Glücklichsein für fünf Dollar am Tag

Persönlicher Reichtum kann durchaus glücklich machen: wenn man das Geld nicht für sich, sondern für andere ausgibt

Wenn mir Telepolis doch nur zehn Prozent mehr für diesen Artikel zahlte… Wenn mein Chef doch mein Gehalt um wenigstens 500 Euro anhöbe… Wenn meine Frau doch bloß halb so viel für Kosmetik und Friseur ausgäbe… Wenn mein Mann doch unser Familieneinkommen nicht in der Wirtschaft ließe… Mit derartigen, natürlich rein fiktiven und völlig klischeehaften Gedanken mag sich mancher den positiven Effekt ausmalen, den der Faktor „mehr Kohle“ für den eigenen Glückzustand ausmachen könnte.

„Geld macht nicht glücklich“, das haben auch die Psychologen längst herausgefunden, dieser alte Spruch stimmt natürlich hinten und vorne nicht. Ersetzt wurde er aber auch nicht durch sein Gegenteil. Superreiche sind ebensowenig superglücklich, wie Arme rund um die Uhr unglücklich sind. Das Glück ist schwer zu fassen, da geht es den Wissenschaftlern nicht anders als Menschen wie dem Leser und dem Autor. Tatsache ist: sobald ein gewisser Mindeststandard erreicht ist, nimmt der mittlere Glückzustand in einem Industrieland kaum noch zu. Extremes Fehlen von Geld wird eher als Unglück empfunden als dessen ständiges Vorhandensein als Glück.

Oft genug fehlt den Menschen auch die richtige Strategie, Geldanlagen in langfristige Glücksanlagen zu verwandeln - der Kauf teurer Konsumgüter befriedigt nur kurzfristig. Wie es sich mit dem Kauf teurer Brustvergrößerungen verhält, haben die Wissenschaftler noch nicht ausreichend untersucht, alternde Ex-Fußballstars, die als Testpersonen dafür geeignet wären, gibt es offenbar nicht in ausreichender Anzahl. Allerdings zeigt eine Studie in dem renommierten Wissenschaftsmagazin Science, dass der erwähnte Fußballtrainer-Azubi instinktiv oder sogar bewusst richtig gehandelt hat. Geld macht nämlich, so das Fazit des kanadisch-amerikanischen Forscherteams, auf jeden Fall dann glücklich, wenn man es für andere ausgibt.

Die Wissenschaftler näherten sich dieser These auf drei Ebenen. Zum ersten ermittelten sie mit Hilfe einer Befragung den Zusammenhang zwischen persönlichem Einkommen, Ausgabe- und Spendeverhalten und Glücksempfinden. Das Ergebnis zeigte, dass nicht die Menschen glücklicher sind, die mehr für sich selbst ausgeben, sondern die, die mehr Geld für wohltätige Zwecke spenden. Wie Menschen ihr Geld ausgeben, so das Fazit dieser Ebene, ist für das Glücksgefühl mindestens ebenso wichtig wie der Betrag des Einkommens.

Im Schritt zwei testeten die Forscher ihre Hypothese bei unverhofftem Geldsegen. Menschen, die anschließend mehr für andere ausgeben, sollten demnach glücklicher sein als die Vergleichsgruppe - und tatsächlich ließ sich dieser Effekt nachweisen. Mit 16 Testpersonen war das Versuchsfeld hier allerdings recht knapp besetzt. Auch hier wirkte sich der Anteil der Spende am Geldsegen stärker auf das Glücksgefühl aus als die Höhe der plötzlichen Einnahmen.

Im dritten Schritt schließlich rekrutierten die Wissenschaftler 46 Personen für ein Experiment. Den Teilnehmern wurde, nachdem sie auf standardisierte Weise ihren Glückszustand festgehalten hatten, am Morgen Umschläge mit fünf oder 20 Dollar übergeben, die sie bis 17 Uhr auszugeben hatten. Und zwar auf vorgegebene, aber zufällig ausgewählte Weise: eine Gruppe sollte das Geld für sich selbst verwenden, die andere für jemand anderen, also ein Geschenk kaufen oder eine Spende geben. Am Ende des Tages wurde erneut der Glückzustand abgefragt - mit dem Ergebnis, dass die spendenden Teilnehmer sich als signifikant glücklicher erwiesen als ihre sich selbst belohnenden Mitspieler. Die Höhe des erhaltenen Betrags hatte aber keinen Einfluss. Das heißt, selbst wer nur fünf Dollar gespendet hatte, konnte sich damit ein substanzielles Glücksgefühl verschaffen. Ihr Ergebnis, so die Forscher, reiht sich in aktuelle Veröffentlichungen zu dem Thema ein, die den Einfluss der Lebensumstände auf das empfundene Glück als immer weniger wichtig betrachten.

Und warum spenden die Menschen dann nicht bereitwilliger und regelmäßiger? Aus bloßem Unwissen, meinen die Forscher. Bei einer prospektiven Befragung, wie das Experiment wohl ausgegangen sein mag, meinten nämlich die meisten Teilnehmer gleich doppelt falsch, mehr Geld zu bekommen und mehr für sich selbst auszugeben, würde ihnen ein stärkeres Glücksgefühl verschaffen.

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