Geld für mehr Demokratie

Grafik: TP

Das Problem Demokratie und Kapital hat eine technische Lösung

Die Ständige Erschaffung von Geld durch Notenbanken und Banken, die sinkende Zinsen bis hin zum negativen Zins, Abkehr vom Bargeld und das Auftauchen von Bitcoins, all das sind Trends in die Richtung einer neuen Finanzordnung. Die Lösung kann eine Degressive Digitale Währung sein.

Im folgenden Essay wird die Degressive Digitale Währung vorgestellt und die Umwälzungen, die damit verbunden sind.

Dass Geld die Welt beherrscht, ist ein alter Hut. Vor hundert Jahren hat der Dollar damit begonnen, als Einzelwährung die Herrschaft anzutreten und es fing an mit einem Agreement zwischen den größten US-Banken und der Regierung. Ganz grob skizziert: Die Regierung überlässt den Banken die Finanzhoheit und die Banken geben der Regierung im Gegenzug soviel Geld, wie sie haben will. Staat und Banken sind in USA seitdem Komplizen geworden.

Nach außen hin wird das etwas anders dargestellt. Es wird so getan, als sei die damals gegründete US-Notenbank FED eine staatliche Bank. Sie ist aber in Privatbesitz. Dabei werden die genauen Besitzverhältnisse geheim gehalten.

Das Geld, das die Banken dem Staat zubilligen, damit er ihre Geschäfte deckt, beschützt und fördert, wird als Staatsanleihe deklariert. Auch das entspricht nicht der vollen Realität. Niemand wird die US-Regierung bedrängen, ihre Staats-Schulden an die FED zurückzahlen. Und was sollte die FED mit dem zurückgezahlten Geld auch tun? Die US-Notenbank hat per Gesetz das Recht, dass sie soviel Geld generieren (auch drucken) darf, wie sie will.

Dieses System funktioniert so lange, wie Finanzwirtschaft und Staat sich in einer Balance befinden. Die Balance ist äußerst sensibel, man kann das ein dynamisches Gleichgewicht nennen. Dieses Verhältnis ist nie ganz in Ruhe. Das Gleichgewicht verlagert, verschiebt und bewegt sich, es entfaltet manchmal enorme Kräfte, aber es kann auch taumeln, fallen und auseinanderbrechen, was 1929 zum ersten mal geschah.

Der große Erfolg der USA besteht darin, dass in den beiden von Europa ausgehenden Weltkriegen das dynamische Gleichgewicht zwischen dem Staat und dem privatem Finanzsystem standgehalten hat, und zwar unabhängig davon, welche Partei in Washington regierte. Die US-Banken haben an beiden Kriegen enorm viel Geld verdient, aber nur, weil der amerikanische Staat so weit gegangen ist, die Söhne seines Volkes in diese Kriege zu schicken und die Kriege mit zu entscheiden.

Wie war das möglich? Nur durch Einsatz massiver Propaganda in Zeitungen, im Rundfunk, im Film und auf Plakaten (Fernsehen und Internet gab es noch nicht) konnte der damalige US-Präsident Wilson das Volk so weit bringen, dass man bereit war, in den ersten Weltkrieg zu ziehen, wo mehr als 100.000 Amerikaner für die Interessen der Wallstreet ihr Leben ließen.

Die Gefahren in einer Balance sind Ungleichgewichte. Die Balance eines Schiffes wird gestört durch Überfrachtung und falsche Gewichtsverteilung. Solche Ungleichgewichte sind im Finanzsystem heute in gefährlichem Umfang vorhanden.

Die Geldmenge ist viel zu groß geworden. Das gilt nicht nur für den US-Dollar, sondern auch für den EURO. Nicht nur die FED hat das Recht Geld zu generieren, sondern fast jede Bank kann das in Form von Giralgeldschöpfung. Wenn eine Bank eine Million EURO besitzt, darf sie 10 Millionen und noch mehr an Kredit vergeben, Geld, das dann in den freien Verkehr gelangt.

