Gartenzwerge im Fuchspelz

Die letzten Mohikaner der SED und ihr ideologisches Altersheim

Wie es um die Sache des Sozialismus bestellt ist, sieht man oft an denen, die sich als Sozialisten ausgeben. Nimmt man die tapferen Recken vom "RotFuchs", der "Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland" zum Maßstab, dann sieht es für den Sozialismus ganz finster aus.

Die letzten Aufrechten gibt es ja in allen Farben und Schattierungen. Bei den Katholiken gibt es sie, bei den Liberalen, bei den Oldtimer-Liebhabern und den Hütern und Wahrern des klassischen Bodybuildings - wer sie braucht, der findet letzte Aufrechte in jeder Geschmacksrichtung, so abstrus der Geschmack auch ausfallen mag. Für diejenigen, die der DDR von Erich Honecker, aber eigentlich eher der von Walter Ulbricht heiße, heiße Tränen nachweinen, gibt es ebenfalls einen Traditionsverein von letzten Aufrechten: den RotFuchs-Förderverein e.V..

Gegründet wurde er 2001; die gleichnamige Zeitschrift erscheint allerdings schon seit 1998, und sie ist, zusammen mit einer Website, die dem Aussehen nach 1992 für ViolaWWW entworfen wurde, das Hauptkampfmittel der letzten Aufrechten, RotFuchs-Style. Der RotFuchs in Zeitschriftenform hat angeblich 25.000 "ständige Leser", wird angeblich in 36 Länder versandt, und auch die 31 Regionalgruppen von Bautzen bis Strausberg stehen, der Selbsteinschätzung nach, "für Prinzipienfestigkeit und Toleranz, für Beharrungsvermögen und menschliche Wärme."

Wenn man wissen will, für was eine Zeitung wirklich steht, dann lese man die Todesanzeigen:

In der Nacht vom 19. zum 20. April ist der herausragende Pädagoge der DDR, der wunderbare Mensch und standhafte Kommunist Georg Dorn im Alter von 85 Jahren verstorben.
Am 10. April ist der bewährte und erfahrene Kommunist Frank Bochow im Alter von 74 Jahren in Berlin verstorben.
Am 10. April ist unser langjähriger bewährter und treuer Autor Hans Horn im 83. Lebensjahr in Berlin verstorben.

Geht es hier um Prinzipienfestigkeit, Toleranz und menschliche Wärme? Sehr unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die sehr grauen Rotfüchse ein Verein von SED- und Stasikadern sind, die auf typisch deutsche Weise Unbelehrbarkeit mit Charakter verwechseln und sich den Lebensabend versüßen wollen, indem sie sich gegenseitig bescheinigen, nie Unrecht gehabt oder begangen zu haben und im Felde eigentlich unbesiegt zu sein. Sie pflegen ihre Veteranenneurose, um eine Niederlage zu bewältigen, die sie nicht verwunden haben, und um ihre Lebenslügen zu konservieren, die außerhalb ihres Traditionsvereins nur noch auf Gelächter stoßen, und das völlig zu Recht.

Diese Unfähigkeit zur Niederlage hat Hermann L. Gremliza einst aus sporthistorischer Sicht für die ganze Hässlichkeit der deutschen Fußballs verantwortlich gemacht; die spezielle Hässlichkeit der zauseligen alten Rotfüchse wird überdeutlich von ihr geprägt. Hoffnungslos verstrickt in ihre Unschuld werden die alten Genossinnen und Genossen recht gehabt haben, bis ihnen selbst ein Nachruf im RotFuchs bescheinigt, standhaft, bewährt und treu gewesen zu sein.

Die inhaltlichen Positionen? Sind eh so vorhersehbar wie das Amen in der Kirch'. Die SED muss als wahrgewordene Einheit der deutschen Arbeiterklasse herhalten. Putin ist ein ganzer Kerl, weil er es dem Westen zeigt. Abstrakte Trauerbekundungen für Opfer des Holocaust stehen der konkreten Verdammung von Israel gegenüber, was so weit geht, den Quatsch eines ansonsten verachteten Sozialdemokraten wie Günter Grass abzudrucken, wenn der über Israel deliriert.

Den emotionalen Zuschnitt dieser Veranstaltung sieht man allerdings nirgends deutlicher als in den abgedruckten DDR-Homestories, die wahrscheinlich für die beschworene "menschliche Wärme" stehen sollen. "Cornelias kleine große DDR - Vom ganz normalen Aufwachsen und Leben im Sozialismus" ist ein Dokument, wie sich's grausiger kein Kommunistenfresser hätte ausdenken können. "Schon vor der nächsten Jahresendprämie kaufte er zwei Ringe und machte mir im FDJ-Hemd einen Heiratsantrag." Das ist der Blödsinn, an den sich diese Leute mit tränenfeuchten Augen erinnern, und für den sie die Würde einer Biographie reklamieren. Auf so etwas sind die stolz.

Würde es Sinn machen, sie mit einer Biographie wie der von Timo Zilli zu konfrontieren? Oder ihnen die Romane Jahrestage (Uwe Johnson), Rummelplatz (Werner Bräunig) oder Legende (Ronald M. Schernikau) zu empfehlen?

Natürlich nicht.

Und so bleibt nur, in das Gelächter einzustimmen, von dem Karl Marx durchgeschüttelt würde, wenn er von all dieser Jämmerlichkeit erfahren könnte. Derselbe Karl Marx, der sich nicht dagegen wehren kann, die Homepage des RotFuchs zu zieren, und dessen Spruch von der notwendigen Vereinigung der Proletarier sich wie eine Drohung an die Proletarier liest, wenn er als Mottozeile für das Titelblatt des RotFuchs rekrutiert wird.

"Traditionssozialismus" nach dieser Art heißt: Rot lackierte Gartenzwerge träumen mit umgelegtem Fuchspelz von einer Zeit, da sie sich für Riesen halten durften. Für den Kapitalismus ist der Nostalgie- und Traditionsverein so gefährlich wie ein Modelleisenbahnerstammtisch mit massiven Nachwuchsproblemen. Mit solchen Spießern, auch wenn sie sich noch so kommunistisch vorkommen, kann das immer falschere Deutschland gut leben.

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