Gasstreit: Griechenland und Zypern verbünden sich mit Israel

Foto: Griechische Streitkräfte

Vertreter der drei Länder unterzeichneten gestern ein militärisches Kooperationsabkommen

Gestern unterzeichneten Konstantinos Floros, der Chef des griechischen Generalstabs, und Vertreter Zyperns und Israel in der griechischen Hauptstadt Athen ein Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit der drei Länder. Diese Kooperation soll unter anderem gemeinsame Manöver beinhalten.

Der neue Vertrag ist auch ein Signal an die aktuelle türkische Staatsführung, die mit denen der drei Partner verfeindet ist: Mit Israel hat die in Ankara regierende islamistische AKP unter anderem deshalb ein gespanntes Verhältnis, weil sie zur Hamas ein gutes hat. Ein so gutes, dass hohe Hamas-Funktionäre türkische Papiere mit falschen Namen bekamen, wie der britische Telegraph im August aufdeckte.

Erdoğan will "unmoralische Karten und Dokumente zerreißen"

Zu Griechenland und Zypern sind die Beziehungen nicht nur wegen dreier Griechenvertreibungen in der jüngeren Vergangenheit gespannt, sondern auch, weil Ankara, Athen und Nikosia um Gasfelder im Mittelmeer streiten. Wegen dieser Gasfelder drohte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan letzten Monat, sein Land werde sich "nehmen, was ihm zusteht", und sei "entschlossen, politisch, wirtschaftlich und militärisch alles zu tun, was dafür nötig ist". Eskaliere der Streit, so Erdoğan, dann würden die Griechen "schmerzhafte Erfahrungen" machen. Die Türkei sei nämlich stark genug, "unmoralische Karten und Dokumente zu zerreißen", wie er am Samstag ergänzte.

Diese Drohungen untermauerte der türkische Staatspräsident mit Manövern seines Heeres, seiner Luftwaffe und seiner Marine im Nordteil Zyperns. Außerdem verlegte man 40 Panzer an die thrakische Landgrenze mit Griechenland.

Athen will "die Ausrüstung der bewaffneten Kräfte verstärken"

Am 7. September forderte Erdoğan Brüssel nach einem Telefonat mit dem belgischen EU-Ratspräsidenten Charles Michel dazu auf, im Gasstreit "unparteiisch" zu sein, auch wenn Griechenland und Zypern zur EU gehören. Michel hatte vorgeschlagen, den Streit in einer "multilateralen Konferenz" zu deeskalieren, bei der es nicht nur um das Gas, sondern auch um Migration gehen soll. Die Drohung damit hält Brüssel den Worten des AKP-Sprechers Ömer Çelik nach davon ab, Sanktionen zu erlassen, die Ankara wirklich schmerzen.

Der griechische Kabinettssprecher Stelios Petsas verkündete am 7. September 2020, die Regierung in Athen (die gerade 2,5 Milliarden Euro neue Schulden aufnahm) reagiere auf die türkischen Drohungen "mit politischer, diplomatischer und operativer Bereitschaft" und sei "entschlossen zu tun, was auch immer nötig ist, um unsere souveränen Rechte zu schützen". Konkret stehe man in "Kontakt mit befreundeten Regierungen, um die Ausrüstung der bewaffneten Kräfte zu verstärken". Weil sich der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis morgen mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron trifft, mutmaßen Medien, dass damit der Kauf einer französische Fregatte und mehrerer Rafale-Kampfflugzeuge gemeint sein könnte (vgl. Später Erfolg für einen Ladenhüter).

Libyen und Ägypten

Frankreich gilt unter den EU-Ländern neben Zypern als engster Verbündeter Griechenlands, seit Paris den atomar angetriebenen Flugzeugträger Charles de Gaulle, das Flaggschiff der französischen Marine, in das Krisengebiet entsandte. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bewertete das nicht nur als Unterstützung der Griechen in Athen und Nikosia, sondern auch als "hysterische" Reaktion auf das türkische Eingreifen in den libyschen Bürger- und Stellvertreterkrieg (vgl. Libyen: Stellvertreterkrieg um das Mittelmeer).

Die wichtigste Regionalmacht, die der Türkei dort entgegensteht, ist Ägypten. Insofern überrascht es wenig, dass sich Kairo zusammen mit Jerusalem, Athen und Nikosia am "Gasforum Östliches Mittelmeer" beteiligt (vgl. Ägypten unterstützt Griechenland und Zypern gegen die Türkei). Im Januar unterzeichneten der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, der zyprische Präsident Nikos Anastasiades und der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu ein Abkommen zum Bau einer "Eastmed"-Pipeline, über die Erdgas aus dem auf rund 605 Milliarden Kubikmeter geschätzt israelischen Leviathan-Vorkommen nach Europa strömen soll (vgl. Israel, Zypern, Griechenland und Italien haben sich auf Eastmed-Gaspipeline geeinigt).

In diese Pipeline könnte dann auch Erdgas aus der Meeresumgebung von Zypern eingespeist werden, auf das die Türkei Ansprüche erhebt. Ägypten selbst beansprucht mit dem auf 850 Milliarden Kubikmeter geschätzten Gasfeld Zhor das größte Vorkommen im Mittelmeer. Wird es einmal angezapft, könnte das Land schnell wieder vom Gasimporteur zum Gasexporteur werden und seine seit 2011 brachliegenden LNG-Exportterminals wieder in Betrieb nehmen. (Peter Mühlbauer)