Die Geldmenge ist inzwischen völlig überdimensioniert. Es gibt mehr als dreimal soviel Geld, wie alle käuflichen Güter dieser Welt wert sind. Es gibt aber keinen kontrollierbaren Vorgang, der die Geldmenge reduziert, im Gegenteil sie steigt von Tag zu Tag.

Was ist die Folge? Die reale Wirtschaft ist in der Finanzwelt zur Nebensache geworden und das ist ein absurdes Verhältnis. Der Finanzsektor ist ursprünglich dazu da, die Wirtschaft zu fördern und zu unterstützen. Finanzwirtschaft produziert kein einziges brauchbares Produkt außer Geld. Und Geld ausschließlich zum Geldverdienen zu verwenden, ist, abgesehen vom Geldverleih, kein produktives Geschäft.

Die viel zu große Geldmenge verursacht ein Ungleichgewicht. Zum Beispiel an der Börse treibt sie alle Kurse in die Höhe. Wenn die Aktie Facebook fällt, steigt Apple weiter auf. Die Billionen brennen Disponenten unter den Nägeln. Der Handel mit Derivaten blüht und löst Finanz-Lawinen aus, die außer Kontrolle geraten.

Geld ist beweglich wie eine Hyperflüssigkeit, viel beweglicher als Wasser, es kann mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in beliebiger Menge (als Zahl) durch digitale Datenleitungen strömen. Das entfernt sich sehr weit und sehr schnell von einem Gleichgewichtszustand.

Die Gruppe der Akteure ist nicht überschaubar, man folgt Gerüchten, Stimmungen und Intuitionen, während Computerprogramme durch automatische Transaktionen die Trends verstärken. In jedem Augenblick kann es passieren, dass Aktien, Börsen, Staatsfinanzen abstürzen.

Das Problem der Schulden, die durch Kreditvergabe entstanden sind, ist noch gewaltiger. Die mehr als fünfhundert Jahre alten Spielregeln des Bankgeschäfts, dass Geld gegen Zinsen verliehen wird, haben mit dem Zinseszins-Effekt dazu geführt, dass die Menge aller Schulden um ein Vielfaches größer ist als die globale Geldmenge.

Wenn afrikanische Staaten das Organisationsmodell der freien westlichen Welt übernommen haben, haben sie auch das System der Staatsschulden übernommen. Die Regierungen machten es ähnlich wie die US-Regierungen, sie finanzierten den Staat mit Schulden, aber sie haben nicht wie USA die im Land verwurzelten Großbanken. Die Länder der Dritten Welt sind im Ausland verschuldet und man erwartet, dass sie ihre Schulden zurückzahlen, was inzwischen völlig unmöglich ist. Bestenfalls zahlen sie noch Zinsen. Die Zinsen aber wandern in die reichen Länder, die armen Länder bleiben arm.

Ein weiteres Ungleichgewicht bei der Balance im Finanzsystem ist die Verteilung von Arm und Reich in den reichen Ländern. Das Geld konzentriert sich immer mehr in der Hand von Milliardären, während die Einkommen der Mehrheit stagnieren und in der Unterschicht kaum zum Leben reichen.

Der Grund dafür ist der Neoliberalismus, verbunden mit einer unablässigen Propaganda gegen soziale Maßnahmen des Staates, der eigentlich die Aufgabe hätte, für das Wohl aller Bürger zu sorgen. Die Finanzwelt aber hat den Regierungen eingeredet, dass Geldbewegung und finanzieller Gewinn an sich auch für den Staat eine gute Sache ist. Leider kommt für niemanden etwas dabei heraus außer für die Financiers und ihre Begünstigten.

