Geld für Hochtechnologie - und nicht für Fußballclubs

Symbolbild: Peter Griffin. Lizenz: CC0

Die Volksrepublik sorgt derzeit dafür, dass sich die Investitionen der großen Konzerne stärker an den Vorstellungen der Regierung orientieren - Im Zweifel drehen die Staatsbanken den Geldhahn zu

Der wirtschaftliche Aufstieg des Reiches der Mitte sorgt in Europa immer wieder für Verwunderung und bei Manchen auch für Angst. Zuletzt war dies bei der (erlaubten) Übernahme des aus der Osram-Gruppe herausgelösten Unternehmens Ledvance der Fall, das aktuell mehr als jede zweite Stelle in Deutschland abbaut, was aber offensichtlich auf die Produktion technisch veralteter Leuchtmittel in den deutschen Werken zurückzuführen ist. Auch beim ebenfalls von chinesischen Investoren übernommenen Roboterhersteller Kuka sollen die Entlassungen auf Fehlentwicklungen zurückzuführen sein, die ihre Ursachen vor dem Einstieg von Midea haben sollen.

Größter Aktionär der Deutschen Bank in finanziellen Nöten

Die chinesische HNA Group hält derzeit knapp 10 Prozent der Aktien der Deutschen Bank. Inzwischen hat Chen Feng, der Chef des Verwaltungsrats eingeräumt, dass die Gruppe derzeit einen Liquiditätsengpass habe, den er nicht zuletzt auf die rigidere Kreditpolitik in seinem Heimatland zurückführte. HNA hatte in den vergangenen Jahren eine aggressive Akquisitionspolitik verfolgt und war weltweit auf Einkaufstour gegangen.

Das Unternehmen war in Deutschland durch den Einstieg beim rheinland-pfälzischen Problemflughafen Hahn bekannt geworden, hat aber auch in der Schweiz mehrere Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Swissair übernommen, darunter den Caterer Gategroup, den Bodendienstleister Swissport sowie den Technikdienstleister SR Technics. Finanziert wurden die Übernahmen in der Regel durch preiswerte Kredite staatlicher Banken, welche die Firmen der HNA Group als Sicherheiten akzeptierten.

Die Auswirkungen dieser Selbstbedienungsmentalität chinesischer Konglomerate mit intransparenter Eigentümerstruktur sollen jetzt genauer unter die Lupe genommen werden. Und so wundert es nicht, dass inzwischen darüber spekuliert wird, dass so manches mehrheitlich übernommene Unternehmen jetzt entweder ganz verkauft oder zumindest an die Börse gebracht werden soll.

Neben der HNA Group, welche auf eine kleine Provinzairline auf der Insel Hainan zurückgeht, hat die staatliche Verwaltung auch auf den Versicherungskonzern Anbang Insurance Group, den Fosun-Konzern und die Immobiliengruppe Dalian-Wanda aus der nordchinesischen Provinz Liaoning jetzt einer genaueren Beobachtung unterzogen.

Die Investitionen dieser vier Konzerne waren in den vergangenen zwei Jahren für etwa ein Drittel aller chinesischen Auslandsakquisitionen verantwortlich. Dalian Wanda konnte seine Finanzprobleme offensichtlich durch Teilverkäufe an inländische Konkurrenten mindern, deren Finanzierung weniger von der Gunst der Politik abhängt. So beteiligte er an seinem Unternehmen Wanda Commercial den Internetkonzern Tencent mit 14 Prozent.

Der weltgrößte Immobilieneigentümer im Handelsbereich will seine Strategie jetzt neu ausrichten und sich von der Immobilienentwicklung verabschieden. Bei der Filmgesellschaft Wanda Film Holding beteiligte sich der Alibaba-Konzern. Die Alibaba Group Holding Limited wird auch an Börsen außerhalb Chinas gehandelt und ist damit bei seiner Finanzierung weniger abhängig von chinesischen Staatsbanken.

Kleinere Unternehmenskäufe müssen nicht mehr genehmigt werden

Während man bei großen Einkäufen genauer hinschauen will, sollen kleinere Investment erleichtert werden. So meldet das Portal Sina Ende letzten Jahres, dass der bürokratische Aufwand für Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen reduziert werden soll. Die neuen Regeln für Auslandsinvestitionen sollen, wie von der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform verlautbart wurde, ab dem 1. März 2018 gelten. Investitionen bis maximal 300 Millionen Yuan (41,05 Millionen Euro) müssen künftig nicht mehr von der Regierung genehmigt werden.

Für China 2015 zählen Hochtechnologie- und strategisch wichtige Unternehmen

Größe allein ist inzwischen keine ausreichende Begründung für Auslandsinvestments chinesischer Konzerne. Auch Imageprojekte wie Fußballclubs zählen nicht mehr dazu. Bis Ende 2016 hatten chinesische Investoren über 20 Fußballclubs in Europa eingekauft. In Beijing bezeichnet man solche Geschäfte heute als irrational.

Geld staatlicher Banken soll es künftig nur noch für den Einkauf von Firmen geben, die in Hochtechnologiebereichen tätig sind oder unter strategischen Gesichtspunkten Bedeutung haben. Kernpunkt künftiger Investitionen ist das Modernisierungsprogramm China 2015. Dazu zählt der zügige Aufbau der E-Mobilität, wo man zuletzt trotz vollmundiger Ankündigungen offensichtlich nicht so schnell vorangekommen war, wie es sich die Politik erhofft hatte. Immobilien und die Bereiche Unterhaltung, Sport und Freizeit zählen derzeit definitiv nicht zu den gewünschten Auslandsinvestments.

Mit Hilfe der Kreditvergabe durch die Staatsbanken hat der chinesische Staat auch die Privatwirtschaft unter Kontrolle, was man in der Praxis daran erkennen kann, dass schon seit Mitte 2017 keine größeren neuen Auslandsinvestitionen mehr bekannt wurden. Ob sich die chinesischen Wünsche nach Investitionsmöglichkeiten im Hightech-Sektor erfüllen lassen, ist sowohl für die EU als auch für die USA derzeit nicht abschätzbar. (Christoph Jehle)