Gibt es Ausländerkriminalität?

Nein? Na gut. Aber wie ist es mit einzelnen Gruppen, zum Beispiel Mhallamiye?

Sind Ausländer kriminell? Jeder wird antworten: Blödsinn. Aber wenn man die Frage einengt und fragt: Ist eine bestimmte Gruppierung kriminell - wie beispielsweise Mitglieder der Ethnie der Mhallamiye und speziell der so genannte Clan der Miri? - Oder, anders herum, wenn man die Frage eine Stufe zurückschaltet und scheinbar neutral fragt: Wie sieht es aus mit der Ausländerkriminalität? - Dann fällt die Antwort oftmals nicht mehr so klar aus.

Eigentlich ist ja schon der Begriff der Ausländerkriminalität selbst merkwürdig. Wer von Ausländerkriminalität spricht, um sie von Inländerkriminalität abzugrenzen, der meint nur selten Kriminalität, die bloß von Ausländern begangen werden kann, wie etwa Verstöße gegen bestimmte Auflagen des Aufenthalts- oder Asylrechts. Meist meint er Kriminalität, die er, zu Recht oder zu Unrecht, mit Ausländern (oder Deutschen mit Migrationshintergrund) in Verbindung bringt - zum Beispiel Ehrenmorde oder auch ganz "normale" Kriminalität wie etwa Drogenhandel.

In der Vergangenheit wurde der Begriff der Ausländerkriminalität immer wieder gebraucht. Aber es gibt kaum seriöse Studien, die gründlich nach einem qualitativen oder quantitativen Zusammenhang zwischen Kriminalität und dem so genannten Migrationshintergrund fragten.

Schwierigkeiten liegen unter anderem darin begründet, dass etwa die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zwar die Nationalität von Tatverdächtigen nennt, nicht aber eine eventuelle ausländische Herkunft (bei deutscher Staatsbürgerschaft). Außerdem wäre es schwierig, den Anteil an deutschen und nichtdeutschen Tatverdächtigen zu vergleichen, also gegenüberzustellen, bei welcher Gruppe - Ausländer oder Inländer - der jeweilige Prozentsatz an Tatverdächtigen höher ist.

Das liegt daran, dass die dafür nötigen Zahlen nicht verfügbar sind: Die Bevölkerungsstatistik enthält bestimmte Ausländergruppen nicht, die aber in der PKS1 als nichtdeutsche Tatverdächtige gezählt werden (Personen ohne Aufenthaltserlaubnis, Touristen, Durchreisende, Besucher, Grenzpendler und Stationierungsstreitkräfte). Man kann mit der PKS also errechnen, wie viel Prozent der Deutschen Tatverdächtige sind, aber nicht, wie viel Prozent der Ausländer. Andere Quellen nennen für bestimmte Bereiche trotzdem Zahlen, etwa bei der Jugendkriminalität in Berlin. Danach sollen 80 Prozent der jugendlichen Straftäter in Berlin einen Migrationshintergrund haben.

Zusammenhänge lassen sich eher durch Befragungen ermitteln. So hat der Kriminologe Christian Pfeiffer herausgefunden, dass ausländische Jugendliche deutschen gegenüber zwar doppelt so hoch mit Gewalt "belastet" seien. Aber nur, wenn die Verhältnisse sich unterschieden, also etwa der türkische Jugendliche zur "Unterschicht" gehöre. Wenn er dagegen eine Realschule besuche und sein Vater kein "Prügler" sei, dann sei sein Gewaltpotential nicht größer sei als das eines deutschen Jugendlichen unter vergleichbaren Verhältnissen.

Interessant dabei ist, dass die FAZ ihren Bericht darüber mit "Junge Türken neigen am meisten zur Gewalt" betitelt, obwohl sie Pfeiffers Argumentation durchaus so wiedergibt: Zwar besucht ein deutlich erhöhter Anteil türkischer Jugendlicher eine Hauptschule, erlebt auch Gewalt zu Hause und ist dementsprechend häufiger gewalttätig. Aber das hat nicht mit der "Ethnie", sondern mit der "Unterschicht" zu tun - auch wenn man fragen muss, ob (und wenn ja: warum) türkische Väter häufiger prügeln.

Insgesamt gesehen ist "Ausländerkriminalität" also ein zumindest ungenauer, wenn nicht irreführender Begriff, denn er suggeriert einen Kausalzusammenhang zwischen Kriminalität und ausländischer Herkunft, obwohl der Zusammenhang eher mit den wirtschaftlichen und Bildungsumständen bestehen dürfte.

Es gibt noch mehr interessante Blicke auf einzelne Aspekte der Lebenswirklichkeit von Migranten - und damit Hinweise für größere Problemlagen. Viele von Insidern wie Seyran Ates oder Güner Balci.

Der Jurist und Journalist Joachim Wagner schreibt in Richter ohne Gesetz" über "islamische Paralleljustiz", die seiner Ansicht nach den deutschen Rechtsstaat gefährdet.

Kürzlich erschien von Beate Krafft-Schöning, Blutsbande, ein Buch darüber, wie "aus einer arabischen Großfamilie in Deutschland der berüchtigte 'Miri-Clan' wurde".

Sowohl Wagner als auch Krafft-Schöning schreiben über arabische Großfamilien, Wagner im Allgemeinen, Krafft-Schönings Buch handelt von einer Familie; beide interessieren sich für Mhallamiye.

Bei diesen handelt es sich um eine ethnische Gruppe, deren Mitglieder arabisch sprechen und vor allem in Südostanatolien und im Libanon leben. Sie werden laut dem Migrationsforscher Ralf Ghadban von Arabern als Kurden, von anderen Kurden aber nicht als Kurden betrachtet. Einen Eindruck von diesem Streit gibt die Diskussionsseite im Wikipedia-Artikel. Viele sind aus dem Libanon ausgereist. In Deutschland leben die meisten in Berlin, Essen und Bremen.

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