Geköpft, von der Klippe gestoßen, zu Tode gesteinigt und ausgepeitscht

Muslimische Staaten mauern gegen UN-Resolution über Menschenrechte von Homosexuellen

Pakistan, Ägypten, Libyen, Saudi-Arabien und Malaysia bemühen sich offenbar nach Kräften, eine UN-Abstimmung über "Menschenrechte und sexuelle Orientierung" zu torpedieren.

Die Resolution, eingebracht von Brasilien und unterstützt von 19 weiteren Staaten, darunter die meisten europäischen Länder sowie Kanada, fordert alle Mitgliedsstaaten auf, sich für die Menschenrechte "aller Menschen, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung" einzusetzen und diese zu schützen. Die fünf muslimischen Staaten schoben die Abstimmung immer wieder hinaus und brachten schließlich gestern Amendments ein, deren Inhalt den Entwurf, ad absurdum geführt hätten, da jeglicher Bezug auf sexuelle Orientierung fehlten. Es sollen, so mutmaßte eine UN-Quelle, mit Verzögerung und Gegenvorschlägen Lobbys gebildet und Zeit geschunden werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen bislang weder Brasiliens Entwurf, noch schlugen sie selbst einen Zusatz vor.

Noch vor zehn Jahren wäre eine Diskussion, wie sie in diesen Tagen in Genf auffallend hitzig geführt wird, unmöglich gewesen. Amnesty International beispielsweise hat erst 1992 begonnen, sich für Häftlinge, die wegen ihrer sexuellen Orientierung im Gefängnis sind, einzusetzen. Im selben Jahr hat die WHO aufgehört, Homosexualität als Krankheit einzustufen. Die neue Resolution, "Human Rights and Sexual Orientation", ist überaus wünschenswert. Über 70 Staaten verbieten gleichgeschlechtliche Sexualität, in Tschetschenien, Iran, Irak, Mauretanien, Saudi-Arabien, Sudan und Jemen kann Homosexualität sogar mit dem Tod bestraft werden. In Bangladesh, Ägypten (vgl. An ihren Freunden werdet ihr sie erkennen), Malaysia, Pakistan und der Türkei gibt es fürs Anderssein 3 - 20 Jahre Gefängnis. In Ländern wie Mexiko, El Salvador, Kolumbien, Ecuador und Brasilien machen rechtsradikale Todesgeschwadergruppen Jagd auf Homosexuelle und Transsexuelle. Ein sehr beliebter Song auf Jamaika handelt davon, wie schwule Männer angezündet werden; er heißt Burn Out Da Chi Chi und ist kein harmloser Spaß à la Stefan Raab. (Michaela Simon)

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