Gefährlicher Konflikt: Türkei droht Damaskus mit Vergeltung

Der Islamische Staat behauptet, auf türkische Truppen bei Al Bab einen Selbstmordanschlag durchgeführt zu haben.

Angeblich gab es heute Luftangriffe auf türkischen Truppen in Syrien bei Al Bab

Heute nacht um 3:30 Uhr wurden in Nordsyrien 3 türkische Soldaten getötet und 10 weitere verletzt. Die türkischen Streitkräfte sprechen von einem "Luftangriff, der von der syrischen Regierung ausgeführt wurde". Damit wäre es zum ersten Mal zu einer Konfrontation zwischen türkischen und syrischen Truppen gekommen, seitdem die Türkei die Operation Schutzschild Euphrat im August gestartet hat und in Syrien zusammen mit verbündeten "Rebellen", die als "Freie Syrische Armee" bezeichnet werden, einmarschiert ist.

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Die syrische Regierung, gestützt durch Russland, hat gegen die militärische Intervention protestiert. Die Türkei ist mit schweren Waffen wie Panzern auf syrischem Territorium und beschießt mit Artillerie und Kampfflugzeugen angeblich Stellungen des Islamischen Staats, vor allem der kurdischen SDF bzw. YPG. Größere Teile des Gebiets an der türkischen Grenze werden nach der kampflosen Einnahme der Grenzstadt Dscharablus, wo es vermutlich eine Absprache mit dem IS gab, bereits von der türkischen Armee mit den Milizen kontrolliert.

Die türkischen Verbände stehen gerade vor der Stadt al Bab, aus der sich wieder der IS zurückgezogen zu haben scheint. Nach dessen Eroberung ist es ausgegebenes Ziel, die SDF aus Manbij zu vertreiben. Absicht dürfte es sein, aus dem ganzen Gebiet, womöglich mit Einschluss der kurdischen Enklave Afrin, die immer wieder angegriffen wird, eine Sicherheitszone zu machen. Dazu wurde auch die in der Türkei ansässige National Coalition for Syrian Revolutionary und Rebellengruppen gebracht, die dieses Vorhaben unterstützen. Als Hauptfeind werden dort die syrischen Milizen der YPG ausgemacht. Deren Ziel sei es, sagte heute der Sprecher Hatib Bedle, Syrien zu teilen: "Es ist klar, dass sie mit dem syrischen Regime arbeiten und gegen die syrische Revolution sind."

Die Lage ist wie so oft unübersichtlich. Klar ist, wie Russland reagieren wird, wenn nun die Türkei und das Assad-Regime in einen Konflikt geraten und die Türkei weiter eine Flugverbotszone in Nordsyrien einreichten will. Gut möglich, dass der Angriff, wenn er denn von Damaskus ausgegangen ist, den weiteren Vormarsch der türkischen Truppen stoppen sollte, die auch mit den "Rebellen", wahrscheinlich auch mit al-Qaida, kooperieren. Russland hatte bislang die Kurden nicht direkt wie die USA unterstützt, aber den erfolgreichen Kampf gegen den IS und Islamisten begrüßt. Moskau hat wohl im Ausgleich zu Aleppo die türkische Operation in Syrien geduldet. Wechselseitig haben sich Ankara und Moskau hier bislang nicht beschuldigt.

Auch die Rolle der Nato wird noch schwieriger, wenn das Nato-Mitgliedsland Türkei immer offensiver gegen die syrischen Kurden vorgeht und womöglich in militärische Auseinandersetzungen mit Damaskus eintritt

Auf den angeblichen Luftangriff in Syrien reagierte auch die türkische Regierung scharf. Regierungschef Binali Yıldırım drohte heute bereits mit Vergeltung, ohne konkreter zu werden. Der Angriff auf türkische Soldaten zeige, "dass manche nicht glücklich sind mit dem türkischen Kampf gegen Daesh".

Angeblich gab es am Nachmittag einen weiteren Angriff auf Verbände der türkischen Operation westlich von Al Bab. Dabei sollen 7 türkische Soldaten getötet worden sein.

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Twitter hat offenbar den Account der Türkei gesperrt, auf dem Propaganda für den Schultzschild Euphrat gemacht wurde. (Florian Rötzer)

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