Gentest beim Studienbeginn

Zur Begrüßung können Studenten an der University of Berkeley einen Gentest machen, um in die personalisierte Medizin eingeführt zu werden

Für neue Studenten hat sich das College of Letters and Science an der University of Berkeley etwas Besonderes ausgedacht. Früher erhielten die Studienanfänger oder von einer anderen Universität kommenden Studenten im Rahmen des Programms On the Same Page beispielsweise ein Buch von Stephen Hawking als Einstiegsgeschenk, das sie mit Kollegen und Professoren diskutieren sollten. Es wurde auch zu Filmvorstellungen mit anschließender Diskussion eingeladen.

Dieses Mal soll es um personalisierte Medizin gehen, weswegen die Studenten zur Begrüßung ein Wattestäbchen erhalten. Das sollen sie mit einer Speichelprobe, die von einer inneren Backenseite stammt, anonym einschicken. Die Ergebnisse der DNA-Analyse sollen ihnen dann "die in ihren Genen verborgenen Geheimnisse aufschließen".

Die Idee stammt von Jasper Rine, einem Professor für Genetik und Entwicklungsbiologie, der 2006 aufgrund seines vorbildlichen Lehre einen Preis in Höhe von einer Million Dollar erhalten hat, um den Lehrplan aufzumöbeln. Seine Idee ist, die Studenten nicht nur theoretisch zu unterrichten, sondern sie schon früh in die praktische Forschung einzuführen. Das ist auch der pädagogische Ansatz, die DNA von den neuen Studenten einzusammeln und auszuwerten, schließlich sei es die entscheidende Herausforderung der menschlichen Biologie dieses Jahrhunderts, "den Einfluss der Variation in jedem von unseren Genomen zu verstehen", erklärt Rine.

Die Analyse soll genetische Faktoren aufdecken, die die Gesundheit betreffen, aber nicht bedrohlich sind. Sie betreffen die Aufnahme von Folsäure, die Toleranz für Alkohol und die Möglichkeit, Laktose zu verarbeiten. Das pädagogische Projekt soll nämlich auch lebenspraktische Dimensionen haben, denn wenn die Studenten einen Risikofaktor haben, können sie diesen angeblich leicht durch eine Umstellung des Lebensstils beeinflussen, nämlich gesünder zu essen, den Alkoholkonsum oder die Aufnahme von Laktose zu reduzieren. Selbst negative Ergebnisse würden das Wissen vergrößern, was sich wieder in Macht übersetzen lässt. Aber man will die Studenten mit ihren persönlichen genetischen Erkenntnissen dann auch in Diskussionen über Politik und Ethik hineinziehen oder einen Kreativwettbewerb veranstalten. Die Gewinner erhalten dann von der 2007 gegründeten kalifornische Firma 23andMe eine Genanalyse gestiftet, die Aufklärung über ihre Abstammung und Gesundheit leisten soll.

Einer der Investoren von 23andMe ist, wie man weiß, Google, da die Mitbegründerin Anne Wojcicki mit Sergey Brin verheiratet ist. Im Grunde ist das pädagogische Einstiegsgeschenk eine Werbemaßnahme für die Genfirma, die die Genanalysen auch für Forschungszwecke verwertet (Bauernfängerei mit Gentests im Internet). Versprochen wird, dass die genetischen Daten anonym bleiben und nur der Spender mit einem angeblich sicheren Passwort auf die verschlüsselten Informationen zugreifen könne. Im Fall der Studenten erhalten sie nur einen Bruchteil der Information, für weitere Einblicke müssen sie dann wohl doch wieder Geld locker machen, ansonsten sollen die Daten nach dem Experiment wieder gelöscht werden. Damit ist es auch ein Experiment mit dem Vertrauen, die Universität hofft wohl, durch die Werbung mit der Genanalyse mehr Studenten anzuziehen.

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