Gasspeicher: Wie sicher ist die Versorgung in Deutschland?

Die Gasspeicher in Deutschland füllen sich noch mit russischem Gas. Sollte es wegbrechen, stünde Deutschland vor einem Problem: In den USA fordern Teile der Industrie einen Stopp der LNG- Exporte nach Europa.

Ein leichtes Aufatmen ist in Deutschland zu vernehmen: Die Gasspeicher füllen sich langsam wieder. Das geht aus der Webseite von Europas Gasinfrastruktur-Betreibers (GIE) hervor. Demnach sind die Speicher wieder zu 40,8 Prozent gefüllt; einen Monat zuvor waren sie es nur zu 29,8 Prozent.

Ginge es in diesem Tempo weiter, könnten die Vorgaben aus dem neuen Speichergesetz eingehalten werden. Nach diesem müssen die deutschen Speicher zum 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein. Ob dieses Ziel eingehalten werden kann, hängt auch davon ab, wie sparsam die Deutschen in den nächsten Monaten sind.

Vor allem hängt es aber davon ab, ob der Gasfluss aus Russland versiegt. Zwar sollen noch in diesem Jahr mehrere Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Betrieb gehen; doch auf den Füllstand der Gasspeicher am Stichtag dürften sie kaum Einfluss haben.

Die EU-Kommission wappnet sich inzwischen für den Fall, dass die russischen Gaslieferungen vollständig ausfallen sollten. Welt am Sonntag hatte kürzlich von einem Kommissionspapier berichtet, nach dem den EU-Mitgliedsstatten für diesen Fall empfohlen wird, Preisobergrenzen für Erdgas einzuführen. Selbst vor dem Eintritt eines akuten Mangels soll es demnach erlaubt sein, "die Verbraucherpreise für eine Übergangszeit staatlich zu regulieren".

Was die Kommission vorschlägt, ist aber nur eine halbherzige Lösung. Denn sie betont, dass die Preisobergrenze nicht so strikt ausfallen solle, da Europa anderenfalls nicht mehr attraktiv genug wäre für die Belieferung mit Flüssiggas.

Die deutsche Regierung spricht sich allerdings gegen diesen Vorschlag aus, heißt es in dem Bericht. "Eine durchgesetzte Preisobergrenze an der Börse dürfte dazu führen, dass der Börsenhandel versiegt, denn niemand kann gezwungen werden, Angebote zu einem bestimmten Preis zu machen", wird ein hoher Beamter zitiert.

Die Konsequenz daraus wäre: Die steigenden Preise werden an die Verbraucher weitergegeben, die sich im nächsten Winter dann das Heizen weniger leisten könnten.

Unmut in den USA über LNG-Exporte

Es gibt aber zunehmend Zweifel, ob der deutsche Gasbedarf überhaupt durch LNG gedeckt werden könnte. Katar pocht bislang auf langfristige Lieferverträge, welche die Einhaltung der deutschen Klimaziele ins Wanken bringen könnten. Andere potentielle Lieferländer können voraussichtlich auch nur kurzfristig aushelfen.

In den USA regt sich auch zunehmend Unmut: Der Export von Erdgas hat die Gaspreise im Inland in die Höhe schnellen lassen und belastet die Industrie. Viele Industriemanager glauben, heißt es bei Reuters, dass der Export eingestellt werden und das Gas vor allem dem eigenen Bedarf befriedigen sollte. Die Fracking-Industrie in den USA drängt dagegen auf mehr Exportkapazitäten und mehr Bohrgenehmigungen.

"Das verarbeitende Gewerbe kann nicht investieren und Arbeitsplätze schaffen, ohne die Zusicherung zu haben, dass unsere Erdgas- und Strompreise nicht durch übermäßige LNG-Exporte gefährdet werden", sagte demnach der Präsident der Industrial Energy Consumers of America (IECA), eines Verbandes, zu dem unter anderem Kunststoff- und Papierwarenhersteller gehören. Der Verband wirbt in Washington dafür, dass die LNG-Exporte wieder zeitweilig eingestellt werden.

Umweltschützer fordern Nachbesserungen

Doch auch in Deutschland sind nicht alle davon begeistert, die Infrastruktur für den LNG-Import auszubauen. Mehrere Umweltverbände monierten kürzlich das Gesetz zum schnellen Ausbau von LNG-Terminals. Dieses würde zu einer Überversorgung führen und die Einhaltung der Klimaziele gefährden.

Das Vorhaben lehnten sie nicht komplett ab, forderten aber Veränderungen an drei Stellen des Gesetzes: Es solle klar definiert werden, wie groß der drohende Energienotstand tatsächlich ist und welche LNG-Kapazitäten vor diesem Hintergrund überhaupt notwendig wären. Anders als schwimmende Terminals sollten die an Land nicht Teil des Gesetzes sein, da sie ohnehin erst mittelfristig einsetzbar wären.

Als zweiten Punkt kritisierten sie die geplanten Laufzeiten der Terminals. Statt bis Ende 2043 sollte sie nur bis Ende 2030 reichen. Eine längere Laufzeit passe nicht zu den Klimazielen.

Der dritte Punkt: Die Ausnahmen im Genehmigungsverfahren, zum Beispiel die geplante Aussetzung der Umweltverträglichkeitsprüfung, solle nur für schwimmende LNG-Terminals gelten, die noch in diesem Winter einsatzbereit sein können. (Bernd Müller)