Genetisch veränderte Pflanzen doch nicht ungefährlich?

Holländische Wissenschaftler haben Hinweise auf die Übertragung von Genen im Verdauungstrakt gefunden

Massiv werden derzeit die Vorteile von genetisch veränderten Pflanzen propagiert. Sie sollen mit ihren neuen Eigenschaften beispielsweise das Ausbringen von Pestiziden und Fungiziden verringern helfen und natürlich den Ertrag steigern. Bislang wurde von den Bio-Tech-Firmen immer behauptet, daß von solchen Pflanzen weder für die Umwelt noch für die Menschen irgendein Schaden ausgehe. Holländische Forscher haben jetzt aber Hinweise dafür geliefert, daß Pflanzen, in die Gene zur Resistenz gegenüber Antibiotika eingebracht wurden, doch nicht so harmlos sein könnten.

In vielen vorverarbeiteten Lebensmitteln befinden sich bereits Bestandteile von genetisch veränderten Pflanzen. Es handelt sich dabei vornehmlich um Mais und Soya. Hauptexporteur sind die USA. Die Firmen mischen gerne gewöhnliche Pflanzenprodukte mit denen genetisch veränderten Pflanzen. In der EU müssen erst solche Lebensmittel mit Bestandteilen von genetisch veränderten Pflanzen gekennzeichnet werden, die nach 1997 eingeführt wurden. Überdies müssen die Bestandteile durch Tests nachweisbar sein.

Die Befürworter der Gentechnik vergleichen oft die genetisch veränderten Pflanzen mit den auf traditionelle Weise gezüchteten, bei denen gleichfalls natürlich genetische Veränderungen über die Zeit hinweg stattfinden und die nicht die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen. So galt es bislang auch als unbedenklich, wenn man Gene mit Antibiotika-Resistenz als Marker in Gen-Getreide einbringt, das als Futter für Haustiere verwendet wird, da die veränderte DNA im Verdauungstrakt schnell zerstört werde.

Die holländischen Forscher haben jetzt aber nachgewiesen, daß die DNA, die mit Lebensmittel in den Magen gelangt, dort noch eine Weile intakt bleiben kann. Die Wissenschaftler des Staatlichen Instituts zur Qualitätskontrolle für Agrarprodukte verwendeten für ihr Experiment, so New Scientist, einen computergesteuerten künstlichen Verdauungstrakt (TIM), mit dem man die Verdauung von Nahrung nachahmt und der die normal in diesem befindlichen Mikroorganismen und Enzyme enthält.

In den künstlichen Verdauungstrakt wurden Bakterien eingebracht, deren Genom mit Genen ausgestattet war, die gegenüber Antibiotika resistent waren. Die Hälfte der DNA konnte sechs Minuten überleben, was genug Zeit sei, Zellen zu verändern. Wenn die Bakterien mit dem gentechnisch veränderten Genom auch normalerweise im Verdauungstrakt leben, so bestehe einmal in 10 Millionen Fällen die Möglichkeit, daß die Gene auf andere Bakterien übertragen werden. Das klingt wenig, doch leben hier Hunderte von Milliarden Bakterien. Wenn man einige der Bewohner des Verdauungstrakts abtötet, wie das auch bei der Einnahme von Antiobiotika geschieht, dann steigert sich die Übertragungsrate um das Zehnfache. Ob auch nicht im Verdauungstrakt lebende Bakterien Gene für Antibiotika-Resistenz übertragen können, ist noch offen. Bislang konnte man dies nicht nachweisen.

Wenn Gene mit einer Antibiotika-Resistenz von den körpereigenen Bakterien aufgenommen werden, dann könnten sich daraus auch resistente Krankheitskeime entwickeln, die von den Nutztieren auch auf die Menschen überwandern könnten. Das Risiko ist also nicht von vorneherein auf Null anzusetzen, wenn es um gentechnisch veränderte Pflanzen geht.

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