Gewalt und Kriminalität im griechischen Fußball

Der verletzte Stelios Volitakis. Bild: Handout Greek Photo Union

Fußballfans verletzen Sportfotografen schwer

Die Gewaltspirale in Griechenlands Profifußballwelt setzt sich fort. Jüngstes Opfer ist ein Pressefotograf, dessen "Vergehen" darin bestand zwischen dreißig maskierten Hooligans und ihrem Ziel zu stehen. Durch einen Wurf mit einem Stuhl wurde der Fotograf Stelios Volitakis am Kopf verletzt. Es besteht darüber hinaus Gefahr für sein Augenlicht. Seine Kopfverletzungen wurden in Athens größten Unfallkrankenhaus KAT behandelt. Zur Rettung seines Augenlichts hat der Pressefotografenverband Griechenlands einen Spezialisten gesucht. Drei weitere Personen wurden von den Hooligans leicht verletzt.

Volitakis befand sich anlässlich der Auslosung der Spieltage von Griechenlands zweiter Liga, der Football League, vor Ort. Bei dem Event sollte der Vorsitzende der Football League, Spyros Kalogiannis, mit einer Ehrung ausgezeichnet werden. Ebenso anwesend war der noch amtierende Präsident des griechischen Fußballverbands Giorgos Girtzikis.

Girtzikis steht wegen Manipulationen bei den Gesundheitsattesten von Sportlern unter Anklage und hätte eigentlich bereits zurücktreten müssen. Seine Eingriffe in die Sportgerichtsbarkeit hatten zur zwischenzeitlichen Aussetzung der Fußballligen durch Sportminister Stavros Kontonis geführt. Schließlich stellten sich selbst FIFA und UEFA auf Seiten des Ministers. Der Anstoß für die erste Liga erfolgt somit am kommenden Wochenende.

Doch auch bei der Kompromisslösung, bei der unter anderem der frühere Schiedsrichter und jetzige UEFA-Funktionär Kyros Vasaras als Oberschiedsrichter bestimmt wurde, gibt es kritische Stimmen seitens eines Teils der Vereine.

Sportminister Stavros Kontonis. Bild: W. Aswestopoulos

Derweil wurde der wegen bandenmäßigem Wettbetrugs angeklagte Fußballboss von Olympiakos Piräus, Vangelis Marinakis, mit einer drohenden U-Haft konfrontiert. Marinakis, der zu den vier Meistbietenden um eine der landesweiten privaten Fernsehlizenzen gehört (Aufruhr in Griechenlands Medienwelt), hat gegen seine Kautionsauflagen verstoßen. So jedenfalls sieht es der zuständige Staatsanwalt Stamatis Daskalopoulos.

Er zitiert aus der Anklageschrift, dass Marinakis sich für die Mitgliedschaft und Führung einer kriminellen Organisation, die auf dem Gebiet des griechischen Fußball tätig war, wegen fortgesetzten Betrugs, fortgesetzte Erpressung, betrügerisches unlauteres Handlungen und vorsätzliches Störung von Fußballspielen, um deren Ergebnisse zu verändern, verantworten muss. Daskalopoulos ruft in Erinnerung, dass neben Marinakis sieben weitere Angeklagte, ehemalige Führungskräfte der EPO, für vier Verbrechen - die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Betrug, Erpressung und Korruption - auf die Anklagebank müssen. Dazu gesellen sich zwanzig weitere Angeklagte, Schiedsrichter, Trainer und Spieler, die sich für die Durchführung der Manipulation der Spielergebnisse verantworten sollen.

Vangelis Marinakis nach der Auktion für die Fernsehlizenzen. Bild: W. Aswestopoulos

Für den Staatsanwalt ist Marinakis Festnahme und eine U-Haft bis zum Prozess gerechtfertigt. Daskalopoulos erläuterte, dass Marinakis, dem für die Dauer bis zum Prozess als Kautionsauflage jegliche Tätigkeit im Fußball verboten wurde, fortwährend als Präsident von Olympiakos Piräus in der Öffentlichkeit auftritt, Spielerkäufe persönlich regelt und den Verein weiterhin aktiv führt. Weil der Staatsanwalt auch den öffentlichen Äußerungen von Marinakis entnimmt, dass dieser weiterhin gewillt sei, Spiele zu beeinflussen, verlangt Daskalopoulos die Festnahme. Darüber muss in den nächsten Tagen durch das Konzil des Berufungsgerichts, entschieden werden.

Der von der Verhaftung Bedrohte hatte vor Tagen geäußert, er sähe die Tätigkeit der Justiz mit Humor. Offenbar ist für ihn allerdings nun Schluss mit lustig. Marinakis erstattete Anzeige gegen den Staatsanwalt, weil er sich ungerecht behandelt und verfolgt sieht. Er wirft seinerseits der Staatsanwaltschaft ein Komplott gegen sich vor.

Die Angriffe der Vermummten sind im Zusammenhang der zahlreichen Skandale des griechischen Fußballs und nicht als Angriff der Hooligans auf die Presse zu sehen. Der Photojournalistenverband möchte gegen die untragbaren Zustände auf seine Weise protestieren. Nachdem es bereits in der vergangenen Saison zahlreiche verletzte Kollegen gab, soll zum Start der griechischen Fußballsaison nun alle Welt sehen, was wirklich vorgeht.

Die Pressefotografen wollen am ersten Spieltag während der Spiele für eine Viertelstunde ihre Tätigkeit unterbrechen, Transparente hochhalten und damit gegen die Gewalt und Korruption im Fußball protestieren. (Wassilis Aswestopoulos)

Anzeige