Gesponserte Fakten

Die neue Microsoft-Kampagne gegen Linux

Fakten, Fakten, Fakten - damit nervt allwöchentlich nicht nur der Münchener Focus. Auch Microsoft setzt neuerdings auf die Überzeugungskraft von Fakten. "Get the facts on Windows and Linux" heißt die neue Werbekampagne aus dem Hause Microsoft. Sie soll ein halbes Jahr lang laufen und vor allem IT-Fachkräfte in der Wirtschaft von den Vorteilen der Microsoft-Produkte gegenüber der Konkurrenzsoftware aus dem Open-Source-Bereich überzeugen. Open-Source-Fans nehmen's offenbar gelassen hin.

Die neue Microsoft-Werbekampagne wird vor allem in amerikanischen IT-Fachjournalen geschaltet. Sie vergleicht die eigenen Produkte mit denen der Konkurrenz aus dem Open-Source-Bereich und liefert dem eigenen Anspruch zufolge eine Reihe von "Fakten", die man brauche, um die richtige Wahl zwischen Windows und Linux treffen zu können. Dabei berufen sich die Redmonder Werbestrategen auf Untersuchungen z. B. von Giga Research, IDC, Veritest und anderen, die die Überlegenheit der Microsoft-Produkte gegenüber der Linux-Konkurrenz beweisen sollen.

Neu sind diese Untersuchungen allerdings nicht. Man kenne sie seit längerem, meint etwa das britische IT-Magazin The Register, und genauso lange werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen auch schon angezweifelt.

Die "Fakten" der Giga-Research-Studie

Einige der zu Beweiszwecken zitierten Studien stammen nicht aus unabhängigen Quellen, sondern wurden wie zum Beispiel die Giga-Research-Studie von Microsoft in Auftrag gegeben und bezahlt.

Diese Studie verglich die Ausgaben von zwölf Unternehmen, die ein Webportal entwickelten, über einen Zeitraum von vier Jahren. Sieben Firmen verwendeten dabei Windows-Software, die Vergleichsgruppe setzte auf Linux und die Java 2 Enterprise Edition (J2EE). Die Giga-Research-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass große Unternehmen durch den Einsatz von Windows gegenüber Linux bis zu 28 Prozent Kosten sparen könnten - angesichts der Auftraggeber dieser Untersuchung kein wirklich überraschendes Ergebnis.

Mehr gesponserte "Fakten"

Auch die von Microsoft auf der "Get the facts"-Webseite zitierte Studie von IDC will mit ihren Untersuchungsergebnissen belegen, dass das freie Betriebssystem Linux beim Einsatz auf Unternehmensservern langfristig höhere Kosten als Microsofts Betriebssystem Windows 2000 verursache. Nicht die (bei Linux geringeren) Softwarebeschaffungskosten seien die maßgebliche Größe für die Gesamtkosten eines Computersystems. Maßgeblich seien vielmehr die geringeren Kosten, die Windows 2000 hochgerechnet auf den Zeitraum von fünf Jahren verursache.

Bei vier von fünf typischen IT-Aufgaben in Unternehmen sei Windows 2000 trotz höherer Anschaffungskosten letztendlich in den Betriebskosten wesentlich günstiger. Der Einsatz von Linux verlange mehr Aufmerksamkeit und Pflege, heißt es in der IDC-Untersuchung, wodurch mehr Personal benötigt werde. Auf längere Sicht komme der Einsatz von Linux deshalb teurer zu stehen als der Einsatz von Windows-Systemen. Der Pferdefuß auch bei dieser Studie: Sie wurde von Microsoft ebenfalls finanziell unterstützt.

Klassischer Fall von Negativwerbung?

Angesichts solch brüchiger "Fakten" lässt sich die Open-Source-Gemeinde von der neuerlichen Microsoft-Werbekampagne wenig beeindrucken. Diese Kampagne zeige im Grunde lediglich, dass Microsoft Angst vor Linux habe, meint Open-Source-Aktivist Bruce Perens.

In der Tat scheint dieser Werbefeldzug mit seinen zweifelhaften "Fakten" kaum geeignet, gerade die anvisierte Zielgruppe der IT-Fachleute in den Unternehmen von den längerfristigen Kostenvorteilen der in der Anschaffung teuren Microsoft-Produkte zu überzeugen. Das Gegenteil könnte der Fall sein. Die Microsoft-Werbekampagne könnte sich in ihrer Wirkung zu einem klassischen Fall von unbeabsichtigter Negativwerbung entwickeln.

Opensource-Fan Perens gibt den Redmonder Werbestrategen deshalb auch den Ratschlag, diese Werbekampagne noch weiter auszudehnen. "Sie sollten auch im Fernsehen werben", schlägt er vor. "Am besten während des nächsten Superbowls", der Fernsehübertragung des Finales der amerikanischen Football-Profiliga NFL, die in den USA regelmäßig Spitzeneinschaltquoten schafft. (Alfred Krüger)

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