Die Frage, ob es einen Sinn macht, das System mit seinen irreparablen Fehlern zu erhalten, wird im Zentrum der Macht nicht gestellt. In der Bankenwelt glaubt man, die Regeln von Kredit, Schulden und Zinsen, die fünfhundert Jahre lang gegolten haben, könnten auch bei totalem Geldüberfluss und unermesslichen Schulden weiterhin gelten.

In der realen Wirtschaft, welche die Zinsen für ihre eigenen Schulden aufbringen und zusätzlich einen Gewinn für die Eigentümer abwerfen muss, glaubt man, dass sich durch ständig weiteres Wachstum diese Bedingungen erfüllen lassen, ohne dass es zu Ende geht mit den Ressourcen oder mit dem guten Willen der Werktätigen oder mit der weiteren Belastung von Klima und Umwelt.

Man glaubt, dass mit Geld auch immer genügend Energie beschafft werden kann, um all die Motoren, Fabriken, Turbinen, Autos, Flugzeuge, Raumstationen, Panzer, Raketen und Drohnen anzutreiben.

Man könnte sagen, wir stehen an einer Zeitenwende. Dieser Satz passt immer. Besser und genauer ist die Erkenntnis, dass wir organisatorisch hinter der Technik weit zurückhängen, besonders im politischen Bereich, bei der Ordnung der Finanzen und im Bereich der Massenkommunikation.

Ein erster Impuls sollte der sein, dass diejenigen, welche die Technik verstehen und wissen, wie sie funktioniert, sich auch um die Organisation der Menschen im System kümmern. Das sollen nicht Technokraten sein, sondern Techniker und Wissenschaftler, die analog zur Technik und mit Hilfe der modernen Technik neue Organisationsformen entwickeln und in der Öffentlichkeit propagieren.

Zentrales Problem ist das System von stabilem Geld, Kreditvergabe, Schulden und Zinsen. Der Geldüberfluss ist eine Folge davon und eine andere Folge ist die riesige Menge an faulen Krediten, die nie zurückgezahlt werden können. Würde man sie einfordern, müssten sehr viele Staaten, zehntausende Banken und Millionen Firmen und Einzelpersonen in Konkurs gehen.

Wo sind die prinzipiellen Fehler im Geldsystem? Ist ein anderes System denkbar?

Der Dollar, hat schon seit 1972 keine Deckung mehr. Damit ist Geld nur noch eine Zahl, die einen Sachwert symbolisiert, der von allen, die dieses Geld benutzen, akzeptiert wird. Es wird so getan, als ob dieser Wert stabil sei wie Gold, aber es steht kein Gold dahinter, nur Vertrauen und Akzeptanz.

Andererseits können Notenbanken und auch Privatbanken immer mehr Geld generieren und sie tun das auch. Die Geldmenge steigt unkontrolliert. Wäre es nicht besser, Geld zu haben, das kontrolliert weniger werden kann? Ist das überhaupt möglich?

Es ist mit digitaler Technik jetzt möglich: Eine degressive Währung.

Das neue Geld hat nicht die Eigenschaft einer festen Zahl auf einer Münze oder einem Schein. Nein, die Zahl ist nicht gleichbleibend, sondern degressiv; das heißt, das Geld wird zahlenmäßig weniger wie die Menge Wasser in einem Glas, das langsam in der Sonne verdunstet. Dieses Geld kann nur auf digitalen Konten und Geldkarten oder in einer App auf dem Smartphone existieren.

Das neue Geld braucht einen Namen. Wir nennen es Degressive Digitale Mark, kurz DDM und erklären die Funktionsweise an einem Zahlenbeispiel.

Die Degressive Digitale Mark verringert ihren Betrag in jeder Woche um 1%, zum Beispiel in der Nacht von Montag auf Dienstag um null Uhr. Am Samstag waren 100 DDM auf der Geldkarte und wenn nichts ausgegeben oder gutgeschrieben wurde, sind es am Dienstag nur noch 99 DDM. Diese Reduktion nennen wir einen wöchentlichen Abschlag von einem Prozent.

