Gefängnis für Telefonieren beim Autofahren

Weil Autos gefährliche Waffen sind, sollen in Großbritannien die Strafen für "gefährliches Fahren" verschärft werden - bis hin zu einer lebenslänglichen Haftstrafe für Totschlag

Wie Gewalt gegenüber Menschen bewertet und sanktioniert wird, hängt sehr von den Umständen ab. Wer mit einem Messer oder einer anderen Waffe einen Menschen verletzt oder tötet, wird gemeinhin viel härter bestraft, als wenn er am Steuer eines Fahrzeugs dasselbe macht. Dabei sind Fahrzeuge durchaus als gefährliche Waffen zu verstehen, zumindest werden sie dann auch zu solchen, wenn durch entsprechendes Fahrverhalten Unfälle riskiert oder gar unbewusst provoziert werden.

Die meisten Autofahrer dürften wohl davon ausgehen, dass ihnen schon nichts passieren wird und sie alle Gefahren meistern, auch wenn sie mit ihren schweren Geschossen auf den Straßen brausen. Vermutlich ist auch der Eindruck, im abgeschlossenen Fahrzeug als einer Verlängerung des eigenen Körpers zu sitzen, Ursache dieses Missverständnisses. Ein Auto zu steuern, zumal in hoher Geschwindigkeit, ist nicht weniger riskant, als wenn man mit einem offenen Messer in einer Menschenmenge herumrennt.

Normalerweise werden Autofahrer, wenn sie durch eigenes Verschulden andere töten, lediglich aufgrund fahrlässiger Tötung relativ mild bestraft. Wenn Drogen oder Alkohol im Spiel sind, wurden die Strafen zwar verschärft, aber wenn der Fahrer telefoniert hat oder sonst unaufmerksam war, sieht die Sache anders aus. Für viele riskante Verhaltensweisen gibt es höchstens Geldstrafen. Dabei ist bekannt, dass abgelenkte Aufmerksamkeit durch Telefonieren, Essen, Reden, Rauchen, am Radio Herumspielen oder neugierig seitlich aus den Fenstern Schauen nicht harmlos sind, wenn man ein tödliches Geschoß steuert.

Die britische Regierung hat nun vor, auch die scheinbaren Kavaliersdelikte am Steuer hart abzustrafen, um für Disziplin im Autoverkehr zu sorgen. Ob das Vorhaben jemals Realität wird, ist eine andere Frage, ist doch Autofahren noch eine der Tätigkeiten, wo die Menschen trotz aller Regeln ihre Freiheit und Selbstverantwortung realisiert sehen wollen – wozu wahrscheinlich auch die Gefahr gehört. Schließlich wird im Sinne von Überwachen und Strafen durch striktere und strafbewehrte Regeln wieder ein Stück weiter ins Leben der Menschen eingegriffen.

Der Crown Prosecution Service (CPS) hat eine Anhörung zur Einführung härterer Strafen für gefährliches Fahren gestartet und schlägt vor, die Strafen drastisch heraufzusetzen. So soll es dann, wenn gefährliches Fahren zum Tod eines Menschen führt, nicht nur um eine fahrlässige Tötung gehen, sondern um Totschlag, wofür eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden könnte. In Großbritannien ist dafür bislang die Höchststrafe zwei Jahre Gefängnis.

Drängler und Fahrer, die mit ihren Handys telefonieren, sollten nach dem Vorschlag nicht nur eine Geldstrafe riskieren, sondern mit Gefängnis bestraft werden können. Auch das Herumspielen mit dem Autoradio oder anderen Geräten, das Überfahren einer roten Ampel, links Überholen oder das riskante Einbiegen von einer Nebenstraße könnten Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Die Einstellung der Bevölkerung habe sich verändert, erklärte Ken MacDonald vom CPS. Daher müsse man die Strafen für gefährliches Fahren, besonders wenn dabei jemand getötet wird, anpassen. Zunächst aber müsse geklärt werden, was gefährliches Fahren ist. Dazu kann aggressives oder schnelles Fahren ebenso gehören wie Unaufmerksamkeit oder Müdigkeit. Abgelenkt werden die Fahrer auch, wenn sie sich eine Zigarette anstecken, mit dem Beifahrer reden oder eine Karte bzw. eine Zeitung lesen. (Florian Rötzer)

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