Gesichtserkennung von Menschenmassen mit einer Fehlerrate von 92 Prozent

Polizei von South Wales verteidigt den Einsatz, der zum Schutz von Großveranstaltungen wichtig wäre, die "mögliche terroristische Ziele" seien

Im Juni 2017 hat die Polizei von South Wales damit begonnen, Video-Überwachung auch von großen Menschenmengen mit Gesichtserkennungstechnik einzusetzen. Dabei werden die Gesichter von Menschen mit einer Foto-Datenbank abgeglichen, um Kriminelle oder verdächtige Personen zu identifizieren. In ihr sollen sich die Bilder von mehr als einer halben Million Menschen befinden. Die Polizei meldete den angeblich erfolgreichen Einsatz. In dem Zeitraum von neun Monaten habe man durch die Gesichtserkennung 2000 Übereinstimmungen gefunden, die zur Festnahme von 450 Verdächtigungen und einigen Verurteilungen geführt haben.

Versichert wird in der Mitteilung zwar, dass keine Gesichtserkennungstechnik hunderprozentig korrekt sei. Aber es sei wegen einer Falsch-positiv-Erkennung niemand festgenommen worden, es habe sich auch niemand beschwert. In aller Regel geschehe nach einer falschen Identifizierung nichts, besteht jedoch ein Verdacht, wird ein Interventionsteam losgeschickt, um den Verdächtigen an Ort und Stelle zu überprüfen. Die Polizisten könnten dann schnell feststellen, ob der Alarm zutraf oder nicht. Überhaupt habe die Polizei Sorgen zum Datenschutz ernst genommen und nicht näher beschriebene "checks and balances" in die Methodologie integriert, "um sicherzustellen, dass der Ansatz legitim und ausgewogen ist".

Alles in Ordnung also? Nicht wirklich, wie der Guardian berichtet. In Cardiff hatte die Polizei im Juni 2017 beim Finale der Champions League zwischen Real Madrid und Juventus die Gesichtserkennung eingesetzt. 170.000 kamen zu diesem Ereignis in die Stadt und es wurden 2.470 Treffer festgestellt. Davon aber waren 92 Prozent oder 2297 falsch positiv. Das ist eine ganze Menge und eine Falschquote, die beunruhigen sollte. Die Überwachung der Menschenmengen in der Stadt mittels der Gesichtserkennung wurde im Juli 2017 vom Hersteller NEC als großer Erfolg dargestellt.

Daraufhin kam es zu der Erfolgsmeldung der Polizei, nach der die Gesichtserkennung zwar nicht hunterprozentig funtioniere, man aber mit ihr 450 Festnahmen gemacht habe. Verurteilt wegen Raub bzw. Einbruch wurden offenbar nur zwei mit der Gesichtserkennung identifizierte Kriminelle. Die Technik, so wird von der Polizei herausgehoben, habe zudem auch in kritischen Momenten geholfen, gefährdete Menschen zu identifizieren. Überdies sei die Technik seit Juni 2017 weiter entwickelt und verbessert worden, so ein Polizeisprecher. Die vielen Falsch-positiven-Identifizierungen werden von Polizei auf schlechte Bilder von der Uefa oder von Interpol zurückgeführt, aber auch darauf, dass es sich um den ersten Masseneinsatz gehandelt habe. Es kam allerdings auch bei späteren Sportveranstaltungen zu einigen Falschalarmen, während bei einem Liam-Gallagher-Konzert alle sechs Übereinstimmungen richtig gewesen seien.

Nach dem Polizeichef Matt Jukes wird die Gesichtserkennung gerade bei Großereignissen eingesetzt, weil diese "mögliche Ziele von Terroristen" seien. Auch hier also muss Terrorismus als Rechtfertigung herhalten: "Wir müssen die Technik einsetzen, wenn wir Zehntausende von Menschen in diesen Mengen haben, um jeden zu beschützen. Und wir beziehen daraus einige großartige Ergebnisse", sagte er der BBC. Man setze die Technik nicht leichtfertig ein und stelle ernsthaft sicher, dass sie genau ist. (Florian Rötzer)

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