Das hört sich gemein an, aber es kommt der natürlichen Situation im Leben einen Schritt näher als festes Geld. Hätte man am Samstag Gemüse oder Obst gekauft, wären am Dienstag ein paar Teile im Abfall gelandet.

Das bisherige Geld-Postulat, dass Geld seinen Wert behält und sich durch Zinsen immer weiter vermehrt, ist unnatürlich. Geld ist nämlich ein Gebrauchs-Gegenstand mit einer bestimmten Funktion in der Wirtschaft und im Geschäftsleben. Kein Gebrauchsgegenstand behält ewig seinen Wert. Weder Werkzeuge, noch Computer, noch Kleidung, noch Maschinen und schon gar nicht die völlig unverzichtbaren Lebensmittel.

Der wöchentliche Abschlag von einem Prozent auf DDM hört sich gering an und ist auch gering im Vergleich zu Preisschwankungen und Preisunterschieden, aber auf längere Sicht ist der Abschlag sehr wirkungsvoll. Wenn man das Degressive Digitale Geld nur ein halbes Jahr nicht anrührt, schlägt der Abschlag 26 mal zu und es bleibt nach Zinseszins-Rechnung nur noch die Hälfte vom Guthaben übrig.

Das ist für reiche Geldbesitzer äußerst ungünstig!

Durch den wöchentlichen Abschlag konvergiert die gesamte Geldsumme, die in Verkehr ist, gegen Null. Und dann ist es gar nicht verkehrt, wenn immer wieder neues Geld herausgegeben wird. Die Degressive Digitale Mark ist konvergentes Geld, sie wirkt der expansiven Kraft der Billionen von Dollars und Euros auf den sogenannten Märkten systematisch entgegen.

Degressives Geld schadet nicht der Wirtschaft. Im Gegenteil, es kurbelt die Wirtschaft an; denn wer DDM auf der Karte hat, gibt sein Geld besser heute als morgen aus. Die Wirtschaft wird von unten angereizt, von den Verbrauchern.

Der Umsatz wird nicht gefördert von reichen Investoren, damit sie Profit machen. (Und die neoliberale Ideologie wollte uns erzählen, dass dann alle miteinander profitieren!) Der Effekt der DDM ist unmittelbar mit Handel und Wirtschaft verbunden, das ist viel direkter als die Spekulation auf einen Gewinn. Deshalb ist DDM das Geld der Demokratie und der demokratischen Wirtschaft, während das goldähnliche Geld immer das Geld einer Oligarchie geblieben ist.

Wer große Mengen vom degressiven Geld einnimmt, muss sich Gedanken machen, wie lange er das Geld behält, und was er damit anfangen will. Es lohnt sich nicht, Millionen oder gar Milliarden zu horten; denn dieses Kapital verschwindet von selbst. Dadurch entsteht der Anreiz, sofort etwas zu unternehmen, anstatt mit Geld zu spekulieren.

Das Geld drängt zum Handeln, es fließt in Handel und Produktion, am besten in die Produktion von bleibenden Gütern guter Qualität. Güter, die langlebiger sind als das degressive Geld selbst, die nicht pro Woche ein Prozent an Wert verlieren. Geldbesitzer sind jetzt nicht mehr im Vorteil gegenüber Geldverdienern, sondern es ist umgekehrt. Wer degressives Geld verdient und bald wieder ausgibt, ist im Vorteil gegenüber denen, die es ansammeln.

Die Institution, welche die degressive Währung herausgibt und kontrolliert, sollte in einer gewissen Distanz zur Regierung sein, aber nicht im Privatbesitz. Sie übernimmt auch nicht die Schulden des Staates und schafft das bisherige Geld, zum Beispiel den Euro, nicht ab. Wer will, kann beide Währungen benutzen.

