Geschirrspülen im All

Bild: © Ascot Elite Entertainment Group

Frauen im Weltraum

Zu Teil 1 Frauen im Weltraum

Um die 18. Minute sitzt die sechsköpfige Besatzung des Raumschiffes Europa One in dem Science-Fiction-Film "Europa Report" aus dem Jahr 2013 um den Mittagstisch. Man ist sich nicht sicher, ob das fertig verpackte Essen auf den Portionstellern ein Nudel-Käse-Auflauf oder eine Lasagne ist. Man sieht Plastikbehälter mit eingeschweißtem Nachtisch, und die Flaschen enthalten Wasser das, wie wir zuvor hörten, aus dem Urin der Besatzung recyclet wurde. Kurze Zeit später ist das Essgeschirr in einen Plastik-Kübel verpackt, einer der Männer schnippt noch etwas Liegengebliebenes hinterher — seitwärts aus dem Bildrahmen in den Müll-Container.

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Es ist nicht Aufgabe der weiblichen Crew-Mitglieder, in der Art von Stewardessen, den Tisch abzuräumen. Im Gegenteil, die Cheffliegerin wird als erfahrene Testpilotin vorgestellt.

In den Kurzgeschichten um den Weltraumpiloten Pirx, geschrieben von dem berühmten polnischen Sci-Fi-Autor Stanislaw Lem und zuerst erschienen 1966, gibt es keine weiblichen Mitfahrer. Die Männer kümmern sich selber um das Geschirr, und statt ihre Plastikteller in den Weltraum zu entsorgen, waschen sie ihr Geschirr mit eigener Hand. Und wir dürfen annehmen, dass die Teller aus Porzellan sind. Ist das nun ein Rückschritt oder Fortschritt?

He went on sitting at the table. He knew there were dishes to be washed. That he would have to be stingy with the tap water -- water, that precious commodity flown in in ice blocks and fired into the basin at the foot of the station on a two-and-a-half-kilometer parabola. They couldn't afford to waste a drop of the wet stuff.

He knew all that and still didn't budge. He couldn't even muster the energy to lift his arm when it fell limply onto the edge of the table. His head was still reeling from the heat and the waste and the darkness and the silence that pressed on this steel shell from all sides. He rubbed his burning eyes that felt sand-whipped, stood up, and, feeling twice his normal weight, cleared the table and dumped the dirty dishes into the sink and started rinsing them with a trickle of warm water. And as he stood there scrubbing the dishes, turning them over in his hands, scraping off the little globs of fat, he smiled at his own dreams, which had been left behind somewhere on the trail leading up to the Mendeleev ridge, dreams that now seemed so distant in time and place, so absurdly inappropriate, that he did not even need to feel ashamed of them.

In "Europa Report" beschallen die Männer ihr gemeinsames Habitat mit halblauten Hip-Hop Klängen, wie in einem Supermarkt. Da wir aus dem kurzen Klangbeispiel nicht wirklich schlau werden, müssen wir, da wir Hip Hop generisch kennen, annehmen, dass in den Songs regelmäßig Wörter wie "Ho'" ("Nutte") oder "Motherfucker" ("Mutterficker") vorkommen — dass also ein frauenfeindliches Ambiente auch in der näheren Zukunft noch die Umwelt der Frauen durchdringen wird.

II

Es gibt ein Interview mit der italienischen Weltraumpiloten Samanta Cristoforetti, das man hier nachlesen kann - und man kann auch mehr oder weniger den gleichen Text als Audiopräsentation hören.

Es ist ein hübscher Film, Frau Cristoforetti kommt rüber als eine charmante und lebhafte Naturwissenschaftlerin und Luftfahrtenthusiastin, mit einem speziellen Interesse am Ingenieurwesen und einer Karriere als amerikanische Luftwaffenpilotin. Von da zur Astronautik war es dann nur noch ein Katzensprung.

