Genveränderte Maissorte unter Verdacht

Streit um eine Gen-Maissorte, die nach einer nicht veröffentlichten Monsanto-Studie bei Ratten zu Veränderungen geführt hat

Vor sieben Jahren kam ein britischer Forscher zu dem Ergebnis, dass zumindest bei Ratten genveränderte, gegen Pestizide resistente Kartoffeln zu gesundheitlichen Schäden führten (Genetisch veränderte Lebensmittel). Die Ernährung mit den Kartoffeln hemmte das Wachstum der Ratten und beschädigte deren Immunsystem sowie andere Organe wie den Magen oder die Leber. Aufgrund seiner Studie wurde Arpad Pusztai pensioniert, weil diese angeblich mangelhaft war (Frankenstein-Lebensmittel). Ein ähnlicher Streit ist ausgebrochen, nachdem sich bei einer Toxititätsstudie von Monsanto bei einer genetisch veränderten Maissorte, die der Konzern in die EU einführen will, mögliche Hinweise auf gesundheitliche Folgen ergeben haben.

In der vom Genkonzern Monsanto selbst erstellten Studie wird über einen Versuch wieder mit Ratten berichtet, die mit genverändertem Mais gefüttert wurden. Diese in den USA bereits angebaute Maissorte - MON 863 - ist resistent gegenüber Herbiziden und soll mit dem Insektengift Bt-Toxin (Bacillus thuringiensis) die Schmetterlingslarven des Maiszünslers abwehren. Letztes Jahr wurde sie von der European Food Safety Authority für unbedenklich erklärt und für den Markt freigegeben:

MON 863 maize is unlikely to have an adverse effect on human and animal health or on the environment, in the context of its intended use.

Zugelassen für den EU-Markt wurde MON 863 jedoch bislang nicht. Im Regelungsausschuss fand sich Ende 2004 dafür keine Mehrheit, die Maissorte wurde zum Politikum. Vertreter von einigen EU-Mitgliedsstaaten forderten bei der letzten Entscheidung Ende 2004 weitere Informationen über Monsantos Toxizitätsstudie. Ein Jahr zuvor hatte die "Commission Du Genie biomoleculaire" (CGB) des französischen Landwirtschaftsministeriums nach Durchsicht der Studie weitere Untersuchungen gefordert. Bei einem Versuch wurden an 400 Ratten MON 863 und herkömmliche Maissorten verfüttert. Bei den Ratten, die 90 Tage lang mit MON 863 gefüttert wurden, zeigten sich Veränderungen im Blutbild und bei der Niere, die gegenüber den Kontrolltieren um durchschnittlich 7 Prozent kleiner war und Zeichen von Entzündung aufwies. Das könnte, wie manche Experten sagen, ein Hinweis auf eine Beeinträchtigung des Immunsystems sein.

Monsanto hat bislang nur das Ergebnis der Studie veröffentlicht, weigert sich aber, den Text der gesamten Studie vorzulegen, weil das eine "vertrauliche Unternehmensinformation" sei. Wie oft, wenn Informationen zurück gehalten werden, erzeugt das Misstrauen. Behörden und Gutachter haben allerdings die gesamte Studie erhalten und sich mittlerweile für die Zulassung ausgesprochen. So hat auch das Robert-Koch-Institut die Maissorte für unbedenklich erklärt. Zwei von Monsanto beauftragte Gutachter kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass die Daten innerhalb des Rahmens normaler Variabilität liegen und keinen Hinweis für eine Gefährdung darstellen. Schließlich sprach sich auch die CGB dafür aus, die zuerst für die Beunruhigung gesorgt hat. Greenpeace hingegen fordert von den Behörden und Monsanto die Veröffentlichung der ganzen Studie, um die Versuchsbedingungen überhaupt überprüfen zu können, und sieht vorerst "signifikante Unterschiede" bei den Ratten, weswegen die Maissorte nach Ansicht der Umweltorganisation nicht zugelassen werde sollte. Die Politiker haben eine Entscheidung bis jetzt hinausgezogen.

Ende April hat nun EU-Kommission beim Rat den Vorschlag eingereicht, die Maissorte zuzulassen, nachdem es im Ausschuss dafür keine Mehrheit gegeben hat. Der Rat hat nun drei Monate Zeit für eine Entscheidung, wird keine getroffen, geht die Angelegenheit zurück zur Kommission.

Nach dem britischen Independent würden nun aber auch britische Minister weitere Untersuchungen fordern. Ein Sprecher von Monsanto sagte gegenüber der Zeitung: "Wenn einer dieser bekanten Biotech-Kritiker Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Studien hat, dann hätte er sie gegenüber den Zulassungsbehörden geltend machen sollen. Schließlich ist MON 863 nicht neu und wurde von neun anderen globalen Behörden seit 2003 als so sicher wie herkömmlicher Mais beurteilt." (Florian Rötzer)