Die öffentliche Geldquelle, die das degressive Geld generiert, hat zwei Parameter zur Verfügung, mit denen sie Handel und Wirtschaft steuern kann: Die ausgegebene Geldmenge und die Höhe des Abschlags.

Die Geldmenge und die staatlichen Zuwendungen werden so bemessen, dass die Empfänger (von Renten, Gehältern, Sozialleistungen) ungefähr die gleiche Menge an Gütern kaufen können wie vorher mit ihrem Budget in Euro.

Der Abschlag kann herauf und herunter gesetzt werden. Er wird heraufgesetzt, um Konsum und Handel durch schnelleren Geldumsatz anzukurbeln oder um die Geldmenge zu reduzieren. Er kann herunter gesetzt werden, wenn inflationäre Hektik entsteht.

Schon bald wird sich dann auf dem Markt ein einigermaßen stabiler Wechselkurs zwischen DDM und Euro herausbilden. Dann entsteht aber ein Problem: Wer seine DDM in Euro umtauscht und wieder zurücktauscht, kann den Abschlag umgehen! Er tauscht am Samstag 100 DDM gegen 50 Euro und bekommt am Dienstag 100 DDM zurück. Wer das Geld auf dem Konto lässt, hat aber nur noch 99 DDM.

Dafür gibt es eine Gegenmaßnahme, eine Transaktionsgebühr, sagen wir von 15% und zwar in beide Richtungen. Wer fünfzig Euro kaufen will, muss 115 DDM abbuchen lassen und wer zurücktauschen will, bekommt nur 85 DDM. Kurzfristiges Umtauschen lohnt sich also gar nicht. Und weil der Umtausch auf Karte oder Konto erfolgt, kann der Staat auch sicher sein, dass die Transaktionsgebühr erhoben wird.

Die Transaktionsgebühr ist ein weiterer Parameter, mit dem die öffentliche Geldquelle die Finanzen steuern kann. Sie kann so den Abfluss von DDM erschweren und den Zufluss von EURO begünstigen oder umgekehrt. In beide Richtungen wird dann eine unterschiedliche Transaktionsgebühr erhoben.

Das nächste Problem, das für die degressive digitale Währung gelöst werden muss, ist die Kreditvergabe.

Wenn man den Abschlag im negativen Bereich nicht vom Saldo-Betrag, sondern vom Absolutbetrag auf dem Konto berechnet und dann vom vorhandenen Negativ-Betrag abzieht, funktioniert die DDM auch mit Negativ-Beträgen und man kann die Konten überziehen. Sofort verständlich wird das am Beispiel:

Jemand hat 100 DDM auf seinem Konto und kauft einen Flachbildschirm für 200 DDM, dann hat das Konto einen negativen Saldo von -100 DDM. Findet die nächste Transaktion ohne Veränderung auf dem Konto eine Woche später statt, wird der Abschlag vom Absolutbetrag berechnet und dann abgezogen:

- 100 absolut genommen, sind 100 mal 1% ist 1 und das wird abgezogen:

- 100 - 1 = - 101 DDM

Die Überziehung des Kontos bewirkt automatisch einen Aufschlag auf die Schuld, ähnlich wie ein Zins.

Würde man den den Abschlag vom Saldo berechnen und dann abziehen, würde sich die Schuld verringern:

- 100 mal 10% = - 1

Wenn man das Negative dann abzieht ergibt sich + 1

- 100 + 1 = - 99

Das macht natürlich keinen Sinn. Die Schuld würde am Ende gegen Null konvergieren, ohne dass man etwas zurückzahlt.

Wir sehen, auch für unbürokratischen Überzugkredit ist die degressive digitale Währung bestens geeignet.

Jetzt kommt natürlich die Frage: Wie soll man so ein Unterfangen wie die Einführung einer degressiven Währung in Gang bringen? Nie und nimmer werden die Finanzakteure, Politiker und Mediengurus dem gleich zustimmen. Man wird es nicht zur Kenntnis nehmen und bestenfalls einen umstrittenen Vorschlag nennen, der die Geldstabilität bedroht und den Leuten ihr Erspartes wegnimmt.

