Geschäftsmodell Überfüllung

Screenshots: TP

Ein Video, das zeigt, wie ein Passagier mit gültigem Ticket mit Gewalt aus einem Flugzeug gezerrt wird, wirft Fragen auf

In Sozialen Medien sorgt derzeit ein Video für Furore, auf dem zu sehen ist, wie drei Uniformierte einen älteren Asiaten aus seinem Flugzeugsitz zerren und durch den Gang schleifen. Bei dem Mann handelt es sich um David D., der am Sonntag von Chicago nach Louisville in Kentucky fliegen wollte und trotz eines gültigen Tickets das Flugzeug verlassen sollte.

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Grund dafür war, dass die Fluggesellschaft United Airlines (UA) unbedingt vier Mitglieder einer anderen Flugzeugcrew transportieren wollte, für die keine Plätze frei waren. Deshalb bot man Passagieren, die auf ihre Mitreise verzichten, erst 400 und danach 800 Dollar, für die jedoch niemand seinen Platz räumen wollte. Auch Drohungen, die Maschine werde erst starten, wenn sich vier Verzichter gefunden hätten, führten nicht zum Ziel.

Anschließend verkündete der Kapitän, nun werde der Computer vier Personen auswählen, die das Flugzeug verlassen müssten. Drei davon kamen der Aufforderung nach - den vierten, David D., ließ UA durch Sicherheitskräfte so gewaltsam entfernen, dass er sich dabei (angeblich beim Sturz auf eine Armlehne) eine blutende Gesichtswunde zuzog. Darauf hin mussten alle Passagiere die Maschine verlassen und etwa zwei Stunden warten, bis sie gesäubert war und schließlich abflog.

In einem ersten Tweet nach dem Viralwerden des Videos räumte UA ein, den Flug "überbucht" zu haben. Diese Praxis, dass mehr Tickets verkauft werden, als tatsächlich zur Verfügung stehen, ist bei Fluggesellschaften Standard, weil sie Software einsetzen, die ihnen Wahrscheinlichkeiten dafür errechnen, dass nicht alle Passagiere ihre Reise tatsächlich antreten. Ein Kriterium dafür ist, wie viele Japaner und Inder Tickets gekauft haben: Mit Japanern verringert sich die "No-Show-Rate" potenziell, mit Indern steigt sie. Zum Teil erhöhen Fluggesellschaften selbst die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Flüge nicht angetreten werden, weil sie Käufern ihrer teureren Business-Class-Tickets das Recht einräumen, ihre Reisepläne jederzeit zu ändern.

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