Geschlossener Mund und neutraler Ausdruck

Die Porträtfotos für die neuen britischen Pässe, die biometrische Gesichtserkennung ermöglichen sollen, müssen den für den Kampf gegen den Terrorismus erforderlichen Ernst zum Ausdruck bringen

So ungefähr haben wir es gelernt, wie Ausweisbilder auszusehen haben: Blick in die Kamera, Kopf leicht schräg , so dass auch ein - von Haaren unbedecktes - Ohr zu sehen ist, keine Reflexe, kein Farbstich, gute Ausleuchtung, das ganze Gesicht muss zu sehen sein. Keine Vorschrift gibt es, welchen Ausdruck das Gesichts haben soll, normalerweise aber nehmen die Menschen eine mehr oder weniger seriöse Haltung an, wenn sie sich dem Behördenblick konfrontiert sehen.

So nicht!

Irgendwie schaffen es die so pflichtgemäß gemachten Ausweisbilder, mit denen wir stets Jahre lang zu leben haben, uns unzufrieden über unser Aussehen zu halten, während andere immer ganz neugierig sind, die Porträts sehen zu können. Nach einer Umfrage unter Europäern haben die Briten angeblich die größten Probleme mit ihren Passbildern. Ein Fünftel lässt nicht einmal Familienmitglieder sie sehen. Und jetzt müssen ausgerechnet die Briten die Porträtfotos zur Identifikation neuen technischen Bedürfnissen anpassen.

Natürlich, die neuen Ausweise, bei denen die Fotos digital in einem Chip gespeichert werden, um maschinell ausgelesen zu werden, verdanken sich wie so vieles derzeit dem Kampf gegen den Terrorismus. Der Telegraph titelt denn auch ironisch einen Artikel über die neuen Anforderungen:

Schauen Sie traurig, um dem Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen.

Das ist natürlich ein wenig übertrieben, aber nach dem britischen Passamt (UKPS) ist demonstrierte Fröhlichkeit, einhergehend mit strahlend offenem Mund und dem Fletschen der Zähne, der maschinellen Identifikation nicht förderlich und sollte daher unterbleiben. Höchstens ein feines Lächeln ist erlaubt. Schließlich gibt es auch beim Kampf gegen den Terrorismus nichts zu lachen ...

So hat der Ausdruck für ein maschinenlesbares Foto auszusehen ...

Die Scanner müssen die wichtigen biometrischen Merkmale eines Gesichtes erfassen, was offenbar nur geht, wenn die Lippen geschlossen sind. Ein Lächeln mit offenem Mund würde, so ein Sprecher des Passamts, "den Scanner abstürzen lassen". Also lauten die Anweisungen für das benötigte Foto, wenn ab nächstem Jahr ein neuer, fälschungssicherer "ePassport" beantragt wird:

Wenden Sie das Gesicht der Kamera mit einem neutralen Ausdruck und geschlossenem Mund zu.

Die Augen müssen offen und gut sichtbar sein. Sonnenbrillen und Brillen mit stark gefärbten Gläsern sind natürlich tabu. Die Brillen sollen nicht reflektieren, der Brillenrahmen darf die Augen nicht verdecken. Die Haare müssen aus dem Gesicht sein und Kopfbedeckungen sind nur aus religiösen Gründen zugelassen, müssen aber das volle Gesicht zeigen.

Bernard Herdan vom Passamt macht jedenfalls deutlich, wie wichtig das Foto im Zeitalter der Terrorbekämpfung ist:

Diese neuen Richtlinien sind ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des neuen biometrischen ePassport und der Technik der Gesichtserkennung, die 2005 als Teil des Kampf gegen Fälschung und Terrorismus eingeführt wird.

(Florian Rötzer)

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