Deshalb ist es vorsichtig und klug, die Direkte Digitale Mark erst einmal als Zweitwährung einzuführen. Das wäre lukrativ für ein Land, das in Zahlungsschwierigkeiten ist und/oder vor dem Konkurs steht, oder auch dann, wenn das bestehende Finanzsystem zusammenbricht. Am allerbesten als Präventivmaßnahme schon dann, wenn mit einem Zusammenbruch, dem Finanz-Tsunami, gerechnet werden muss. Dann wäre es gut, wenn man die DDM schon hat, das heißt, die entsprechende Software bei der Kontoführung, die App fürs Mobile Netz, die entsprechenden Geldkarten und die Lesegeräte.

Die Einführung kann in der Form beginnen, dass ein Staat wie Griechenland mit DDM seine Beamten, Angestellten und Rentner bezahlt und er verpflichtet den Handel und die Wirtschaft, die degressive Währung anzunehmen.

Unter diesen Voraussetzungen wird sich für den Umgang mit Geld im normalen Leben nicht viel ändern, außer dass fast alles per Karte, Smartphone oder Überweisung bezahlt wird.

Eine degressive Währung kommt den natürlichen Gesetzen der lebendigen Ökonomie näher als das bestehende System, das die bekannten Probleme aufwirft: Riesige Geldmenge außerhalb der Kontrolle von demokratischen Staaten und Steuerbehörden, Aufblähen und Destabilisierung der Aktienkurse, unermessliche Staatsschulden und nicht zuletzt Konzentration von Milliarden in der Hand immer weniger professioneller Spekulanten. Das ist Geld, das nur im Finanzsektor kursiert und der natürlichen Zirkulation entzogen wird.

Die degressive Währung wirkt umgekehrt, wer sein Geld in Form von DDM in der ersten Woche wieder ausgibt, hat am meisten davon. Wer soviel kassiert, dass er es nicht ausgeben kann oder nicht ausgeben will, ist im Nachteil. Die Umverteilung von unten nach oben wird gestoppt.

Es sind also nicht mehr die Groß-Geldbesitzer, die die Wirtschaft mit ihrer Kapitalmacht antreiben und dirigieren und dafür als Gegenleistung eine hohe Rendite verlangen, sondern es sind alle, die überhaupt Geld in der Hand haben und ihre DDM bald wieder ausgeben.

Das ist ein direkter Schritt in die Finanz-Demokratie.

Anmerkungen:

Die Idee einer degressiven Währung stammt von dem deutschen Abenteurer und Philosophen Silvio Gesell, der im heute belgischen St. Vith geboren wurde. Man nannte dieses Geld Freigeld. Es wurde realisiert durch Geldscheine mit einem Ausgabedatum, deren Wert immer neu berechnet werden musste. Trotz der Kompliziertheit, ohne Digitaltechnik, wurde Freigeld auf lokaler Ebene in Österreich Anfang der 1930er Jahre mit Erfolg eingesetzt, bis der Staat es verbot, weil er das Währungsmonopol beanspruchte.

Die Auswüchse und Bedrohungen des Finanzwesens wurden durch den Autor Ernst Wolff historisch betrachtet und in seinem Buch "Finanz-Tsunami″ geschildert, das der Autor 2017 im Eigenverlag veröffentlicht hat. ISBN 978-3-00-057533-4

Rob Kenius studierte Physik an der RWTH Aachen und war dort Chefredakteur der Studentenzeitung. Nach dem Diplom verließ er die akademische Laufbahn, wurde selbständig als Inhaber eines Musik-Clubs und dann als Medienkaufmann. Heute lebt er als freier Autor in Köln und betreibt die Webseite kritlit.de.

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