Globalisierung und Entwurzelung

Die Wirtschaft nimmt uns alles weg

Deleuze und Guattari sagen, dass "multinationale Unternehmen eine Art glatten, deterritorialisierten Raum herstellen" (Mille Plateaux), was wir in der Regel "Globalisierung" nennen.

Als unübertroffene Modelle der "unverantwortlichen Firma" (Luciano Gallino), sind die multinationalen und delokalisierten Unternehmen überall und nirgendwo. Sie sind überall, wenn es darum geht, in jeder Ecke des Planeten billig auszubeutende Arbeitskraft zu finden und Produkte zu verkaufen (gemäß der beiden Hebel der Verlagerung der Produktion und der Masseneinwanderung, sprich der neuen Massendeportation von Arbeitern, die ad libitum ausgebeutet werden können). Und sie sind nirgendwo, wenn es darum geht, die Gewinne aus dem Verkauf zu erklären, Steuern zu zahlen und die Würde der menschlichen Arbeit sowie die Umwelt zu achten.

Wesentlich für das Kapital ist seit seiner Erschaffung ebenso die Tendenz zur Entwurzelung und Deterritorialisierung, die sich einerseits mit der Globalisierung vervollständigt - im Sinne einer dynamischen Rekonfigurierung des Planeten als eines einzigen homologierten Marktes ohne Unterscheidungen; und zum anderen mit der Einführung der nachbürgerlichen Herrschaft der neuen Finanzaristokratie, die gegen jede Form ethischen, symbolisch und materiell verwurzelten Lebens ist.

Die schlechte Universalität des Globalismus kann in der Bewahrheitung jener Logik als ausgeführt angesehen werden, die bereits Adam Smith im Wohlstand der Nationen umriss.

Darin steht, dass der Besitzer des Kapitals eigentlich ein Weltbürger ist und sich nicht notwendigerweise an ein bestimmtes Land gebunden fühlt. Er wäre dazu bereit, das Land, in dem er einer schikanösen und belastenden Steuerermittlung unterzogen wird, zu verlassen und sein Vermögen in irgendein anderes Land zu bringen, wo er seiner Aktivität nachgehen und sein Reichtum genießen kann.

Außerdem sieht die von Smith theoretisierte und verherrlichte unsichtbare Hand keine Territorialität oder Lokalisierung vor, keinerlei Verwurzelung oder Regionalität. Sie wirkt im globalen Raum, in den virtuell endlosen Weiten des entnationalisierten Marktes, da die spontane Synthese der Egoismen - die neue theodizeeische Wirtschaft der Modernen -, die auf der rhizomatischen Vervielfachung privatistischer Interessen basiert, auf globaler Ebene, auf der glatten Fläche des grenzenlosen und uneingeschränkten Tausches eintreten wird.

Einzelne Staaten sowie einzelne Personen mögen zwar verarmen, dennoch wird sich das generelle Gleichgewicht des Marktes aufgrund einer unergründlichen, immanenten Vorsehung durchsetzen. So verwirklicht sich jene "Entwurzelung", die bereits Martin Heidegger - ein heute von einem Pack von Schreiberlingen und Gedankensurfern verhöhnter und verspotteter Riese - als Sinnbild des Technokapitalismus kritisiert hat.

Übersetzung Jenny Perelli

Diego Fusaro, 1983 in Turin geboren, lehrt Philosophie an der Mailänder Universität. Als unabhängiger Freidenker, intellektueller Dissident, der politisch weder rechts noch links anzusetzen ist, verblüfft er seit geraumer Zeit ganz Italien mit seiner eigenwilligen, neoidealistischen Auslegung des Marxschen Gedanken. In seinen Büchern beschreibt er die Widersprüche des Systems und des Lebens des postmodernen Menschen. Fusaro betreibt die Website filosofico.net.

(Diego Fusaro)