Gebrauchtkampfflugzeughandel zwischen Kroatien und Israel geplatzt

F-16 der israelischen Luftwaffe. Foto: Master Sergeant Kevin J. Gruenwald, Defense Imagery Management Operations Center. Lizenz: Gemeinfrei.

USA sollen Weiterverkauf der elektronisch modernisieren F-16 verhindert haben

Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Kroatien ist seit 2009 Mitglied der NATO. Seine Luftwaffe besteht aktuell aus zwölf MiG-21, die noch in der Sowjetunion produziert wurden. Die kroatische Regierung wollte diese Flugzeuge durch zwölf gebrauchte amerikanische F-16 ersetzen.

Diese gebrauchten Maschinen bot Israel an - ein Land, das wegen seiner Lage sehr viel stärker als Kroatien darauf achten muss, dass seine eigene Luftwaffe auf dem allerneusten Stand der Technik ist. Deshalb hatte es die zwölf einstrahligen F-16, die es an Kroatien verkaufen wollte, bereits vor geraumer Zeit mit eigener moderner Elektronik nachgerüstet.

Rückbau vor Verkauf wäre zu teuer

Diese Nachrüstung mit moderner Elektronik nahm die US-Staatsführung zum Anlass, ihre Zustimmung zum Weiterverkauf der Flugzeuge zu verweigern. Dass sie in dieser Frage ein Mitspracherecht hat, liegt dem kroatischen Verteidigungsminister Damir Krstičević nach auch an "geistigen Eigentumsrechten", die der Hersteller Lockheed Martin geltend macht.

Israel und Kroatien prüften nach der Zustimmungsverweigerung, ob sich das amerikanische Verbot dadurch umgehen lässt, dass man die elektronische Modernisierung vor dem Verkauf rückgängig macht und die Maschinen nach dem Verkauf neu modernisiert, kamen aber zum Ergebnis, dass das den vorgesehenen Pries von 500 Millionen US-Dollar unverhältnismäßig stark erhöhen würde, wie die kroatische Regierung gestern Abend bekannt gab.

Gripen war Kroatien schon einmal zu teuer

Teurer könnte der Flugzeugkauf für die Steuerzahler des Gut-Vier-Millionen-Einwohner-Landes aber auch dann werden, wenn es statt der gebrauchten F-16 neue Kampfflugzeuge kauft. Auch deshalb, weil die NATO Kompatibilitätsanforderungen an die Streitkräfte ihrer Mitgliedsländer stellt und wohl nicht mit allen Modellen einverstanden wäre, die derzeit angeboten werden. Das dürfte vor allem für die russischen Suchoi- und die chinesischen Chengdu-Kampfflugzeuge gelten.

Möglich wäre ein Kauf des Mehrzweckkampfflugzeugs Gripen, das zwar aus dem neutralen Schweden stammt, aber auch von den NATO-Länder Ungarn und Tschechien eingesetzt und von Bulgarien und der Slowakei in Betracht gezogen wird. Auch Kroatien zog das Saab-Fabrikat schon einmal in Betracht, befand dann aber, dass es trotz des mit 43 Millionen US-Dollar pro Stück verhältnismäßig günstigen Preises zu teuer sei und ließ stattdessen lieber seine MiG-21 in der Ukraine überholen. Dort hat man seit dem Zerwürfnis mit Russland allerdings größere Probleme mit der Flugzeugtechnik (vgl. Boeing steigt bei Antonow ein).

Schlechte Eurofighter-Erfahrungen im Nachbarland Österreich

Zumindest ohne besondere Rabatte oder Nebenangebote durch die französische Regierung noch teurer als die Gripen wären mit 75 Millionen Dollar pro Stück die französischen Mirage-Nachfolger Rafale, die fünfzehn Jahre lang kein einziges Land (außer Frankreich) haben wollte, bis 2015 Ägypten, Indien und Katar Interesse anmeldeten (vgl. Später Erfolg für einen Ladenhüter).

Noch einmal 25 Millionen pro Stück mehr würde der deutsch-britisch-italienisch-spanische Eurofighter kosten (vgl. Eurofighter: Steuerzahlern droht Milliardenstrafe). Mit ihm hat unter anderem ein nicht weit nördlich von Kroatien gelegenes Land schlechte Erfahrungen gemacht: Österreich wird die Flugzeuge nach mehreren parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und Ermittlungen der Justiz ab 2020 nach und nach ausmustern und andere Maschinen kaufen, die kostengünstiger, besser ausgerüstet, weniger mängelbehaftet und "Tag und Nacht einsatzbereit" sein sollen. Durch diesen Umstieg erwartet sich die Alpenrepublik Einsparungen zwischen 100 Millionen und zwei Milliarden Euro (vgl. Österreichischer Verteidigungsminister zeigt Airbus an und Merkel und Macron planen Eurofighter-Nachfolger).

Lockheed Martin will selbst F-16 verkaufen

Würde Kroatien seine MiG-21 durch amerikanische F-35 ersetzen, könnte sich das Land statt zwölf nur mehr drei Kampfflugzeuge leisten. Sie kosten nämlich 160 Millionen Dollar pro Stück. Neben der F-35 bietet Lockheed Martin aber auch noch F-16 an - für 27,5 Millionen Dollar sogar günstiger als die gebrauchten israelischen. Sie verfügen allerdings nicht über die nachträglich eingebaute Elektronik, die die israelischen Maschinen für die kroatische Luftwaffe attraktiver machten. Diese Konkurrenz war den Informationen der Times of Israel nach auch der Grund, warum die US-Staatsführung die Zustimmung zum Weiterverkauf der israelischen Maschinen verweigerte. (Peter Mühlbauer)

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