Global Peace Index: Fortgesetzte Verschlechterung der Friedenslage

Die roten Zonen sind die unfriedlichsten, die grünen die friedlichsten. Bild: Global Peace Index 2018

"So wenig friedlich wie jetzt war die Welt zu keinem Zeitpunkt in den letzten zehn Jahren"

Die Welt ist im vergangenen Jahr noch weniger friedlich geworden, stellt der Global Peace Index 2018 fest. So wenig friedlich wie jetzt war sie zu keinem Zeitpunkt in den letzten zehn Jahren, wird den Medien zugerufen. Bereits im letzten Jahr wurde Gleiches verlautbart ( Die Welt ist in den letzten 10 Jahren weniger friedlich geworden).

Mediennutzer werden kaum überrascht sein. Aber, wie es schon im Namen steckt, der Global Peace Index hat den Anspruch, Messbares, objektivere Kriterien für den Stand des Friedens in der Welt anzulegen, als es der normale Mediennutzer tut, der jeden Tag vom dritten Weltkrieg, PsyOps, False Flag-Operationen, Fake-Morden und der nächsten bevorstehenden kriegerischen Großeskalation im Nahen Osten liest.

In der grobkörnigen Punktaufnahme sieht der Zustand der Welt gemäß GPI so aus. Untersucht werden 163 Länder, in 92 Ländern hat sich die Lage zwischen 2016 und 2017 verschlechtert. In 71 Ländern ist sie besser geworden.

Das rechnerische Fazit: "Das globale Friedens-Level hat sich um 0,27 Prozent im letzten Jahr verschlechtert. Damit verschlechtert sich das Level im vierten Jahr in Folge." Dazu dann noch eine anschauliche Hammerzahl: Seit zehn Jahren ist die Zahl der Gefallenen in einem Kriegsgebiet um 264 Prozent angestiegen.

Die Methodik des Global Peace Index (GPI), jährlich veröffentlicht vom australischen Think Tank Institute for Economics and Peace (IEP), besteht darin, den Frieden daran zu messen, wie sehr ein Land es mit inneren und äußeren Konflikten zu tun hat, wie es um sozialen Schutz und Sicherheit steht und wie es beim Punkt "Militarisierung" aussieht.

Dafür werden jeweils nachvollziehbare Indizien aufgestellt, etwa beim letzten Feld Militärausgaben, aber auch Waffenverkäufe, Zugang zu Waffen, Besitz von Waffen. Die insgesamt 23 Indizien sind auf Seite 81 der Langfassung des Global Peace Index 2018 übersichtlich dargestellt

Zu den wichtigsten Leitlinien des GPI gehört, dass Friedenszeiten für die wirtschaftliche Entwicklung viel einträglicher sind: "Im letzten Jahrzehnt war das Wachstum von Ländern, deren Friedensindizien sich verbessert hatten, sieben Mal höher als das von Ländern, deren Indizien eine Verschlechterung auswiesen."

Die stärksten Verbesserungen des Index stellt der Bericht für Gambia fest, das 35 Plätze nach oben kletterte; auch in Liberia, Burundi und Senegal werden Verbesserungen beobachtet. Ansonsten werden noch Bhutan, Sri Lanka, Indien und Nepal eigens erwähnt, wobei für Asien angesichts von Afghanistan und Pakistan eine "inequality of peace" konstatiert wird.

Als friedlichstes Land wird Island gelistet (S.10), gefolgt von Neuseeland, Österreich, Portugal und Dänemark. Deutschland ist auf Platz 17 (zusammen mit Ungarn).

Die USA sind auf Platz 121 und Russland weit hinten, im roten Bereich der gefährlichen Länder, auf Platz 154 noch hinter der Türkei, Nordkorea, Pakistan, der Ukraine und dem Sudan. Woher die schlechte Stellung gegenüber den USA genau rührt, war schon im vergangenen Jahr schwer zu erschließen.

Dass Syrien, wie schon im vergangenen Jahr, auf Platz 163 ganz unten steht, nach Irak, Süd-Sudan und Afghanistan, verwundert dagegen wenig. Wie auch dass der Nahe Osten und Nordafrika als konfliktreichste Zonen ausgewiesen werden. Für die Heranwachsenden und die Jugend in der Region verheißt das miserable Aussichten, wie das schon in den UN-Entwicklungsberichten Ende des letzten Jahrzehnts zur Sprache kam.

Auch für Europa, "die friedlichste Region", diagnostiziert der Index eine Verschlechterung. In 23 von 36 Ländern hätten sich die Kennzahlen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Seit 2008 treffe das auf 61 Prozent der europäischen Länder zu. Am stärksten sei das Friedensniveau in Spanien gesunken. (Thomas Pany)