Der unsichtbare Interviewer ist ein Amerikaner mit einer jener vollmundigen Stimmen, die man mit amerikanischen Militärfilmen in Verbindung bringt. Und auch dieses Filmchen, ca. um die 15. Minute, lässt die italienische Astronautin als ihr Lebensziel die Programmpunkte der NASA aufzählen, Ferien auf einem Asteroiden, Besuch auf dem Mars oder Mond, eine Zukunft in der amerikanischen Erkundung des Weltraums.

Dazu kommt eine Beatles-Frisur aus 1965, die ihre Weiblichkeit nicht völlig aushebelt, aber doch ein wenig nivelliert. Wir wissen nicht, ob sie eine vierfache Mutter ist oder doch eher eine katholische Nonne. Aber sie wird unter ihren männlichen Kollegen nicht durch übertriebene Kiekser und glockenhelles Lachen auffallen wollen.

Andererseits erinnert sie mich ein wenig an Ingrid Bergmann, die schwedische Hollywood-Göttin, die beispielsweise eine amerikanische Lesung von Jean Cocteaus "La Voix Humaine" hinlegte, nachdem sie vorher von einer amerikanischen Aussprache-Lehrerin gecoached worden war. Die Bergmann schlidderte allerdings immer wieder aus ihrem erlernten Patois heraus und ersetzte das fehlende Element durch das, was sie ohnehin am besten konnte — den kontrollierten Träneneinsatz.

Auch Frau Cristoforetti hat ihren Text offensichtlich vorher einstudiert. Wenn sie an Stellen kommt, wo sie eher improvisieren muss, fällt sie aus ihrem amerikanischen Akzent leicht einmal raus und klingt dann etwas mehr wie die Loren in "Charade". Mehr wie eine Schauspielerin, die ihren eigenen Text nicht versteht oder von ihrem Regisseur manipuliert wird. Ist das alles, wozu Frauen im Weltraum taugen? Zur Propaganda für die NASA?

III

Auch Matt Damon spielte in einem NASA-Propaganda-Streifen mit — "The Martian" (2015.) Ich hatte den Roman gelesen, das Audiobuch mir angehört und den Film angesehen. Physikerfreunde bestätigten mir, dass die Physik in dem Film durchaus Hand und Fuß hatte. Mich hatte eher das Robinson-Thema der Geschichte interessiert. Matt Damon wird auf dem Mars als vermeintlich Verunfallter zurück gelassen und muss nun seine eigenen Kartoffeln züchten, um zu überleben.

Anschließend reist er quer durch Jordanien, das hier den Mars darstellen soll, um mit seinen früheren Kameraden zusammen zu kommen, die ihren anderslautenden Befehlen nicht gehorcht haben, nur um ihn zu retten. Ist es wirklich Jessica Chastain, seine hübsche Kommandöse, die ihn gerettet hat?

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Nun ja, das ist dann so ein bisschen untergegangen, weil die NASA, die bei dem Film aktiv mitwirkte, eher an einem Pfadfinderfilm mit viel Technik und männlichen Helden interessiert war.

Chastain hatte sich für ihre Rolle vorbereitet, indem sie sich mit echten Astronauten und Wissenschaftlern traf, und auch die menschliche Seite der Figur, die sie darstellte, zu ergründen versuchte. Die Raumschiffchefin fühlt sich schuldig, weil sie ein verletztes Crew-Mitglied allein zurück gelassen hat, aber sie ist immer noch für das Leben der übrigen Astronauten verantwortlich.

Das alles interessierte den Regisseur Ridley Scott eher weniger. Matt Damon ging mit dem Regisseur jede Szene einzeln durch, um einen Plan zu enwicklen, "wie wir das alles in Angriff nehmen sollten", sagte er. Der Erfolg des Filmes gab ihnen recht. Auch im Weltraumfilm ist den Frauen die Rolle zugedacht, die sie bereits in der US-Armee einnehmen. Die amerikanischen Soldatinnen sind dort häufig Opfer sexueller Aggression — von ihren eigenen Leuten. (Tom Appleton)

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