Geleakte Eingaben zum UN-Klimareport: Wie Verharmloser ihren Ländern schaden

Extremtemperaturen? Und wenn schon, denken sich Staaten, in denen Lobbyisten des fossilen Kapitalismus viel zu sagen haben. Symbolbild: Gerd Altmann auf Pixabay (Public Domain)

Der BBC liegen aufschlussreiche Dokumente vor: Rund 32.000 Eingaben von Staaten, Unternehmen und Interessengruppen zum Bewertungsbericht des Weltklimarats

Mehrere Staaten haben laut einem Bericht der BBC versucht, in einem UN-Report zum menschengemachten Klimawandel die Notwendigkeit der schnellen Abkehr von fossilen Energieträgern herunterzuspielen. Unter anderem Australien, Japan und Saudi-Arabien hätten sich dafür eingesetzt, dass in dem Bericht Forderungen nach einem raschen Ende für fossile Brennstoffe abgeschwächt oder ganz gestrichen würden, berichtete die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt an diesem Donnerstag.

Das gehe aus geleakten Dokumenten des Weltklimarats (IPCC) hervor, die Greenpeace-Aktivisten der BBC zugänglich gemacht hätten. Insgesamt handle es sich um mehr als 32.000 Eingaben von Regierungen, Unternehmen und anderen interessierten Parteien an das Wissenschaftlerteam, das den UN-Bericht erstellt, der die weltweiten Erkenntnisse zum Ausmaß und zur Bekämpfung des Klimawandels zusammenfasst. Der Zeitpunkt des Leaks ist kein Zufall: In wenigen Tagen beginnt die Klimakonferenz COP26 in Glasgow.

Die Eingaben zielten aber laut dem BBC-Bericht nicht alle auf eine Verharmlosung der drohenden Klimakatastrophe ab. Einige seien konstruktiv abgefasst und darauf ausgerichtet, die Qualität des Reports zu verbessern. Manche Eingaben waren aber demnach erkennbar von sehr kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geleitet. Obwohl sie zum Teil von Ländern stammen, die schon jetzt hart vom Klimawandel betroffen sind.

Größter Erdölexporteur findet Emissionsminderung nicht so dringend

Ein hochrangiger australischer Regierungsbeamter, dessen Land einerseits in den letzten Jahren mit schweren Waldbränden zu kämpfen hatte, aber andererseits über rund zehn Prozent der weltweiten Kohlevorräte verfügt, bestritt demnach, dass die Schließung von Kohlekraftwerken überhaupt notwendig sei.

Zitiert wird auch ein Berater des saudischen Ölministeriums: "Sätze wie 'die Notwendigkeit dringender und beschleunigter Reduktionsmaßnahmen auf allen Ebenen...' sollten aus dem Bericht gestrichen werden." Das islamische Königreich Saudi-Arabien ist mit Abstand der größte Erdölexporteur der Welt, aber zugleich einer der Golfstaaten, deren Großstädte bei ungebremsten Emissionen in absehbarer Zeit mit Temperaturen von weit mehr als 50 Grad unbewohnbar werden könnten.

Fleischexporteure gegen Senkung des Fleischkonsums

Brasilien und Argentinien - beides Länder, in denen die Rinderzucht ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, die aber auch mit Dürren zu kämpfen haben - sollen in ihren Eingaben gegen die Empfehlung argumentiert haben, den weltweiten Fleischkonsum zu reduzieren.

Reiche Länder wie die Schweiz sollen versucht haben, Referenzen zur Bedeutung finanzieller Hilfen für ärmere Länder im Kampf gegen den Klimawandel abzuschwächen. Japan und China hätten sich für Technologien starkgemacht, durch die der Ausstoß von CO2 gebunden statt verhindert werden soll. Mehrere vor allem osteuropäische Länder warben dem Bericht zufolge für eine positivere Betrachtung der Atomkraft.

Der IPCC betonte, die Eingaben und Kommentare von Regierungen seien Teil des Überprüfungsprozesses für den Entwurf des alle sechs bis sieben Jahre erstellten Bewertungsberichts. Die beteiligten Wissenschaftler stünden aber unter keinerlei Druck, die Vorschläge zu übernehmen.

(Claudia Wangerin)