Gated Fields

Schweizer Wissenschaftler wollen ein technisches Vorbild schaffen, wie sich Felder für Freilandversuche von gentechnischveränderten Pflanzen vor Vandalismus der Gentechnik-Gegner schützen lassen

Weltweit werden bereits auf 10 Prozent der als Acker nutzbaren Flächen genveränderte Pflanzen angebaut. Aber in Europa sind nur gerade einmal zwei genveränderte Sorten wie ein Bt-Mais von Monsanto und eine Kartoffel zugelassen, schreiben Schweizer Wissenschaftler von der staatlichen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART bedauernd. In der Schweiz haben die Bürger in einem Volksentscheid gegen die interessierten Wissenschaftler und Biotech-Lobby ein Moratorium 2005 durchgesetzt (Keine Gentechnik auf Schweizer Äckern), das immer wieder verlängert wurde und nun bis 2017 gilt.

Das Versuchsfeld von Agroscope Reckenholz-Tänikon. Bild: Agroscop

Neben der Zögerlichkeit der Regierung und der ablehnenden Haltung der Menschen es noch die radikalen Gentechnikgegner in Europa, die immer wieder Anschläge auf Versuchsfelder machen. Deswegen haben die Wissenschaftler im staatlichen Auftrag ein vor Vandalismus geschütztes Feld ("protected site") entwickelt, um ungefährdet Freilandversuche zur Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen durchführen zu können.

Während andere Modelle für gated communities oder gated nations entwickeln und Exportchancen für die entsprechende Sicherheitstechniken sehen, wollen die Schweizer nun im staatlichen Auftrag ein gated field entwickeln, von dem sie hoffen, dass es zumindest für andere Länder als Modell dienen könnte, schreiben sie in der Zeitschrift Trends in Biotechnology. Es ist halt dumm, dass nach EU-Gesetz Freilandversuche auch der Öffentlichkeit mitgeteilt werden müssen. Deswegen würden kaum mehr Versuche gemacht oder im Ausland durchgeführt, wo die Ablehnung geringer ist. Wurden Ende der 1990er Jahre noch 250 Freilandversuche durchgeführt, waren es 2011 nur noch 50. In der Schweiz wurden gerade 6 Anträge eingereicht und vier bewilligt.

Versprochen wird ein kostengünstiger Schutz vor Vandalismus. Das durch die Technik geschützte, 3 Hektar große Feld soll nun mit jährlichen Kosten von 600.000 Euro betrieben werden und Forschern zum Evaluieren ihrer gentechnischen Innovationen dienen. Ungeschützte Felder und Vandalismus seien ein Grund dafür, warum es mit der Gentechnik in Europa nicht vorangehe, meinen die Schweizer.

In Reckenholz hatten 30 vermummte Gentechnikgegner einen Teil der Felder zerstört. Daraufhin wurde schon mal ein doppelter Zaun mit dem Abstand von 3 Metern und einer Höhe von 2,5 Metern um das Feld gebaut. Ähnlich werden Grenzen gesichert. Dazu wurde das Feld 24 Stunden lang von Sicherheitspersonal mit einem Hund bewacht und man installierte drei Überwachungskameras. Die Kosten schossen in die Höhe. Für jeden Euro, der für die Forschung ausgegeben wurde, mussten 78 Cent für die Sicherheit investiert werden. Also wurden 56 Prozent der Forschungsgelder für Sicherheit und nur 44 Prozent für die eigentliche Forschung aufgewendet.

Das Versuchsfeld von Agroscope Reckenholz-Tänikon. Bild: Agroscop

Ab nächstem Jahr soll das gated field oder die protected site zur Verfügung stehen. Verraten wird allerdings nicht genau, wie das Feld geschützt wird. Es ist nur die Rede von dem doppelten Zaun, einer permanenten Bewachung, der Überwachung des Versuchsfeldes und einem Alarmsystem. Man darf vermuten, dass das Feld nicht mehr durch Wachpersonal, sondern mit Kameras und anderen Sensoren gesichert wird. Auf dem Foto sieht man zumindest einen Masten mit einigen Überwachungskameras.

Wenn nicht der Anbau, sondern schon Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen nur hinter gesicherten Zäunen stattfinden können, ist dies ein Hinweis für die Ablehnung in der Bevölkerung - oder sind es wirklich nur wenige Vandalen?

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