Gerüchteküche: Hat das Pentagon Atomwaffen aus Incirlik nach Rumänien verlegt?

Eine U.S. Air Force C-5M Super Galaxy in Incirlik. Bild: DoD

Russland verstärkt Truppen an der Grenze zur Ukraine, melden Westmedien aufgeregt

Mit der Annäherung von Moskau und Ankara wachsen die Spannungen zwischen Russland und der Nato. Moskau hatte bereits nach den angeblichen vom ukrainischen Geheimdienst organisierten Sabotageversuchen auf der Krim angekündigt, dass weitere Gespräche über die Umsetzung des Minsker Abkommens nicht sinnvoll seien. Kiew hat die Truppen in der Ostukraine und an der Grenze zur Krim in erhöhte Kampfbereitschaft versetzt.

Jetzt wird aufgeregt gemeldet, Russland haben Tausende von Soldaten an die westliche Grenze zur Ukraine in neu gebaute Stützpunkte verlegt, von 40.000 wird gesprochen. Moskau begründet die Verlegung mit Bedrohungen seitens der Nato. Das Wall Street Journal verweist auf Militärexperten, die sagen, Moskau wolle eine permanente Militärpräsenz an der Grenze zur Ukraine aufbauen. Die russischen Pläne, so wird Anton Lavrov vom Moskauer Thinktank CAST zitiert, zeigen, dass Russland auch militärische Gewalt anwenden wolle, falls dies als erforderlich betrachtet werde, beispielsweise zur Unterstützung der "prorussischen Rebellen" im Donbass.

Sputnik berichtet, dass der russische Nato-Gesandte Alexander Grushko gestern gesagt habe, Russland müsse alle Maßnahmen ergreifen, um auf die Bedrohungen zu reagieren, die durch die neue Truppenpräsenz der Nato in den osteuropäischen Ländern entstehen, wie sie auf dem Nato-Gipfel in Warschau beschlossen wurde. Gleichwohl sei die Verstärkung der Truppen auf der Krim nicht gegen die Nato gerichtet, fügte hinzu. Tausende Soldaten der Collective Security Treaty Organization (CSTO), zu der Russland, Armenien, Tadschikistan, Weißrussland, Kirgisien und Kasachstan gehören, führen gerade im Nordwesten Russlands eine Übung durch.

Nach der WSJ hätten US-Militärs, die die Truppenbewegungen seit 2 Jahren überwachen, "Hinweise auf eine unmittelbare Bedrohung" ausgemacht. Aber die WSJ macht selbst auch deutlich, dass dies keineswegs die allgemeine Einschätzung wiedergibt, auch wenn Kiew wieder einmal warnte, dass Russland mit der Geschichte der gescheiterten Sabotageversuche einen Vorwand für eine Intervention schaffen wollte. Die Scharmützel zwischen den Milizen der "Volksrepubliken" und den ukrainischen Truppen und Milizen haben sich in letzter Zeit wieder verstärkt. Fast täglich gibt es Tote.

Die Truppenverlegung ist allerdings keine unmittelbare Reaktion. Schon im April hatte der russische Verteidigungsminister Shoigu angekündigt, neue Truppen an die Westgrenze zu verlegen, in Folge der Nato-Entscheidung, vier Bataillone an der Grenze zu Russland zu stationiere. Die Rede ist von drei Divisionen mit je 10.000 Mann. Der Bau von neuen Stützpunkten hat bereits im letzten Jahr begonnen. Ab September sollen jährlich Militärübungen nahe der ukrainischen Grenze im Donbass und auf der Krim stattfinden.

Interessant in diesem Zusammenhang sind Gerüchte, dass das Pentagon Atombomben, die bislang auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationiert hatte, nach Rumänien, also näher an die Ukraine und Russland, verlegen soll. Es gab bereits Warnungen, dass angesichts der instabilen Lage der Türkei und den wachsenden Konflikten zwischen Ankara und den USA die Atombomben in der Türkei gefährdet sein könnten (Türkei drängt nach der Eroberung von Manbij). Während des gescheiterten Putschversuchs war der Stützpunkt von Ankara isoliert und von der Stromversorgung abgehängt worden.

Euractiv.com berichtete gestern, dass nach zwei voneinander unabhängigen Quellen das Pentagon begonnen habe, Atombomben aus der Türkei zu verlegen. Es soll sich um 20 oder mehr Atombomben handeln. Angenommen wird, dass die USA um die 50 Atombomben in Incirlik stationiert haben. Der Grund sei, dass sich die Beziehungen zwischen Ankara und Washington nach dem Putschversuch (und mit der Versöhnung mit Moskau) drastisch verschlechtert haben. Ankara drängt auf die Auslieferung von Gülen, der der Drahtzieher des Putsches sein soll, Washington zögert und sagt, es gebe noch keine handfesten Beweise dafür. Rumänien streitet allerdings ab, dass US-Atomwaffen verlegt worden sind.

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