Gehirnjogging verbessert Arbeitsgedächtnis, aber nicht die Intelligenz

Möglicherweise kann, so US-Psychologen, damit die Fähigkeit zum Multitasking trainiert werden

Es wäre doch schön, wenn man nicht durch pharmazeutisch, sondern durch Training eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, also ein Neuro-Enhancing, erreichen könnte. Angebote für ein Gehirntraining, Gehirnsport oder Gehirnjogging gibt es genug, um die "geistige Fitness" zu steigern und, wie gerne versprochen wird, die Intelligenz zu verbessern. Nach einer Studie wird jedoch zu viel versprochen. Verbessert werden könne zwar die Leistung des Arbeitsgedächtnisses, nicht aber die "fluide Intelligenz", also das logische Denken, die kreative Fähigkeit, neue Probleme zu lösen, oder das Herstellen von Beziehungen.

Gerne versprochen wird, dass Gehirntraining wie ein Nürnberger Trichter wirken und die Intelligenz verbessern soll. Bild: Der Nürnberger Trichter auf einer Reklamemarke aus dem Jahr 1910/gemeinfrei

Das Ergebnis der in der Zeitschrift Psychological Science erschienen Studie von US-Psychologen wird die Welle der Gehirnjogger nicht bremsen. Ebenso verbissen wie bei der körperlichen Fitness sind viele auch bei der geistigen, zumal die Ideologie sich ausprägt, dass jeder seines eigenen Glücks Schmied ist, also selbst verantwortlich für irgendwelche Mängel ist. Deswegen werden ebenso gerne Kinder mit Programmen für kognitive Fitness traktiert wie mittlerweile auch Senioren, die damit Alzheimer, Demenz etc. etwas entgegensetzen wollen und sollen.

Für ihre Studie haben die Psychologen 55 Studenten 20 Tage lang jeweils 45 Minuten durch verschiedene Aufgaben das Arbeitsgedächtnis bzw. die Gedächtnisspanne trainieren lassen. Tests wurden vor und nach der Trainingsphase ausgeführt. Eine Gruppe führte Aufgaben zum Training der einfachen Gedächtnisspanne aus (z.B. einzeln nacheinander gezeigte Buchstaben in ihrer Reihenfolge erinnern) und die zweite solche zum Training der komplexen Gedächtnisspanne (z.B. ebenfalls die zuvor erwähnte Aufgabe, während eine Gleichung gelöst werden musste), eine Kontrollgruppe musste Aufgaben der visuellen Suche lösen (Richtung eines Buchstabens in einer Anordnung von Buchstaben angeben). Um sie zu motivieren, erhielten sie zusätzlich Geld, wenn sie ihre Leistung verbesserten. Von den ursprünglich 87 Studenten hielten 32 nicht bis zum Schluss durch und wurden daher nicht berücksichtigt. Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses (WMC) spielt nach Untersuchungen eine wichtige Rolle für komplexe kognitive Leistungen der fluiden Intelligenz. Wie beim Computer werden Informationen hier zwischengespeichert, um schnell abrufbar zu sein. Die Psychologen wollten durch Experimente die Hypothese testen, ob eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses auch zu einer Verbesserung der fluiden Intelligenz führt. Die Leistung steigerte sich bei allen 3 Versuchsgruppen während der Testphase kontinuierlich. Beim Test nach dem Training waren nur die Versuchspersonen mit den schwierigeren Gedächtnisaufgaben besser, allerdings lediglich bei zwei Aufgaben, bei denen die Schulung des Arbeitsgedächtnisses entscheidend war. Die Studenten konnten also ähnliche Aufgaben besser lösen, aber das Training nicht auf andere kognitiven Prozesse übertragen.

Bei Aufgaben, die die allgemeine Intelligenz betrafen, zeigten sich keine Verbesserungen und keine Unterschiede. Zwar seien beide eng verbunden, aber sie stünden in einem ähnlichen Verhältnis wie Größe und Gewicht. Wenn jemand schwerer werde, würde deswegen nicht auch die Größe zunehmen. So sei das vermutlich auch beim Arbeitsgedächtnis der fluiden Intelligenz.

Immerhin, so sagen die Psychologen, zeige ihre Studie, dass sich die Leistung des Arbeitsgedächtnisses verbessern lässt, was lange Zeit als nicht möglich galt. Die Studenten konnten besser neue Informationen aufnehmen und bei multiplen Aufgaben präsent halten, wenn sie zwischen Aufgaben hin und her schalteten. Das könnte ein Hinweis sein, dass auch die Kapazität für Multitasking durch Training verbessert werden kann, was bereits bei Studien mit Computerspielen das Ergebnis war. (Florian Rötzer)

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