Gemeinde Wiens ausgeschlossen.

Im Archiv des Muslim-Markts ist auch ein Interview mit dem islamischen Geistlichen Hudschat-ul-Islam wal Muslimin Sabahattin Türkyilmaz zu finden. Derselbe Scheich, der im Muslim-Markt so wunderbar unliebsame Themen wie Zwangsehen und Ehrenmorde negiert, wurde, nachdem die sogenannte "Ehe für alle" beschlossen wurde, deutlicher.

Der verehrte Scheich

Im Internet-Blog Offenkundiges.de ist ein Interview aktuelleren Datums mit ihm zu lesen. Auf die Frage: "Wie beurteilt der Islam praktizierte Homosexualität?" antwortet er:

Religiöse Vorschriften und Urteile stehen im Einklang mit der gottgegebenen Natur des Menschen, der Fitra. Kein religiöses Gesetz steht im Widerspruch zu der Natur des Menschen. Daher sind die islamischen Vorschriften universell für alle Menschen gültig und sind allen Menschen eine Rechtleitung. Die Urteile der Religion über die Homosexualität beschränken sich nicht darauf, religiöse Menschen anzuleiten, sondern dienen der gesamten Menschheit.

Homosexualität ist keine Erbkrankheit und auch keine erworbene physische Krankheit. Homosexualität ist dem Islam zufolge eine moralische Perversion, die im Widerspruch zu der Natur des Menschen steht. Homosexualität führt dazu, dass der Mensch die menschlichen Werte verliert, sich von moralischen Werten entfernt und dass ihm die Wege zu den göttlichen Werten verschlossen bleiben.

Der Ursprung der Homosexualität liegt aus religiöser Sicht in satanischen Bestrebungen, die Natur des Menschen zu verändern, den reinen Geist des Menschen zu töten und somit zu verhindern, dass der Mensch zum Stellvertreter Gottes, chalifatullah, wird. …

Die religiösen Gebote und irdischen Strafen für Homosexualität sind individueller Natur, nur einzelne Personen werden unter speziellen Umständen bestraft. Die durch die Homosexualität verursachten Schäden dagegen sind gesellschaftlicher, sogar globaler Natur. Der Islam sieht eine individuelle Bestrafung vor, um vor gesellschaftlichem oder globalem Unheil zu schützen.

Wie bei allen anderen Urteilen, gilt auch hier: Wenn die Straftat eindeutig belegt ist und alle zugehörigen islamischen Bedingungen erfüllt sind, dann fällt der zuständige Richter in einem islamischen Staat das Rechtsurteil, die Fatwa. Dieses Urteil kann nur der Richter eines islamischen Staats fällen und nur in diesem Staat kann das Urteil von der Exekutive umgesetzt werden. Niemand anderem obliegt diese Aufgabe! Insbesondere besitzen Einzelpersonen unter keinen Umständen das Recht, ein Urteil zu fällen oder gar umzusetzen.

Hudschat-ul-Islam wal Muslimin Sabahattin Türkyilmaz

Diese "Fatwa" bedeutet in nicht wenigen islamischen Staaten das Todesurteil. Im Iran werden "subversive Elemente" im Allgemeinen am Baukran aufgeknüpft, von der Hamas ist bekannt, dass Schwule an LKW-Reifen gebunden und verbrannt wurden.

Die Einschätzung des von den Brüdern Özoğuz offensichtlich verehrten Scheichs zum Thema Homosexualität ist in Bezug auf die Karls-Preis-Verleihung nicht ganz unwesentlich. Abgesehen davon, dass solch kruden Thesen in der Linken nirgendwo Platz haben sollten, war ursprünglich auch "Prinz Chaos II." für den Kulturteil im "Babylon" angekündigt.

Der "Prinz" ist bekennender Schwuler und lebt auf einem Schloss in Thüringen, wo er alljährlich im Mai das "Paradiesvogelfest" ausrichtet. Das Leben eines Paradiesvogels dürfte im Iran vermutlich eine sehr geringe Halbwertzeit haben. Allerdings sagte der Künstler wie auch Jebsen die Teilnahme ab.

Ob sich die Gebrüder Özoğuz unter den Gästen befanden, ist nicht bekannt. Sicher aber ist, dass die Propagandisten der Teheraner Regierung nicht zu den Bündnispartnern linker Gruppierungen zählen sollten.

Was die illustre Schar, die sich im "Babylon" ein Stelldichein geben wollte, offenbar zusammenhält, ist die obsessive Beschäftigung mit dem Nahost-Konflikt und das Bestreben, den Staat Israel zu delegitimieren. Irgendwie die passende Veranstaltung in einer Zeit, in der nicht weit entfernt vom "Babylon" Laken mit aufgedrucktem Davidstern in Brand gesetzt wurden. Voll im Trend sozusagen.

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